<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/">
  <channel>
    <title>film &amp;mdash; Der Geist aus dem Gerät</title>
    <link>https://paper.wf/der-geist-aus-dem-geraet/tag:film</link>
    <description>Wirrwarr. Unauflöslich. Texte &amp; Musik. &amp; Alles in Fetzen.</description>
    <pubDate>Mon, 11 May 2026 18:26:21 +0000</pubDate>
    <item>
      <title>Über die Abschaffung der Unschuld des Films</title>
      <link>https://paper.wf/der-geist-aus-dem-geraet/uber-die-abschaffung-der-unschuld-des-films</link>
      <description>&lt;![CDATA[Über die Abschaffung der Unschuld des Films &#xA;&#xA;Einige nicht ausformulierte Anmerkungen &amp; Notizen.&#xA;Arbeitsmaterial.&#xA;!--more--&#xA;In der Folge in einfacher &#34;Gut Böse&#34; Entstellung, wie der minimale Begriff der dichotomischen Welt in diesen &#34;Filmen&#34;.&#xA;&#xA;Der letzte Propaganda Trick des Kapitals im Film; Die &#34;Bösen&#34; sagen die &#34;Richtigen&#34;, die &#34;Guten&#34; Sachen: &#34;wir räumen ihnen den Dreck hinterher, wir kämpfen ihre Kriege, während sie ihre eigene &#34;heilige&#34; Familie&#34; in Gefahr bringen.&#34;&#xA;&#xA;Spiderman 3 Homecoming, middle class worker,  Batman, das Richtige zu wollen, muss krank sein. Propaganda eben. Alles reale wird pervertiert. &#34;Max&#34; in Spiderman Electro, der nur gebraucht werden will, aber vom Bösen &#34;benutzt&#34; wird. &#xA;&#xA;Alles richtige Wollen wird pervertiert ins Scheitern müssen.&#xA;Nur der kapitale Erfolg also wäre die Grundbedingung alles &#34;Guten&#34;.&#xA;Wer gescheitert ist als Existenz, muss demzufolge &#34;Böse&#34; gerade in seinen falschen Willen zum &#34;Guten&#34; sein.&#xA;&#xA;Dark Knight Rises mit der Pervertierung der Revolutionsparolen, die nur von Kriminellen benutzt werden, um Kriminelle zu befreien - alle im Knast sind schuldig, weil sie im Knast sitzen etc. Die Idee der Hoffnung auf ein besseres Leben und des Sinnes des Kampfes dafür als pervertierte Waffe von Kriminellen, um jede Hoffnung zu diskreditieren und den Sinn des Kampfes dafür von vornherein als Kampf für verbrecheriche Ideale zu diskreditieren, das ist Propagande in ihrer pervertiertesten Form - die Umwertung alle Werte. Und nichts daran ist Zufall, ungewollt oder Beiwerk, denn jede Sekunde des Drehs ist teuer bezahlt, tausende Male geprüft, verworfen, geändert und gewichtet worden, um den maximalen Profit mit der Nachricht desselben zu verbinden.&#xA;&#xA;Nur das Postulat des Bösen, dieses Konstruktes, welches die richtigen Dinge sagt, erfordert noch Erfindung, Plot, Geschichte, und ist nachweisbar Willkür oder Werbung.&#xA;&#xA;Die Pervertierung der Pariser Comune in New York.&#xA;Denn Film kann die Geschichte, ihre Erfahrung neu schreiben, glaubt die Propaganda.