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    <title>thesiliconvalleyparadigm &amp;mdash; michael | gisiger</title>
    <link>https://paper.wf/gisiger/tag:thesiliconvalleyparadigm</link>
    <description>Zufällige Fundstücke &amp; Gedanken aus dem Netz über das Netz. Und mehr.</description>
    <pubDate>Sat, 02 May 2026 00:20:17 +0000</pubDate>
    <item>
      <title>The Silicon Valley Paradigm und wie es überwunden werden kann</title>
      <link>https://paper.wf/gisiger/the-silicon-valley-paradigm-und-wie-es-uberwunden-werden-kann</link>
      <description>&lt;![CDATA[Cat behind a fence&#xA;In einem meiner letzten Beiträge habe ich kurz #TheSiliconValleyParadigm angesprochen und warum dies eines der grundlegenden Probleme in der aktuellen Diskussion rund um #Twitter ist. Nachdem ich auf verschiedenen Kanälen nach diesem Modell gefragt wurde, möchte ich es im folgenden kurz darlegen und dabei auch etwas näher auf die Denkweise eingehen, die ihm zugrunde liegt. Danach werde ich noch kurz den möglichen Ausweg aus diesem Paradigma skizzieren.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Das Silicon Valley Paradigm&#xA;&#xA;Meine Ausführungen stützen sich weitgehend auf einen Podcast mit Per Bylund, Associate Professor of Entrepreneurship an der Spears School of Business der Oklahoma State University, mit dem Titel Silicon Valley Is Bad At Entrepreneurship. Bylund ist ein Vertreter der sog. Österreichischen Schule und somit nicht Teil des ökonomischen Mainstreams - dies als Caveat.&#xA;&#xA;Bylund argumentiert, dass viele Technologieunternehmen in Silicon Valley sich darauf konzentriert haben, zuerst Produkte, also Technologien, zu entwickeln, ohne die Bedürfnisse der Kunden zu berücksichtigen. Um den damit einhergehenden ausbleibenden ökonomischen Erfolg gegenüber den Investoren doch noch herbeizuführen, sind sie gezwungen, ihren Produkten nachträglich ein Geschäftsmodell überzustülpen, welches darin besteht, erstens möglichst rasch zu wachsen (z.B. mit Freemium-Angeboten) und zweitens Daten über ihre Kunden zu sammeln und zu Geld zu machen. In der Regel geschieht dies mittels Werbung, was Bylund als nicht besonders innovativ kritisiert.&#xA;&#xA;The Silicon Valley Paradigm&#xA;&#xA;Bei vielen Unternehmen sind nämlich die Kunden die eigentlichen Schöpfer der Inhalte, die das Unternehmen jedoch kontrolliert, analysiert und als Daten an Werbetreibende weiterverkauft. Diese &#34;Monetarisierung&#34; kritisiert er als einen verräterischen Begriff, es handle sich dabei um die nachträgliche Suche nach einem Einnahmenmodell, nachdem das Produkt ohne klaren Kundenfokus gestartet wurde. Schlimmer, der Kunde steht überhaupt nie im Zentrum für die Unternehmen.&#xA;&#xA;Techno-Solutionismus als vorherrschende Denkweise&#xA;&#xA;Bylund ist der Meinung, dass in vielen Unternehmen des Silicon Valley eine technologiegetriebene Denkweise vorherrsche, die ihre Innovationsanstrengungen in Widerspruch zu den Prinzipien einer auf den Kunden ausgerichteten Wertschöpfungskette stellt. Diese Denkweise wird zuweilen auch als Techno-Solutionismus [1] bezeichnet, der davon ausgeht, dass technologische Lösungen für alle Probleme der Menschheit gefunden werden können. Diese Haltung ist jedoch insofern problematisch, da sie gerne dazu neigt, komplexe gesellschaftliche Herausforderungen zu vereinfachen und die Bedenken und Ängste von betroffenen Menschen zu ignorieren. Gleichzeitig wird versucht, die Beteiligung der Öffentlichkeit an Entscheidungen über die Verwendung dieser neuen Technologien möglichst zu Gunsten der Unternehmen zu unterminieren.