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    <title>musk &amp;mdash; michael | gisiger</title>
    <link>https://paper.wf/gisiger/tag:musk</link>
    <description>Zufällige Fundstücke &amp; Gedanken aus dem Netz über das Netz. Und mehr.</description>
    <pubDate>Sat, 02 May 2026 00:17:59 +0000</pubDate>
    <item>
      <title>New Work, kalifornische Hippies und das Militär</title>
      <link>https://paper.wf/gisiger/new-work-kalifornische-hippies-und-das-militar</link>
      <description>&lt;![CDATA[ARPANET access points in the 1970s&#xA;Seit ich Mitte der 1980er-Jahre meinen ersten Heimcomputer (einen #Commodore C128D) bekam und kurz darauf mittels Akkustikkoppler erstmals digitale Netzwerke ergkundete, faszinierte mich das Thema auch theoretisch. In der Folge sammelte und sammelt sich bei mir viel Literatur zu dem Thema an, angefangen bei Clifford Stolls &#34;Kuckucksei&#34; von 1989 über die ganzen Klassiker seit der #Kybernetik bis heute. Aktuell lese ich gerade &#34; Auf dem Weg zur Cyberpolis - Neue Formen von Gemeinschaft, Selbst und Bildung&#34; von  Martin Donner &amp; Heidrun Allert (als Open Access hier verfügbar). Darin bin ich auf einen interessanten Zusammenhang gestossen, der mir so noch nicht wirklich bewusst war: Die üblicherweise kolportierte Geschichte 1], dass die Counterculture der 1960er-Jahre in Kalifornien über die ganzen Computer-Pioniere im [Xerox PARC unter Robert W. &#39;Bob&#39; Taylor) (1932-2017) neue Arbeitsweisen etablierte, die schliesslich in den 1990ern die New Economy startete und heute als #NewWork bekannt ist, ist nur die halbe Wahrheit. Bob Taylor war zwar tatsächlich mitverantwortlich dafür, aber nicht erst im PARC, sondern bereits vorher bei der (D)ARPA.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Robert W. Taylor in 2008&#xA;Taylor (oben im Bild) wurde 1966 Direktor des Information Processing Techniques Office (IPTO) der Advanced Research Project Agency (ARPA) des amerikanischen Verteidigungsministeriums. Das IPTO war federführend beim Aufbau des ARPANET. Als Direktor musste Taylor zwischen den unterschiedlichen Kulturen beim Militär und unter den Wissenschaftern (es waren praktisch ausschliesslich Männer damals) der ARPA und den beteiligten Firmen vermitteln. Viele der frühen Computerpioniere waren entweder geprägt von der Counterculture oder z.T. sogar in diversen Oranisationen engagiert, die sich aktiv gegen den Vietnamkrieg aussprachen. Gegenüber den Militärs und dem Verteidigungsministerium rechtfertigte Taylor die Forschungsarbeit immer mit ihrem konkreten Nutzen für das Militär.&#xA;&#xA;Ein neuer Führungsstil bei der ARPA&#xA;&#xA;Um die Wissenschafter bei der Stange zu halten, etablierte Taylor hingegen einen neuen Führungsstil, der&#xA;&#xA;  &#34;in rudimentärer Form bereits all jene Praktiken, die später auch den Charakter der digitalisierten Netzwerkgesellschaft ausmachen werden: kollaboratives Management mit informellerem Charakter, (Selbst-)Organisation, Eigenverantwortung sowie Rückversicherung und Kontrolle durch einen ebenso effizienten Feedback-Kanal.&#34; (S. 131/132)&#xA;&#xA;Nach seinem Wechsel 1971 ans PARC von Xerox in Palo Alto, wo ebenfalls einige der herausragenden Pioniere des Internets und des PC beschäftigt waren, brachte Taylor seinen neuen Stil mit. Wichtiger für die Etablierung dieser neuen Führung war aber der Erfolg des ARPANET. Donner &amp; Allert schreiben (S. 129):&#xA;&#xA;  &#34;Dieser Stil, der aus der Komplexität der Hochtechnologie-Forschung emergiert und das Silicon Valley bis heute prägt, sickert in Folge über externe Projektberichte und die vielen am ARPANET und Internet beteiligten Vertragsnehmer, die ihrerseits einen boomenden Wirtschaftszweig begründen, in die Wirtschaft ein. Mit einigen Jahren Verzug wird dies auch in der Management-Literatur reflektiert, und zwar just in dem Augenblick, in dem das Internet beginnt, gesellschaftlich relevant zu werden und neue Märkte zu versprechen. Die Verbreitung von Netzwerktechnologien in der Arbeits- und Alltagspraxis bringt in Verbindung mit der neuen Management-Literatur die Netzwerkgesellschaft hervor.