&#xA;&#xA;Höhepunkte:&#xA;&#xA;Höhepunkt der Marsch der Polizei oder Armee, um die falsche Revolution niederzuschlagen, die Soldaten gleichen der Menge an Armen auf franz. Revolutionszeichnungen - die Aufständigen endlich bösen schwerbewaffneten Revolutionäre der Soldateska der Armeen der franz. Entente - Umkehrung alle Bilder. Die Armee kämpft für die Freiheit der Bürger  Paris, die Soldateska der Revolutionäre der Comune versuchen es zu verhindern - die gesprengten Barrikaden als Symbol der Freiheit endlich, nicht länger Symbol des Kampfes gegen die Unterdrücker. (Batman)&#xA;&#xA;Höhepunk freilich ist, das jenes Urböse am Ende eine Frau ist - Tochter von Razalguhl, brave Tochter, ein Diskurs, der tatsächlich jedes Maass sprengen würde, Ursündenfall des Feminismus an sich... Das weibliche, das seine Attraktion benutzt, nur um den Guten zu verführen... Vollstreckerin selbstverständlich nicht des eigenen Willens, sondern des Willens ihres Vaters... Die unsägliche Reproduktion der rächenden Frau, das Messer, das wartet, das sich Zeit lässt, um dann die Rache im Namen des Vaters (Teufels) zu vollziehen. (Batman)&#xA;&#xA;Höhepunkt der Bigotterie, der Vater wird verhaftet. Die Geliebte muss gehen. aber kein Problem. Alles OK. Die nächste Landesmeiserin im intellektuellen 10 Kampf kommt bestimmt. (Spiderman)&#xA;&#xA;Höhepunkt: The Dark knight. der Verbrecher sagt, es geht nicht um Geld, sondern darum, eine Nachricht zu senden. Der Pervertierte Idealist, Das gute Geld folglich. (Batman)&#xA;&#xA;Höhepunkt: Beginn der Propaganda. Der Joker als pervertierter Anarchist - Nimm einen kleinen Schuss Anarchie - Pläneschmieder. Er bellt und handelt einfach. Es hat den Eindruck, die Propaganda bereitet sich auf diese Gefahr vor, die eines Anarchistischen Terrors des Einzelnen, der keiner Organisation mehr zu gehört, also gilt es den Willen und die Vorsätze des Einzelnen zu zerstören zu diskreditieren mit Propaganda. (Batman)&#xA;&#xA;Höhepunkt: Die Verbrecher, die sich aufgrund der Einsicht in das Gute der Bürgerlichen Gesellschaft, die sie in den Knast schickte, zum Selbstopfer entscheiden. (Batman)&#xA;&#xA;Höhepunkt: Es tut mir leid, ihre Träume zerstören zu müssen, indem ich ihnen sage, das es in Wirklichkeit Alpträume sind. (Christopher Nolan.)&#xA;&#xA;...&#xA;&#xA;Die Kehrtwendung Hölderlins, wo Gefahr ist wächst das rettende auch in &#34;wo du Rettung willst, wist du gefährlich&#34;, die Diskreditierung des &#34;das richtige Wollen&#34;.&#xA;&#xA;Alles was errettet werden kann und wird, sind die falschen Werte der Familie oder des falschen Glaubens. Nur bitterste dümmste Naivität, Rückkehr und Erinnerung an das Schloss, aus dem wir krochen (bei Batman), obsiegt am Ende über alle Erfahrung und alles Wissen um die Realität.&#xA;&#xA;Es sind meisterhaft dank enormer Mittel und Ressourcen durchchoreografierte Werke der Propanganda.&#xA;&#xA;Jede Nachricht, jede Meldung, jeder Film in der Welt des Kapitalismus ist und muss Propaganda sein.&#xA;&#xA;Da der Kapitalismus keine Inhalte liefern kann, muss das Bild selber, die Ikone für die Ikonographie stehen.&#xA;&#xA;Nur Notizen.&#xA;Mehr dazu vielleicht hier: Zur Gesellschaft der Strafe&#xA;&#xA;2018&#xA;&#xA;#Fetzen  #Film&#xA;&#xA;smallDer Geist aus dem Gerät/small]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<h2 id="über-die-abschaffung-der-unschuld-des-films" id="über-die-abschaffung-der-unschuld-des-films">Über die Abschaffung der Unschuld des Films</h2>