&#xA;&#xA;Die Lösung: Consumer (oder Customer) first!&#xA;&#xA;Bylund selber stellt diesem Silicon Valley Paradigm ein anderes Vorgehen entgegen, welches stets den Kunden im Fokus hat und sich nicht grundlegend von bekannten Ansätzen wie Value Proposition Design, Design Thinking und anderen unterscheidet. Eine interessante Bemerkung macht er aber noch, die gerade auch im Kontext von Twitter und dem #Fediverse interessant ist:&#xA;&#xA;  &#34;The value promise of today’s digital products and digital markets is exciting for consumers. The term &#39;generative&#39; has been coined to describe the new characteristics of products that give consumers leverage – make their jobs easier; that provide adaptability so that consumers can change them to suit their own purposes; and that are easy to master and easy to access. The spirit of generativity lies in unleashing end-user creativity.&#34;&#xA;&#xA;Vielen Big-Tech-Firmen sind solche “generativen” Produkte zuwider, weil sie zwecks Monetarisierung Daten ihrer Kunden sammeln und kontrollieren müssen, um so proprietäre, geschlossene Lösungen [2] anbieten zu können.&#xA;&#xA;  &#34;They are centralizers in a world of decentralization. This leaves them open to disruption by the next generation of entrepreneurs who start their journey from the point of view of what consumers value.&#34;&#xA;&#xA;---&#xA;Fussnoten&#xA;[1] Evgeny Morozov (2013): To Save Everything, Click Here: The Folly of Technological Solutionism, New York: PublicAffairs.&#xA;2] vgl. dazu auch: Glyn Moody (2022): Walled Culture: How Big Content Uses Technology and the Law to Lock Down Culture and Keep Creators Poor, Antwerp: BTF Press. [Open Access hier (Public Domain).&#xA;&#xA;Bildquellen&#xA;hippopx.com, Public Domain&#xA;Michael Gisiger, CC BY-NC-SA 4.0, via PixelFed&#xA;&#xA;Topic&#xA;Kommerz]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://i0.hippopx.com/photos/234/428/933/cat-mieze-kitten-grid-preview.jpg" alt="Cat behind a fence">
In einem <a href="https://paper.wf/gisiger/alles-elon-baby" rel="nofollow">meiner letzten Beiträge</a> habe ich kurz <a href="/gisiger/tag:TheSiliconValleyParadigm" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">TheSiliconValleyParadigm</span></a> angesprochen und warum dies eines der grundlegenden Probleme in der aktuellen Diskussion rund um <a href="/gisiger/tag:Twitter" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Twitter</span></a> ist. Nachdem ich auf verschiedenen Kanälen nach diesem Modell gefragt wurde, möchte ich es im folgenden kurz darlegen und dabei auch etwas näher auf die Denkweise eingehen, die ihm zugrunde liegt. Danach werde ich noch kurz den möglichen Ausweg aus diesem Paradigma skizzieren.</p>