&#34;&#xA;&#xA;Der Rest ist Geschichte und bekannt, aus der New Economy wird New Work. Letztere wird im Zuge der Corona-Pandemie sehr populär und heute wundern wir uns alle über Elon #Musk und seine &#34;extremly hardcore&#34; work.&#xA;&#xA;Dual-Use-Internet und Dual-Use-Leadership?&#xA;&#xA;Nicht nur das Internet ist eine Dual-Use-Technologie, sondern im Grunde auch alle neuen Führungsstile und Management-Methoden, die mit ihm zusammen Eingang in unser Leben gefunden haben, sind in diesem Sinne ebenfalls dual-use:&#xA;&#xA;  &#34;Das Internet ist weder ein zivilgesellschaftlich-demokratisches Netzwerk noch ein militärisch-geheimdienstliches, sondern beides.&#34; (S. 141)&#xA;&#xA;Sowie:&#xA;&#xA;  &#34;Die ökonomische Gestalt der Netzwerkgesellschaft speist sich demnach nicht aus Ideen der Counterculture, sondern vermittels der Entwicklungskontexte des Internets aus ursprünglich militärischen Überlegungen, was mithin die vielen militärischen Metaphern in der Netzwerkökonomie erklärt. Dies lässt sich sowohl an der Entwicklungsgeschicht e des Internets als auch an der Transformation der ökonomischen Theoriebildung zu Zeiten des Kalten Krieges belegen.&#34; (S. 120)&#xA;&#xA;Ich meine, wie sonst wurde sowas überhaupt möglich: &#34;Mit agilen Methoden und digitaler Technologie bestehende Prozesse in der Gefechtsunterstützung beschleunigen&#34;?&#xA;&#xA;---&#xA;Fussnoten&#xA;1] z.B. hier bei Fred Turner (2005): Where the Counterculture Met the New Economy: The WELL and the Origins of Virtual Community, [DOI:10.1353/tech.2005.0154, verfügbar hier.&#xA;&#xA;Bildquellen&#xA;ARPANET access points in the 1970s: Semaforo GMS, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons&#xA;Robert W. Taylor in 2008: Gardner Campbell, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons&#xA;&#xA;Topic&#xA;Kommerz]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/bc/Arpanet_in_the_1970s.png/800px-Arpanet_in_the_1970s.png" alt="ARPANET access points in the 1970s">
Seit ich Mitte der 1980er-Jahre meinen ersten Heimcomputer (einen <a href="/gisiger/tag:Commodore" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Commodore</span></a> C128D) bekam und kurz darauf mittels Akkustikkoppler erstmals digitale Netzwerke ergkundete, faszinierte mich das Thema auch theoretisch. In der Folge sammelte und sammelt sich bei mir viel Literatur zu dem Thema an, angefangen bei Clifford Stolls “Kuckucksei” von 1989 über die ganzen Klassiker seit der <a href="/gisiger/tag:Kybernetik" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Kybernetik</span></a> bis heute. Aktuell lese ich gerade “ Auf dem Weg zur Cyberpolis – Neue Formen von Gemeinschaft, Selbst und Bildung” von  Martin Donner &amp; Heidrun Allert (als Open Access <a href="https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-5878-1/auf-dem-weg-zur-cyberpolis/" rel="nofollow">hier verfügbar</a>). Darin bin ich auf einen interessanten Zusammenhang gestossen, der mir so noch nicht wirklich bewusst war: Die üblicherweise kolportierte Geschichte [1], dass die Counterculture der 1960er-Jahre in Kalifornien über die ganzen Computer-Pioniere im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xerox_PARC" rel="nofollow">Xerox PARC</a> unter <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Taylor_(computer_scientist)" rel="nofollow">Robert W. &#39;Bob&#39; Taylor</a> (1932-2017) neue Arbeitsweisen etablierte, die schliesslich in den 1990ern die New Economy startete und heute als <a href="/gisiger/tag:NewWork" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">NewWork</span></a> bekannt ist, ist nur die halbe Wahrheit. Bob Taylor war zwar tatsächlich mitverantwortlich dafür, aber nicht erst im PARC, sondern bereits vorher bei der (D)ARPA.</p>