<p>Einige nicht ausformulierte Anmerkungen &amp; Notizen.
Arbeitsmaterial.

In der Folge in einfacher “Gut Böse” Entstellung, wie der minimale Begriff der dichotomischen Welt in diesen “Filmen”.</p>
<ul><li><p>Der letzte Propaganda Trick des Kapitals im Film; Die “Bösen” sagen die “Richtigen”, die “Guten” Sachen: “wir räumen ihnen den Dreck hinterher, wir kämpfen ihre Kriege, während sie ihre eigene “heilige” Familie” in Gefahr bringen.”</p></li>

<li><p>Spiderman 3 Homecoming, middle class worker,  Batman, das Richtige zu wollen, muss krank sein. Propaganda eben. Alles reale wird pervertiert. “Max” in Spiderman Electro, der nur gebraucht werden will, aber vom Bösen “benutzt” wird.</p></li>

<li><p>Alles richtige Wollen wird pervertiert ins Scheitern müssen.
Nur der kapitale Erfolg also wäre die Grundbedingung alles “Guten”.
Wer gescheitert ist als Existenz, muss demzufolge “Böse” gerade in seinen falschen Willen zum “Guten” sein.</p></li>

<li><p>Dark Knight Rises mit der Pervertierung der Revolutionsparolen, die nur von Kriminellen benutzt werden, um Kriminelle zu befreien – alle im Knast sind schuldig, weil sie im Knast sitzen etc. Die Idee der Hoffnung auf ein besseres Leben und des Sinnes des Kampfes dafür als pervertierte Waffe von Kriminellen, um jede Hoffnung zu diskreditieren und den Sinn des Kampfes dafür von vornherein als Kampf für verbrecheriche Ideale zu diskreditieren, das ist Propagande in ihrer pervertiertesten Form – die Umwertung alle Werte. Und nichts daran ist Zufall, ungewollt oder Beiwerk, denn jede Sekunde des Drehs ist teuer bezahlt, tausende Male geprüft, verworfen, geändert und gewichtet worden, um den maximalen Profit mit der Nachricht desselben zu verbinden.</p></li>

<li><p>Nur das Postulat des Bösen, dieses Konstruktes, welches die richtigen Dinge sagt, erfordert noch Erfindung, Plot, Geschichte, und ist nachweisbar Willkür oder Werbung.</p></li>

<li><p>Die Pervertierung der Pariser Comune in New York.
Denn Film kann die Geschichte, ihre Erfahrung neu schreiben, glaubt die Propaganda.</p></li>

<li><p>Höhepunkte:</p></li>

<li><p>Höhepunkt der Marsch der Polizei oder Armee, um die falsche Revolution niederzuschlagen, die Soldaten gleichen der Menge an Armen auf franz. Revolutionszeichnungen – die Aufständigen endlich bösen schwerbewaffneten Revolutionäre der Soldateska der Armeen der franz. Entente – Umkehrung alle Bilder. Die Armee kämpft für die Freiheit der Bürger  Paris, die Soldateska der Revolutionäre der Comune versuchen es zu verhindern – die gesprengten Barrikaden als Symbol der Freiheit endlich, nicht länger Symbol des Kampfes gegen die Unterdrücker. (Batman)</p></li>

<li><p>Höhepunk freilich ist, das jenes Urböse am Ende eine Frau ist – Tochter von Razalguhl, brave Tochter, ein Diskurs, der tatsächlich jedes Maass sprengen würde, Ursündenfall des Feminismus an sich... Das weibliche, das seine Attraktion benutzt, nur um den Guten zu verführen... Vollstreckerin selbstverständlich nicht des eigenen Willens, sondern des Willens ihres Vaters... Die unsägliche Reproduktion der rächenden Frau, das Messer, das wartet, das sich Zeit lässt, um dann die Rache im Namen des Vaters (Teufels) zu vollziehen. (Batman)</p></li>

<li><p>Höhepunkt der Bigotterie, der Vater wird verhaftet. Die Geliebte muss gehen. aber kein Problem. Alles OK. Die nächste Landesmeiserin im intellektuellen 10 Kampf kommt bestimmt. (Spiderman)</p></li>

<li><p>Höhepunkt: The Dark knight. der Verbrecher sagt, es geht nicht um Geld, sondern darum, eine Nachricht zu senden. Der Pervertierte Idealist, Das gute Geld folglich. (Batman)</p></li>