<h2 id="das-silicon-valley-paradigm" id="das-silicon-valley-paradigm">Das Silicon Valley Paradigm</h2>

<p>Meine Ausführungen stützen sich weitgehend auf einen Podcast mit Per Bylund, Associate Professor of Entrepreneurship an der Spears School of Business der Oklahoma State University, mit dem Titel <a href="https://mises.org/library/bylund-silicon-valley-bad-entrepreneurship" rel="nofollow"><em>Silicon Valley Is Bad At Entrepreneurship</em></a>. Bylund ist ein Vertreter der sog. Österreichischen Schule und somit nicht Teil des ökonomischen Mainstreams – dies als Caveat.</p>

<p>Bylund argumentiert, dass viele Technologieunternehmen in Silicon Valley sich darauf konzentriert haben, zuerst Produkte, also Technologien, zu entwickeln, ohne die Bedürfnisse der Kunden zu berücksichtigen. Um den damit einhergehenden ausbleibenden ökonomischen Erfolg gegenüber den Investoren doch noch herbeizuführen, sind sie gezwungen, ihren Produkten nachträglich ein Geschäftsmodell überzustülpen, welches darin besteht, erstens möglichst rasch zu wachsen (z.B. mit Freemium-Angeboten) und zweitens Daten über ihre Kunden zu sammeln und zu Geld zu machen. In der Regel geschieht dies mittels Werbung, was Bylund als nicht besonders innovativ kritisiert.</p>

<p><img src="https://pixelfed-prod.nyc3.digitaloceanspaces.com//public/m/_v2/498590252182833335/a48ad3dc0-89cf68/r2GBO4urPRV6/SNGP1uaRVszQUSft5YX0qryok4Vavf46d2oOlSWi.png" alt="The Silicon Valley Paradigm"></p>

<p>Bei vielen Unternehmen sind nämlich die Kunden die eigentlichen Schöpfer der Inhalte, die das Unternehmen jedoch kontrolliert, analysiert und als Daten an Werbetreibende weiterverkauft. Diese “Monetarisierung” kritisiert er als einen verräterischen Begriff, es handle sich dabei um die nachträgliche Suche nach einem Einnahmenmodell, nachdem das Produkt ohne klaren Kundenfokus gestartet wurde. Schlimmer, der Kunde steht überhaupt nie im Zentrum für die Unternehmen.</p>

<h2 id="techno-solutionismus-als-vorherrschende-denkweise" id="techno-solutionismus-als-vorherrschende-denkweise">Techno-Solutionismus als vorherrschende Denkweise</h2>

<p>Bylund ist der Meinung, dass in vielen Unternehmen des Silicon Valley eine technologiegetriebene Denkweise vorherrsche, die ihre Innovationsanstrengungen in Widerspruch zu den Prinzipien einer auf den Kunden ausgerichteten Wertschöpfungskette stellt. Diese Denkweise wird zuweilen auch als <em>Techno-Solutionismus</em> [1] bezeichnet, der davon ausgeht, dass technologische Lösungen für alle Probleme der Menschheit gefunden werden können. Diese Haltung ist jedoch insofern problematisch, da sie gerne dazu neigt, komplexe gesellschaftliche Herausforderungen zu vereinfachen und die Bedenken und Ängste von betroffenen Menschen zu ignorieren. Gleichzeitig wird versucht, die Beteiligung der Öffentlichkeit an Entscheidungen über die Verwendung dieser neuen Technologien möglichst zu Gunsten der Unternehmen zu unterminieren.</p>

<h2 id="die-lösung-consumer-oder-customer-first" id="die-lösung-consumer-oder-customer-first">Die Lösung: Consumer (oder Customer) first!</h2>

<p>Bylund selber stellt diesem Silicon Valley Paradigm ein anderes Vorgehen entgegen, welches stets den Kunden im Fokus hat und sich nicht grundlegend von bekannten Ansätzen wie <em>Value Proposition Design</em>, <em>Design Thinking</em> und anderen unterscheidet. Eine interessante Bemerkung macht er aber noch, die gerade auch im Kontext von Twitter und dem <a href="/gisiger/tag:Fediverse" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Fediverse</span></a> interessant ist:</p>

<blockquote><p><em>“The value promise of today’s digital products and digital markets is exciting for consumers. The term &#39;generative&#39; has been coined to describe the new characteristics of products that give consumers leverage – make their jobs easier; that provide adaptability so that consumers can change them to suit their own purposes; and that are easy to master and easy to access. The spirit of generativity lies in unleashing end-user creativity.”</em></p></blockquote>

<p>Vielen Big-Tech-Firmen sind solche “generativen” Produkte zuwider, weil sie zwecks Monetarisierung Daten ihrer Kunden sammeln und kontrollieren müssen, um so proprietäre, geschlossene Lösungen [2] anbieten zu können.</p>