<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/bc/Bob_Taylor_in_2008.jpg/800px-Bob_Taylor_in_2008.jpg" alt="Robert W. Taylor in 2008">
Taylor (oben im Bild) wurde 1966 Direktor des Information Processing Techniques Office (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Information_Processing_Techniques_Office" rel="nofollow">IPTO</a>) der Advanced Research Project Agency (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/DARPA" rel="nofollow">ARPA</a>) des amerikanischen Verteidigungsministeriums. Das IPTO war federführend beim Aufbau des <a href="https://ethw.org/ARPANET" rel="nofollow">ARPANET</a>. Als Direktor musste Taylor zwischen den unterschiedlichen Kulturen beim Militär und unter den Wissenschaftern (es waren praktisch ausschliesslich Männer damals) der ARPA und den beteiligten Firmen vermitteln. Viele der frühen Computerpioniere waren entweder geprägt von der Counterculture oder z.T. sogar in diversen Oranisationen engagiert, die sich aktiv gegen den Vietnamkrieg aussprachen. Gegenüber den Militärs und dem Verteidigungsministerium rechtfertigte Taylor die Forschungsarbeit immer mit ihrem konkreten Nutzen für das Militär.</p>

<h2 id="ein-neuer-führungsstil-bei-der-arpa" id="ein-neuer-führungsstil-bei-der-arpa">Ein neuer Führungsstil bei der ARPA</h2>

<p>Um die Wissenschafter bei der Stange zu halten, etablierte Taylor hingegen einen neuen Führungsstil, der</p>

<blockquote><p><em>“in rudimentärer Form bereits all jene Praktiken, die später auch den Charakter der digitalisierten Netzwerkgesellschaft ausmachen werden: kollaboratives Management mit informellerem Charakter, (Selbst-)Organisation, Eigenverantwortung sowie Rückversicherung und Kontrolle durch einen ebenso effizienten Feedback-Kanal.”</em> (S. 131/132)</p></blockquote>

<p>Nach seinem Wechsel 1971 ans PARC von Xerox in Palo Alto, wo ebenfalls einige der herausragenden Pioniere des Internets und des PC beschäftigt waren, brachte Taylor seinen neuen Stil mit. Wichtiger für die Etablierung dieser neuen Führung war aber der Erfolg des ARPANET. Donner &amp; Allert schreiben (S. 129):</p>

<blockquote><p><em>“Dieser Stil, der aus der Komplexität der Hochtechnologie-Forschung emergiert und das Silicon Valley bis heute prägt, sickert in Folge über externe Projektberichte und die vielen am ARPANET und Internet beteiligten Vertragsnehmer, die ihrerseits einen boomenden Wirtschaftszweig begründen, in die Wirtschaft ein. Mit einigen Jahren Verzug wird dies auch in der Management-Literatur reflektiert, und zwar just in dem Augenblick, in dem das Internet beginnt, gesellschaftlich relevant zu werden und neue Märkte zu versprechen. Die Verbreitung von Netzwerktechnologien in der Arbeits- und Alltagspraxis bringt in Verbindung mit der neuen Management-Literatur die Netzwerkgesellschaft hervor.”</em></p></blockquote>

<p>Der Rest ist Geschichte und bekannt, aus der New Economy wird New Work. Letztere wird im Zuge der Corona-Pandemie sehr populär und heute wundern wir uns alle über Elon <a href="/gisiger/tag:Musk" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Musk</span></a> und <a href="https://www.politico.eu/article/must-tells-twitter-staff-to-work-harder-or-leave/" rel="nofollow">seine “extremly hardcore” work</a>.</p>

<h2 id="dual-use-internet-und-dual-use-leadership" id="dual-use-internet-und-dual-use-leadership">Dual-Use-Internet und Dual-Use-Leadership?</h2>

<p>Nicht nur das Internet ist eine Dual-Use-Technologie, sondern im Grunde auch alle neuen Führungsstile und Management-Methoden, die mit ihm zusammen Eingang in unser Leben gefunden haben, sind in diesem Sinne ebenfalls dual-use:</p>