<li><p>Höhepunkt: Beginn der Propaganda. Der Joker als pervertierter Anarchist – Nimm einen kleinen Schuss Anarchie – Pläneschmieder. Er bellt und handelt einfach. Es hat den Eindruck, die Propaganda bereitet sich auf diese Gefahr vor, die eines Anarchistischen Terrors des Einzelnen, der keiner Organisation mehr zu gehört, also gilt es den Willen und die Vorsätze des Einzelnen zu zerstören zu diskreditieren mit Propaganda. (Batman)</p></li>

<li><p>Höhepunkt: Die Verbrecher, die sich aufgrund der Einsicht in das Gute der Bürgerlichen Gesellschaft, die sie in den Knast schickte, zum Selbstopfer entscheiden. (Batman)</p></li>

<li><p>Höhepunkt: Es tut mir leid, ihre Träume zerstören zu müssen, indem ich ihnen sage, das es in Wirklichkeit Alpträume sind. (Christopher Nolan.)</p></li></ul>

<p>...</p>
<ul><li><p>Die Kehrtwendung Hölderlins, wo Gefahr ist wächst das rettende auch in “wo du Rettung willst, wist du gefährlich”, die Diskreditierung des “das richtige Wollen”.</p></li>

<li><p>Alles was errettet werden kann und wird, sind die falschen Werte der Familie oder des falschen Glaubens. Nur bitterste dümmste Naivität, Rückkehr und Erinnerung an das Schloss, aus dem wir krochen (bei Batman), obsiegt am Ende über alle Erfahrung und alles Wissen um die Realität.</p></li>

<li><p>Es sind meisterhaft dank enormer Mittel und Ressourcen durchchoreografierte Werke der Propanganda.</p></li></ul>

<p>Jede Nachricht, jede Meldung, jeder Film in der Welt des Kapitalismus ist und muss Propaganda sein.</p>

<p>Da der Kapitalismus keine Inhalte liefern kann, muss das Bild selber, die Ikone für die Ikonographie stehen.</p>

<p>Nur Notizen.
Mehr dazu vielleicht hier: <a href="zur-gesellschaft-der-strafe" rel="nofollow">Zur Gesellschaft der Strafe</a></p>

<p>2018</p>

<p><a href="/der-geist-aus-dem-geraet/tag:Fetzen" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Fetzen</span></a>  <a href="/der-geist-aus-dem-geraet/tag:Film" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Film</span></a></p>