<blockquote><p><em>“They are centralizers in a world of decentralization. This leaves them open to disruption by the next generation of entrepreneurs who start their journey from the point of view of what consumers value.”</em></p></blockquote>

<hr>

<p><strong>Fussnoten</strong>
[1] Evgeny Morozov (2013): To Save Everything, Click Here: The Folly of Technological Solutionism, New York: PublicAffairs.
[2] vgl. dazu auch: Glyn Moody (2022): Walled Culture: How Big Content Uses Technology and the Law to Lock Down Culture and Keep Creators Poor, Antwerp: BTF Press. <a href="https://walledculture.org/the-book/" rel="nofollow">Open Access hier</a> (Public Domain).</p>

<p><strong>Bildquellen</strong>
1. hippopx.com, Public Domain
2. Michael Gisiger, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/" rel="nofollow">CC BY-NC-SA 4.0</a>, via <a href="https://pixelfed.social/gisiger" rel="nofollow">PixelFed</a></p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="/gisiger/tag:Kommerz" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Kommerz</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/gisiger/the-silicon-valley-paradigm-und-wie-es-uberwunden-werden-kann</guid>
      <pubDate>Tue, 06 Dec 2022 09:53:47 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Alles Elon, Baby?</title>
      <link>https://paper.wf/gisiger/alles-elon-baby</link>
      <description>&lt;![CDATA[Visit with Elon Musk&#xA;&#xA;Ich bin, gelinde gesagt, doch sehr erstaunt über das Ausmass der Häme und des - zwar nett verpackten - Hasses, der sich zur Zeit in den Medien und auf #Mastodon über Elon #Musk ergiesst. Was wird dem Mann derzeit nicht vorgeworfen und in die Schuhe geschoben? Twitter-Zerstörer? Check. Eine Bedrohung der nationalen Sicherheit, ja der Demokratie überhaupt? Check. Sockenpuppe der Chinesen? Check. Irgendwas mit Kryptos? Check. Dabei ist es noch nicht sehr lange her, da konnte man meinen, mit Musk sei der über das Wasser laufende Messias persönlich herniedergekommen und praktisch die ganze Medienwelt lag ihm zu Füssen. Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Einige Gedanken zum disruptierten Disruptor, der immer weiter disruptiert.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Ehrlich, mir wird jedes Mal mulmig, wenn Leute unkritisch irgendwelchen Heilsbringern hinterher laufen. So ging es mir schon bei Steve Jobs. Und eben auch bei Elon Musk. Die Schnittmenge zwischen Tesla-Groupies und Apple-Fanboys dürfte sehr gross sein. Vielleicht ist es sogar eine Vereinigungsmenge. Kann da mal wer ein passendes Venn-Diagramm erstellen? Ich schweife ab - ja, Musk scheint ein schwieriger Mensch zu sein. Steve Jobs war das auch. Das gehört wohl irgendwie zur Job Description dazu. Aber ist Musk deswegen nun gleich der menschgewordene Antichrist? Nein. Ich würde sagen, er erlebt gerade einfach nur seinen &#34;Zuckerberg-Moment&#34;: Luzifers Höllensturz. Einst hochgelobt, dann verteufelt.&#xA;&#xA;Elons Sündenfall ...