<blockquote><p><em>“Das Internet ist weder ein zivilgesellschaftlich-demokratisches Netzwerk noch ein militärisch-geheimdienstliches, sondern beides.”</em> (S. 141)</p></blockquote>

<p>Sowie:</p>

<blockquote><p><em>“Die ökonomische Gestalt der Netzwerkgesellschaft speist sich demnach nicht aus Ideen der Counterculture, sondern vermittels der Entwicklungskontexte des Internets aus ursprünglich militärischen Überlegungen, was mithin die vielen militärischen Metaphern in der Netzwerkökonomie erklärt. Dies lässt sich sowohl an der Entwicklungsgeschicht e des Internets als auch an der Transformation der ökonomischen Theoriebildung zu Zeiten des Kalten Krieges belegen.”</em> (S. 120)</p></blockquote>

<p>Ich meine, wie sonst wurde sowas überhaupt möglich: <a href="https://soldat-und-technik.de/2022/11/fuehrung-kommunikation/33368/mit-agilen-methoden-und-digitaler-technologie-bestehende-prozesse-in-der-gefechtsunterstuetzung-beschleunigen/" rel="nofollow">“Mit agilen Methoden und digitaler Technologie bestehende Prozesse in der Gefechtsunterstützung beschleunigen”</a>?</p>

<hr>

<p><strong>Fussnoten</strong>
[1] z.B. hier bei Fred Turner (2005): Where the Counterculture Met the New Economy: The WELL and the Origins of Virtual Community, <a href="http://dx.doi.org/10.1353/tech.2005.0154" rel="nofollow">DOI:10.1353/tech.2005.0154</a>, verfügbar <a href="https://fredturner2022.sites.stanford.edu/sites/g/files/sbiybj27111/files/media/file/turner-tc-counterculture-new-economy.pdf" rel="nofollow">hier</a>.</p>