<p><small><em>Der Geist aus dem Gerät</em></small></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/der-geist-aus-dem-geraet/uber-die-abschaffung-der-unschuld-des-films</guid>
      <pubDate>Sun, 01 May 2022 14:08:33 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Kino ohne Kunst</title>
      <link>https://paper.wf/der-geist-aus-dem-geraet/kino-ohne-kunst</link>
      <description>&lt;![CDATA[Kino ohne Kunst&#xA;&#xA;Es gibt einen Satz über das Kino, der an einem bestimmten Zeitpunkt eine Wahrheit über das  Kino als zeitgemässe Kunstform formulierte: “Das Kino produziert Erinnerung, das Fernsehen dagegegen Vergessen.”&#xA;!--more--&#xA;Das Kino von Heute ist das Fernsehen von damals. Jener Satz von Godard, der aus einer Zeit stammt, als der Film sich nicht zuletzt als “die” zeitgemässe Kunstform begriff, impliziert den Gedanken, daß jenes Kino Differenz gegenüber der Indifferenz schaffte. Heute dagegen produziert gerade auch der Film Vergessen, mehr noch - er selbst vergisst seine Wurzeln. Vor den Eingängen der Multiplexe trifft eine neue Generation von Kinogängern auf eine Generation, für die eben jener Satz von Godard noch massgebend ist. Für diese Generation existiert das Kino noch als Kunstform, der nicht zuletzt den Originalitätsgedanken einschliest. Sie hat die erste Starwars trilogie gesehen, sie hat die erste Verfilmung des Herrn der Ringe gesehen und nicht zuletzt jenes Kino der großen Regisseure wie Pasolini, Tarkowski und Godard, welche jene neue Generation, die mit ihnen vor den Kinosälen steht, wohl unter dem abfälligen Begriff des nichtkommerzialisierbaren Autorenfilms abtut. &#xA;&#xA;Aber dieser jüngeren Generation, der das Remake  das Original bedeuted, das sie nicht kennt, mangelt eben dadurch der Sinn für das, was das Kino als Kunstform auszeichnet - die Erfahrung des Films als neuer und originärer Ausdruck. Sicher, viele dieser Remakes sind beeindruckende optische Erlebnisse, aber im Vergleich mit dem Original, mit der Seherfahrung des Zuschauers damals, für die eben nicht nur der visuelle Effekt, sondern auch die erzählte Geschichte solcherart eine Neuigkeit bedeutete, verliert das Remake sogar dann, wenn es, wie etwa in “The Talented Mr. Ripley” eine bekannte Geschichte durchaus auf originelle und überzeugende Art und Weise neuerzählt. &#xA;&#xA;Aber jene Ausdrucksform des Kinos als explizit künstlerische - unvergessen, wie sich die Farbe Gelb durch alle Einstellungen des ersten Filmes schleicht -, ist auch hier verlorengegangen. Selbst die scheinbare “Neuigkeit” des Schnittes in Tarantino’s “Pulp Fiktion”, der die linear abgefilmte Geschichte durch eine nichtlineare Darstellung auflöst, bleibt im Vergleich zum Beispiel mit Tarkowski’s Entwurf einer eigenen filmischen Zeit am Ende doch auf das rein visuelle Spektakel beschänkt. Das dieses Beispiel aber jenen Furor als “neues filmisches Mittel” (der es nie war) erregte, der mittlerweile in jedem amerikanischen Handbuch für Drehbuchautoren nachzulesen ist, zeigt auf der einen Seite die Fantasiearmut der heutigen Filmindustrie, wie es auf der anderen Seite das echte Bedürfniss nach einer Erneuerung des Kinos, nicht zuletzt auch aus kommerziellen Interessen, illustriert. &#xA;&#xA;Das heutige Kino ist allenfalls Pop – die ewige Wiederholung des Immergleicheren. Es lässt sich besser mit Warhol als Godard betrachten. Bestenfalls sieht der Zuschauer noch sein eigenes Leben aus der Leinwand heraustreten wie in Woody Allen’s “Purple Rose of Kairo”, aber die Zeit des Kinos als originelle Kunstform ist vielleicht abgelaufen, wenn es dem Kino nicht gelingt, neue “künstlerische Mittel” jenseits des nur visuellen Spektakels zu entwickeln. Die Neuigkeit des Mediums an sich und damit auch die Möglichkeit, eine Kunstform bis ins Extrem auszureizen, ist heute eine banale geworden. &#xA;&#xA;Die Krisis des Kinos ist sicher keine kommerzielle, sondern eine künstlerische, wobei letztere auch aus dem absoluten Supremat des ersten resultiert. Das auf dem Feld der rein visuellen Neuigkeit auch gute Erfolge zu betrachten sind, bleibt dabei unbestritten, wie zum Beispiel die Verfilmung eines Videospiels a la “Resident Evil” beweist. Aber der Erfolg hier resultiert vor allem aus der gelungenen und in dieser Perfektion noch nicht geschauten Vermischung klassischer Kinogenres – des Horrorfilms (durchaus auf B-Movie Ebene) und des Actionfilms. Das genau an dieser Stelle andere Filme wie “Spiderman” scheitern, liegt in eben jenem Trugschluss, das Kino sich nur auf der rein audiovisuellen Ebene abspielt. Hier wird das Medium mit dem Stoff und dem Ziel verwechselt und muss über kurz oder lang scheitern. &#xA;&#xA;Die Geschichte und damit die Bedeutung des Bildes an sich ist lange zweitrangig geworden vor dem Spezialeffekt. Aber die visuelle Neuigkeit, das so noch nicht geschaute, der Choq, muss verblassen vor eben dieser Indifferenz der reinen Produktionsmasse. Es läuft doch niemand mehr beim Anblick eines auf sich zurasenden Zuges aus dem Kino, und ernsthaft fühlt sich niemand beschossen unter den Bilder des D-days. Und letztendlich ist auch der spektakulärste Effekt kalkulierbar und Zuschauer ist lange schon der bessere Regisseur in einem mittelmässigen Film, der den Effekt vorausahnt, weil er ja genau an der Stelle kommt, wo er ihn schon hundertmal gesehen hat und erwartet. &#xA;&#xA;Das ist eine filmischen Erfahrung, gegen die die Mehrheit der heute produzierten Filme mit immer größeren (und leereren) Bildern anzugehen versucht, und die just das Gegenteil produzieren - Indifferenz und immer schnelleres Vergessen. Ein Kino a la Hollywood, das nur auf die Ohnmacht des Betrachters vor der reinen Macht der Bilder setzt, muss ohne Megaschirm und Dolbysurround seine Wirkung verlieren, weil es seine Geschichten vergessen hat.  &#xA;&#xA;4510 zeichen&#xA;&#xA;Film&#xA;&#xA;smallDer Geist aus dem Gerät/small]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<h2 id="kino-ohne-kunst" id="kino-ohne-kunst">Kino ohne Kunst</h2>