&#xA;&#xA;Was hat er also getan, dass er den kollektiven Zorn dermassen auf sich zieht? Er hat zu viel Geld für Twitter ausgegeben? Dumm gelaufen, könnte man meinen. Aber nein, das war es nicht. Gut, dann war es wohl sein enger Umgang mit Peter Thiel, dem Paria? Auch. So richtig gesündigt hat er aber erst, als er mit #Twitter genau dasselbe machte, wie vor Jahren mit der vereinten Automobil-Industrie. Er kam, sah und disruptierte. Plötzlich wurde ein über die Zeit schwer- und selbstgefällig gewordenes System durchgerüttelt, in dem man es sich doch so gemütlich eingerichtet hatte. Und das mögen wir Menschen einfach nicht. Wo kämen wir denn da hin? Da könnte ja jeder kommen!&#xA;&#xA;... und das wahre Problem&#xA;&#xA;Elon Musk ist aber nicht das Problem, nur ein Symptom. Der Kern des Problems liegt ganz woanders. Wenn &#34;Entrepreneurs&#34; mit &#34;Seed Money&#34; und &#34;The Next Big Thing&#34; als &#34;Start ups&#34; mit immer neuem &#34;Venture Capital&#34; solange ihre &#34;Burn Rate&#34; befeuern bis sie entweder zum &#34;Unicorn&#34; werden und damit zu Lasten des von der Herde getriebenen Marktes den grossen Reibach machen oder halt einfach crashen, weil ihnen niemand mehr noch mehr Geld nachwerfen mag, dann kommt eben Twitter dabei raus. Oder #Meta. Oder [Insert Name Here].&#xA;&#xA;alt&#xA;&#xA;Und nein, das Problem ist auch nicht der Kapitalismus. Das hier ist ebenso keine Kapitalismuskritik. Aber wer meint, mit längerfristig nicht tragbaren Geschäftsmodellen wirtschaften zu können, hat so manches nicht verstanden. Die obige Abbildung #TheSiliconValleyParadigm illustriert treffend, was dabei falsch läuft (Abbildung von mir, basierend auf dieser Quelle; ich weiss, das Mises Institute wird hier einige triggern - aber wer recht hat, hat nun mal recht, egal wo er sich politisch verortet).&#xA;&#xA;Genau das scheint bei Twitter eben der Fall zu sein:&#xA;&#xA;  &#34;But at a high level, I’ll just highlight that Twitter is a business that, for a very long time, has been very, very weak. And so what we’re seeing today is just that weakness exposed to the public. But it’s actually been weak for a long time. And the two weaknesses are—one, it’s a very inefficient cost structure relative to any other social-media business. And two, it’s very, very slow at actually generating new features and innovating.&#34;&#xA;    - Andy Wu, Harvard Business School (übrigens einer der wenigen noch verbliebenen Musk-Fanboys)&#xA;&#xA;Kapuzenpullis, Turnschuhe und Bärte machen Menschen eben nicht zu besseren CEOs als Massanzug, Oxfords und Scheitel.&#xA;&#xA;Und was ist jetzt mit den ganzen Medien und den zu Mastodon abgewanderten Twitter-Nutzern? Die schimpfen, schmollen und stampfen mit dem Fuss auf, weil ihnen der böse Mann Elon ihr Spielzeug weggenommen hat. Natürlich live und in Farbe, vom iPhone direkt ins Netz.&#xA;&#xA;Es gilt weiterhin, eine Blase ist eine Blase ist eine Blase. Bis jemand kommt und sie platzen lässt.&#xA;&#xA;PS.&#xA;Wer sich nun darüber wundert oder aufregt, dass es in diesem Text nur so von religiösen Metaphern wimmelt - das ist ganz im Sinne des Verfassers.&#xA;&#xA;Lesetipp dazu: Carolyn Chen (2022): Work Pray Code: When Work Becomes Religion in Silicon Valley, Princeton: Princeton University Press.&#xA;&#xA;---&#xA;Bildquellen&#xA;Inspiration4 / John Kraus, CC BY-NC-ND 2.0, via Flickr&#xA;Michael Gisiger, CC BY-NC-SA 4.0, via PixelFed&#xA;&#xA;Topic&#xA;Kommerz]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://live.staticflickr.com/65535/51481095409_aff04a6c68_k.jpg" alt="Visit with Elon Musk"></p>