<p><strong>Bildquellen</strong>
1. ARPANET access points in the 1970s: Semaforo GMS, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0" rel="nofollow">CC BY-SA 4.0</a>, via Wikimedia Commons
2. Robert W. Taylor in 2008: Gardner Campbell, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0" rel="nofollow">CC BY-SA 2.0</a>, via Wikimedia Commons</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="/gisiger/tag:Kommerz" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Kommerz</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/gisiger/new-work-kalifornische-hippies-und-das-militar</guid>
      <pubDate>Tue, 29 Nov 2022 14:31:40 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Alles Elon, Baby?</title>
      <link>https://paper.wf/gisiger/alles-elon-baby</link>
      <description>&lt;![CDATA[Visit with Elon Musk&#xA;&#xA;Ich bin, gelinde gesagt, doch sehr erstaunt über das Ausmass der Häme und des - zwar nett verpackten - Hasses, der sich zur Zeit in den Medien und auf #Mastodon über Elon #Musk ergiesst. Was wird dem Mann derzeit nicht vorgeworfen und in die Schuhe geschoben? Twitter-Zerstörer? Check. Eine Bedrohung der nationalen Sicherheit, ja der Demokratie überhaupt? Check. Sockenpuppe der Chinesen? Check. Irgendwas mit Kryptos? Check. Dabei ist es noch nicht sehr lange her, da konnte man meinen, mit Musk sei der über das Wasser laufende Messias persönlich herniedergekommen und praktisch die ganze Medienwelt lag ihm zu Füssen. Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Einige Gedanken zum disruptierten Disruptor, der immer weiter disruptiert.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Ehrlich, mir wird jedes Mal mulmig, wenn Leute unkritisch irgendwelchen Heilsbringern hinterher laufen. So ging es mir schon bei Steve Jobs. Und eben auch bei Elon Musk. Die Schnittmenge zwischen Tesla-Groupies und Apple-Fanboys dürfte sehr gross sein. Vielleicht ist es sogar eine Vereinigungsmenge. Kann da mal wer ein passendes Venn-Diagramm erstellen? Ich schweife ab - ja, Musk scheint ein schwieriger Mensch zu sein. Steve Jobs war das auch. Das gehört wohl irgendwie zur Job Description dazu. Aber ist Musk deswegen nun gleich der menschgewordene Antichrist? Nein. Ich würde sagen, er erlebt gerade einfach nur seinen &#34;Zuckerberg-Moment&#34;: Luzifers Höllensturz. Einst hochgelobt, dann verteufelt.&#xA;&#xA;Elons Sündenfall ...&#xA;&#xA;Was hat er also getan, dass er den kollektiven Zorn dermassen auf sich zieht? Er hat zu viel Geld für Twitter ausgegeben? Dumm gelaufen, könnte man meinen. Aber nein, das war es nicht. Gut, dann war es wohl sein enger Umgang mit Peter Thiel, dem Paria? Auch. So richtig gesündigt hat er aber erst, als er mit #Twitter genau dasselbe machte, wie vor Jahren mit der vereinten Automobil-Industrie. Er kam, sah und disruptierte. Plötzlich wurde ein über die Zeit schwer- und selbstgefällig gewordenes System durchgerüttelt, in dem man es sich doch so gemütlich eingerichtet hatte. Und das mögen wir Menschen einfach nicht. Wo kämen wir denn da hin? Da könnte ja jeder kommen!&#xA;&#xA;... und das wahre Problem&#xA;&#xA;Elon Musk ist aber nicht das Problem, nur ein Symptom. Der Kern des Problems liegt ganz woanders. Wenn &#34;Entrepreneurs&#34; mit &#34;Seed Money&#34; und &#34;The Next Big Thing&#34; als &#34;Start ups&#34; mit immer neuem &#34;Venture Capital&#34; solange ihre &#34;Burn Rate&#34; befeuern bis sie entweder zum &#34;Unicorn&#34; werden und damit zu Lasten des von der Herde getriebenen Marktes den grossen Reibach machen oder halt einfach crashen, weil ihnen niemand mehr noch mehr Geld nachwerfen mag, dann kommt eben Twitter dabei raus. Oder #Meta. Oder [Insert Name Here].&#xA;&#xA;alt&#xA;&#xA;Und nein, das Problem ist auch nicht der Kapitalismus. Das hier ist ebenso keine Kapitalismuskritik. Aber wer meint, mit längerfristig nicht tragbaren Geschäftsmodellen wirtschaften zu können, hat so manches nicht verstanden. Die obige Abbildung #TheSiliconValleyParadigm illustriert treffend, was dabei falsch läuft (Abbildung von mir, basierend auf dieser Quelle; ich weiss, das Mises Institute wird hier einige triggern - aber wer recht hat, hat nun mal recht, egal wo er sich politisch verortet).&#xA;&#xA;Genau das scheint bei Twitter eben der Fall zu sein:&#xA;&#xA;  &#34;But at a high level, I’ll just highlight that Twitter is a business that, for a very long time, has been very, very weak. And so what we’re seeing today is just that weakness exposed to the public. But it’s actually been weak for a long time. And the two weaknesses are—one, it’s a very inefficient cost structure relative to any other social-media business. And two, it’s very, very slow at actually generating new features and innovating.&#34;&#xA;    - Andy Wu, Harvard Business School (übrigens einer der wenigen noch verbliebenen Musk-Fanboys)&#xA;&#xA;Kapuzenpullis, Turnschuhe und Bärte machen Menschen eben nicht zu besseren CEOs als Massanzug, Oxfords und Scheitel.&#xA;&#xA;Und was ist jetzt mit den ganzen Medien und den zu Mastodon abgewanderten Twitter-Nutzern? Die schimpfen, schmollen und stampfen mit dem Fuss auf, weil ihnen der böse Mann Elon ihr Spielzeug weggenommen hat. Natürlich live und in Farbe, vom iPhone direkt ins Netz.&#xA;&#xA;Es gilt weiterhin, eine Blase ist eine Blase ist eine Blase. Bis jemand kommt und sie platzen lässt.&#xA;&#xA;PS.&#xA;Wer sich nun darüber wundert oder aufregt, dass es in diesem Text nur so von religiösen Metaphern wimmelt - das ist ganz im Sinne des Verfassers.&#xA;&#xA;Lesetipp dazu: Carolyn Chen (2022): Work Pray Code: When Work Becomes Religion in Silicon Valley, Princeton: Princeton University Press.&#xA;&#xA;---&#xA;Bildquellen&#xA;Inspiration4 / John Kraus, CC BY-NC-ND 2.0, via Flickr&#xA;Michael Gisiger, CC BY-NC-SA 4.0, via PixelFed&#xA;&#xA;Topic&#xA;Kommerz]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://live.staticflickr.com/65535/51481095409_aff04a6c68_k.jpg" alt="Visit with Elon Musk"></p>