<p>Es gibt einen Satz über das Kino, der an einem bestimmten Zeitpunkt eine Wahrheit über das  Kino als zeitgemässe Kunstform formulierte: “Das Kino produziert Erinnerung, das Fernsehen dagegegen Vergessen.”

Das Kino von Heute ist das Fernsehen von damals. Jener Satz von Godard, der aus einer Zeit stammt, als der Film sich nicht zuletzt als “die” zeitgemässe Kunstform begriff, impliziert den Gedanken, daß jenes Kino Differenz gegenüber der Indifferenz schaffte. Heute dagegen produziert gerade auch der Film Vergessen, mehr noch – er selbst vergisst seine Wurzeln. Vor den Eingängen der Multiplexe trifft eine neue Generation von Kinogängern auf eine Generation, für die eben jener Satz von Godard noch massgebend ist. Für diese Generation existiert das Kino noch als Kunstform, der nicht zuletzt den Originalitätsgedanken einschliest. Sie hat die erste Starwars trilogie gesehen, sie hat die erste Verfilmung des Herrn der Ringe gesehen und nicht zuletzt jenes Kino der großen Regisseure wie Pasolini, Tarkowski und Godard, welche jene neue Generation, die mit ihnen vor den Kinosälen steht, wohl unter dem abfälligen Begriff des nichtkommerzialisierbaren Autorenfilms abtut.</p>

<p>Aber dieser jüngeren Generation, der das Remake  das Original bedeuted, das sie nicht kennt, mangelt eben dadurch der Sinn für das, was das Kino als Kunstform auszeichnet – die Erfahrung des Films als neuer und originärer Ausdruck. Sicher, viele dieser Remakes sind beeindruckende optische Erlebnisse, aber im Vergleich mit dem Original, mit der Seherfahrung des Zuschauers damals, für die eben nicht nur der visuelle Effekt, sondern auch die erzählte Geschichte solcherart eine Neuigkeit bedeutete, verliert das Remake sogar dann, wenn es, wie etwa in “The Talented Mr. Ripley” eine bekannte Geschichte durchaus auf originelle und überzeugende Art und Weise neuerzählt.</p>