<p>Ich bin, gelinde gesagt, doch sehr erstaunt über das Ausmass der Häme und des – zwar nett verpackten – Hasses, der sich zur Zeit in den Medien und auf <a href="/gisiger/tag:Mastodon" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Mastodon</span></a> über Elon <a href="/gisiger/tag:Musk" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Musk</span></a> ergiesst. Was wird dem Mann derzeit nicht vorgeworfen und in die Schuhe geschoben? Twitter-Zerstörer? <a href="https://www.zeit.de/digital/internet/2022-11/twitter-chaos-massenkuendigung-elon-musk" rel="nofollow">Check</a>. Eine Bedrohung der nationalen Sicherheit, ja der Demokratie überhaupt? <a href="https://archive.ph/gzGpF" rel="nofollow">Check</a>. Sockenpuppe der Chinesen? <a href="https://www.wiwo.de/unternehmen/it/twitter-elon-musks-abhaengigkeit-von-china-schadet-der-meinungsfreiheit/28779872.html" rel="nofollow">Check</a>. Irgendwas mit Kryptos? <a href="https://www.derstandard.de/story/2000140643135/musk-versteher-und-kryptomilliardaer-wer-ist-changpeng-zhao" rel="nofollow">Check</a>. Dabei ist es noch nicht sehr lange her, da konnte man meinen, mit Musk sei <a href="https://www.srf.ch/news/wirtschaft/ein-portraet-elon-musk-wie-ein-fantast-zum-pionier-wurde" rel="nofollow">der über das Wasser laufende Messias</a> persönlich herniedergekommen und praktisch <a href="https://www.bluewin.ch/de/digital/elon-musk-ist-person-of-the-year-1007906.html" rel="nofollow">die ganze Medienwelt lag ihm zu Füssen</a>. Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Einige Gedanken zum disruptierten Disruptor, der immer weiter disruptiert.</p>



<p>Ehrlich, mir wird jedes Mal mulmig, wenn Leute unkritisch irgendwelchen Heilsbringern hinterher laufen. So ging es mir schon bei Steve Jobs. Und eben auch bei Elon Musk. Die Schnittmenge zwischen Tesla-Groupies und Apple-Fanboys dürfte sehr gross sein. Vielleicht ist es sogar eine Vereinigungsmenge. Kann da mal wer ein passendes Venn-Diagramm erstellen? Ich schweife ab – ja, Musk scheint ein schwieriger Mensch zu sein. Steve Jobs war das auch. Das gehört wohl irgendwie zur Job Description dazu. Aber ist Musk deswegen nun gleich der menschgewordene Antichrist? Nein. Ich würde sagen, er erlebt gerade einfach nur seinen “Zuckerberg-Moment”: Luzifers Höllensturz. Einst hochgelobt, dann verteufelt.</p>

<h2 id="elons-sündenfall" id="elons-sündenfall">Elons Sündenfall ...</h2>

<p>Was hat er also getan, dass er den kollektiven Zorn dermassen auf sich zieht? Er hat zu viel Geld für Twitter ausgegeben? Dumm gelaufen, könnte man meinen. Aber nein, das war es nicht. Gut, dann war es wohl sein <a href="https://www.perlentaucher.de/intervention/elon-musk-und-peter-thiel-ein-neuer-typus-des-selbstherrlichen-egomanen.html" rel="nofollow">enger Umgang mit Peter Thiel</a>, dem Paria? Auch. So richtig gesündigt hat er aber erst, als er mit <a href="/gisiger/tag:Twitter" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Twitter</span></a> genau dasselbe machte, wie vor Jahren mit der vereinten Automobil-Industrie. Er kam, sah und disruptierte. Plötzlich wurde ein über die Zeit schwer- und selbstgefällig gewordenes System durchgerüttelt, in dem man es sich doch so gemütlich eingerichtet hatte. Und das mögen wir Menschen einfach nicht. Wo kämen wir denn da hin? Da könnte ja jeder kommen!</p>

<h2 id="und-das-wahre-problem" id="und-das-wahre-problem">... und das wahre Problem</h2>