<p>Ich bin, gelinde gesagt, doch sehr erstaunt über das Ausmass der Häme und des – zwar nett verpackten – Hasses, der sich zur Zeit in den Medien und auf <a href="/gisiger/tag:Mastodon" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Mastodon</span></a> über Elon <a href="/gisiger/tag:Musk" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Musk</span></a> ergiesst. Was wird dem Mann derzeit nicht vorgeworfen und in die Schuhe geschoben? Twitter-Zerstörer? <a href="https://www.zeit.de/digital/internet/2022-11/twitter-chaos-massenkuendigung-elon-musk" rel="nofollow">Check</a>. Eine Bedrohung der nationalen Sicherheit, ja der Demokratie überhaupt? <a href="https://archive.ph/gzGpF" rel="nofollow">Check</a>. Sockenpuppe der Chinesen? <a href="https://www.wiwo.de/unternehmen/it/twitter-elon-musks-abhaengigkeit-von-china-schadet-der-meinungsfreiheit/28779872.html" rel="nofollow">Check</a>. Irgendwas mit Kryptos? <a href="https://www.derstandard.de/story/2000140643135/musk-versteher-und-kryptomilliardaer-wer-ist-changpeng-zhao" rel="nofollow">Check</a>. Dabei ist es noch nicht sehr lange her, da konnte man meinen, mit Musk sei <a href="https://www.srf.ch/news/wirtschaft/ein-portraet-elon-musk-wie-ein-fantast-zum-pionier-wurde" rel="nofollow">der über das Wasser laufende Messias</a> persönlich herniedergekommen und praktisch <a href="https://www.bluewin.ch/de/digital/elon-musk-ist-person-of-the-year-1007906.html" rel="nofollow">die ganze Medienwelt lag ihm zu Füssen</a>. Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Einige Gedanken zum disruptierten Disruptor, der immer weiter disruptiert.</p>



<p>Ehrlich, mir wird jedes Mal mulmig, wenn Leute unkritisch irgendwelchen Heilsbringern hinterher laufen. So ging es mir schon bei Steve Jobs. Und eben auch bei Elon Musk. Die Schnittmenge zwischen Tesla-Groupies und Apple-Fanboys dürfte sehr gross sein. Vielleicht ist es sogar eine Vereinigungsmenge. Kann da mal wer ein passendes Venn-Diagramm erstellen? Ich schweife ab – ja, Musk scheint ein schwieriger Mensch zu sein. Steve Jobs war das auch. Das gehört wohl irgendwie zur Job Description dazu. Aber ist Musk deswegen nun gleich der menschgewordene Antichrist? Nein. Ich würde sagen, er erlebt gerade einfach nur seinen “Zuckerberg-Moment”: Luzifers Höllensturz. Einst hochgelobt, dann verteufelt.</p>

<h2 id="elons-sündenfall" id="elons-sündenfall">Elons Sündenfall ...</h2>

<p>Was hat er also getan, dass er den kollektiven Zorn dermassen auf sich zieht? Er hat zu viel Geld für Twitter ausgegeben? Dumm gelaufen, könnte man meinen. Aber nein, das war es nicht. Gut, dann war es wohl sein <a href="https://www.perlentaucher.de/intervention/elon-musk-und-peter-thiel-ein-neuer-typus-des-selbstherrlichen-egomanen.html" rel="nofollow">enger Umgang mit Peter Thiel</a>, dem Paria? Auch. So richtig gesündigt hat er aber erst, als er mit <a href="/gisiger/tag:Twitter" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Twitter</span></a> genau dasselbe machte, wie vor Jahren mit der vereinten Automobil-Industrie. Er kam, sah und disruptierte. Plötzlich wurde ein über die Zeit schwer- und selbstgefällig gewordenes System durchgerüttelt, in dem man es sich doch so gemütlich eingerichtet hatte. Und das mögen wir Menschen einfach nicht. Wo kämen wir denn da hin? Da könnte ja jeder kommen!</p>

<h2 id="und-das-wahre-problem" id="und-das-wahre-problem">... und das wahre Problem</h2>