<p>Aber jene Ausdrucksform des Kinos als explizit künstlerische – unvergessen, wie sich die Farbe Gelb durch alle Einstellungen des ersten Filmes schleicht –, ist auch hier verlorengegangen. Selbst die scheinbare “Neuigkeit” des Schnittes in Tarantino’s “Pulp Fiktion”, der die linear abgefilmte Geschichte durch eine nichtlineare Darstellung auflöst, bleibt im Vergleich zum Beispiel mit Tarkowski’s Entwurf einer eigenen filmischen Zeit am Ende doch auf das rein visuelle Spektakel beschänkt. Das dieses Beispiel aber jenen Furor als “neues filmisches Mittel” (der es nie war) erregte, der mittlerweile in jedem amerikanischen Handbuch für Drehbuchautoren nachzulesen ist, zeigt auf der einen Seite die Fantasiearmut der heutigen Filmindustrie, wie es auf der anderen Seite das echte Bedürfniss nach einer Erneuerung des Kinos, nicht zuletzt auch aus kommerziellen Interessen, illustriert.</p>

<p>Das heutige Kino ist allenfalls Pop – die ewige Wiederholung des Immergleicheren. Es lässt sich besser mit Warhol als Godard betrachten. Bestenfalls sieht der Zuschauer noch sein eigenes Leben aus der Leinwand heraustreten wie in Woody Allen’s “Purple Rose of Kairo”, aber die Zeit des Kinos als originelle Kunstform ist vielleicht abgelaufen, wenn es dem Kino nicht gelingt, neue “künstlerische Mittel” jenseits des nur visuellen Spektakels zu entwickeln. Die Neuigkeit des Mediums an sich und damit auch die Möglichkeit, eine Kunstform bis ins Extrem auszureizen, ist heute eine banale geworden.</p>

<p>Die Krisis des Kinos ist sicher keine kommerzielle, sondern eine künstlerische, wobei letztere auch aus dem absoluten Supremat des ersten resultiert. Das auf dem Feld der rein visuellen Neuigkeit auch gute Erfolge zu betrachten sind, bleibt dabei unbestritten, wie zum Beispiel die Verfilmung eines Videospiels a la “Resident Evil” beweist. Aber der Erfolg hier resultiert vor allem aus der gelungenen und in dieser Perfektion noch nicht geschauten Vermischung klassischer Kinogenres – des Horrorfilms (durchaus auf B-Movie Ebene) und des Actionfilms. Das genau an dieser Stelle andere Filme wie “Spiderman” scheitern, liegt in eben jenem Trugschluss, das Kino sich nur auf der rein audiovisuellen Ebene abspielt. Hier wird das Medium mit dem Stoff und dem Ziel verwechselt und muss über kurz oder lang scheitern.</p>

<p>Die Geschichte und damit die Bedeutung des Bildes an sich ist lange zweitrangig geworden vor dem Spezialeffekt. Aber die visuelle Neuigkeit, das so noch nicht geschaute, der Choq, muss verblassen vor eben dieser Indifferenz der reinen Produktionsmasse. Es läuft doch niemand mehr beim Anblick eines auf sich zurasenden Zuges aus dem Kino, und ernsthaft fühlt sich niemand beschossen unter den Bilder des D-days. Und letztendlich ist auch der spektakulärste Effekt kalkulierbar und Zuschauer ist lange schon der bessere Regisseur in einem mittelmässigen Film, der den Effekt vorausahnt, weil er ja genau an der Stelle kommt, wo er ihn schon hundertmal gesehen hat und erwartet.</p>

<p>Das ist eine filmischen Erfahrung, gegen die die Mehrheit der heute produzierten Filme mit immer größeren (und leereren) Bildern anzugehen versucht, und die just das Gegenteil produzieren – Indifferenz und immer schnelleres Vergessen. Ein Kino a la Hollywood, das nur auf die Ohnmacht des Betrachters vor der reinen Macht der Bilder setzt, muss ohne Megaschirm und Dolbysurround seine Wirkung verlieren, weil es seine Geschichten vergessen hat.</p>

<p>4510 zeichen</p>

<p><a href="/der-geist-aus-dem-geraet/tag:Film" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Film</span></a></p>

<p><small><em>Der Geist aus dem Gerät</em></small></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/der-geist-aus-dem-geraet/kino-ohne-kunst</guid>
      <pubDate>Fri, 29 Apr 2022 14:13:46 +0000</pubDate>
    </item>
  </channel>
</rss>