<p>Elon Musk ist aber nicht das Problem, nur ein Symptom. Der Kern des Problems liegt ganz woanders. Wenn “Entrepreneurs” mit “Seed Money” und “The Next Big Thing” als “Start ups” mit immer neuem “Venture Capital” solange ihre “Burn Rate” befeuern bis sie entweder zum “Unicorn” werden und damit zu Lasten des von der Herde getriebenen Marktes den grossen Reibach machen oder halt einfach crashen, weil ihnen niemand mehr noch mehr Geld nachwerfen mag, dann kommt eben Twitter dabei raus. Oder <a href="/gisiger/tag:Meta" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Meta</span></a>. Oder [Insert Name Here].</p>

<p><img src="https://pixelfed-prod.nyc3.digitaloceanspaces.com//public/m/_v2/498590252182833335/a48ad3dc0-89cf68/r2GBO4urPRV6/SNGP1uaRVszQUSft5YX0qryok4Vavf46d2oOlSWi.png" alt="alt"></p>

<p>Und nein, das Problem ist auch nicht der Kapitalismus. Das hier ist ebenso keine Kapitalismuskritik. Aber wer meint, mit längerfristig nicht tragbaren Geschäftsmodellen wirtschaften zu können, hat so manches nicht verstanden. Die obige Abbildung <a href="/gisiger/tag:TheSiliconValleyParadigm" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">TheSiliconValleyParadigm</span></a> illustriert treffend, was dabei falsch läuft (Abbildung von mir, basierend auf dieser <a href="https://mises.org/library/bylund-silicon-valley-bad-entrepreneurship" rel="nofollow">Quelle</a>; ich weiss, das Mises Institute wird hier einige triggern – aber wer recht hat, hat nun mal recht, egal wo er sich politisch verortet).</p>

<p>Genau das scheint <a href="https://www.theatlantic.com/ideas/archive/2022/11/elon-musk-twitter-management-style-tesla-spacex/672166/" rel="nofollow">bei Twitter eben der Fall zu sein</a>:</p>

<blockquote><p><em>“But at a high level, I’ll just highlight that Twitter is a business that, for a very long time, has been very, very weak. And so what we’re seeing today is just that weakness exposed to the public. But it’s actually been weak for a long time. And the two weaknesses are—one, it’s a very inefficient cost structure relative to any other social-media business. And two, it’s very, very slow at actually generating new features and innovating.”</em></p>

<p><strong>– Andy Wu, Harvard Business School</strong> (übrigens einer der wenigen noch verbliebenen Musk-Fanboys)</p></blockquote>

<p>Kapuzenpullis, Turnschuhe und Bärte machen Menschen eben nicht zu besseren CEOs als Massanzug, Oxfords und Scheitel.</p>

<p>Und was ist jetzt mit den ganzen Medien und den zu Mastodon abgewanderten Twitter-Nutzern? Die schimpfen, schmollen und stampfen mit dem Fuss auf, weil ihnen der böse Mann Elon ihr Spielzeug weggenommen hat. Natürlich live und in Farbe, vom iPhone direkt ins Netz.</p>

<p>Es gilt weiterhin, eine Blase ist eine Blase ist eine Blase. Bis jemand kommt und sie platzen lässt.</p>

<p>PS.
Wer sich nun darüber wundert oder aufregt, dass es in diesem Text nur so von religiösen Metaphern wimmelt – das ist ganz im Sinne des Verfassers.</p>

<p>Lesetipp dazu: Carolyn Chen (2022): <a href="https://press.princeton.edu/books/hardcover/9780691219080/work-pray-code" rel="nofollow">Work Pray Code</a>: When Work Becomes Religion in Silicon Valley, Princeton: Princeton University Press.</p>

<hr>

<p><strong>Bildquellen</strong>
1. Inspiration4 / John Kraus, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/" rel="nofollow">CC BY-NC-ND 2.0</a>, via Flickr
2. Michael Gisiger, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/" rel="nofollow">CC BY-NC-SA 4.0</a>, via <a href="https://pixelfed.social/gisiger" rel="nofollow">PixelFed</a></p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="/gisiger/tag:Kommerz" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Kommerz</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/gisiger/alles-elon-baby</guid>
      <pubDate>Sat, 19 Nov 2022 02:52:43 +0000</pubDate>
    </item>
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