<p>Elon Musk ist aber nicht das Problem, nur ein Symptom. Der Kern des Problems liegt ganz woanders. Wenn “Entrepreneurs” mit “Seed Money” und “The Next Big Thing” als “Start ups” mit immer neuem “Venture Capital” solange ihre “Burn Rate” befeuern bis sie entweder zum “Unicorn” werden und damit zu Lasten des von der Herde getriebenen Marktes den grossen Reibach machen oder halt einfach crashen, weil ihnen niemand mehr noch mehr Geld nachwerfen mag, dann kommt eben Twitter dabei raus. Oder <a href="/gisiger/tag:Meta" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Meta</span></a>. Oder [Insert Name Here].</p>

<p><img src="https://pixelfed-prod.nyc3.digitaloceanspaces.com//public/m/_v2/498590252182833335/a48ad3dc0-89cf68/r2GBO4urPRV6/SNGP1uaRVszQUSft5YX0qryok4Vavf46d2oOlSWi.png" alt="alt"></p>

<p>Und nein, das Problem ist auch nicht der Kapitalismus. Das hier ist ebenso keine Kapitalismuskritik. Aber wer meint, mit längerfristig nicht tragbaren Geschäftsmodellen wirtschaften zu können, hat so manches nicht verstanden. Die obige Abbildung <a href="/gisiger/tag:TheSiliconValleyParadigm" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">TheSiliconValleyParadigm</span></a> illustriert treffend, was dabei falsch läuft (Abbildung von mir, basierend auf dieser <a href="https://mises.org/library/bylund-silicon-valley-bad-entrepreneurship" rel="nofollow">Quelle</a>; ich weiss, das Mises Institute wird hier einige triggern – aber wer recht hat, hat nun mal recht, egal wo er sich politisch verortet).</p>

<p>Genau das scheint <a href="https://www.theatlantic.com/ideas/archive/2022/11/elon-musk-twitter-management-style-tesla-spacex/672166/" rel="nofollow">bei Twitter eben der Fall zu sein</a>:</p>

<blockquote><p><em>“But at a high level, I’ll just highlight that Twitter is a business that, for a very long time, has been very, very weak. And so what we’re seeing today is just that weakness exposed to the public. But it’s actually been weak for a long time. And the two weaknesses are—one, it’s a very inefficient cost structure relative to any other social-media business. And two, it’s very, very slow at actually generating new features and innovating.”</em></p>

<p><strong>– Andy Wu, Harvard Business School</strong> (übrigens einer der wenigen noch verbliebenen Musk-Fanboys)</p></blockquote>

<p>Kapuzenpullis, Turnschuhe und Bärte machen Menschen eben nicht zu besseren CEOs als Massanzug, Oxfords und Scheitel.</p>

<p>Und was ist jetzt mit den ganzen Medien und den zu Mastodon abgewanderten Twitter-Nutzern? Die schimpfen, schmollen und stampfen mit dem Fuss auf, weil ihnen der böse Mann Elon ihr Spielzeug weggenommen hat. Natürlich live und in Farbe, vom iPhone direkt ins Netz.</p>

<p>Es gilt weiterhin, eine Blase ist eine Blase ist eine Blase. Bis jemand kommt und sie platzen lässt.</p>

<p>PS.
Wer sich nun darüber wundert oder aufregt, dass es in diesem Text nur so von religiösen Metaphern wimmelt – das ist ganz im Sinne des Verfassers.</p>

<p>Lesetipp dazu: Carolyn Chen (2022): <a href="https://press.princeton.edu/books/hardcover/9780691219080/work-pray-code" rel="nofollow">Work Pray Code</a>: When Work Becomes Religion in Silicon Valley, Princeton: Princeton University Press.</p>

<hr>

<p><strong>Bildquellen</strong>
1. Inspiration4 / John Kraus, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/" rel="nofollow">CC BY-NC-ND 2.0</a>, via Flickr
2. Michael Gisiger, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/" rel="nofollow">CC BY-NC-SA 4.0</a>, via <a href="https://pixelfed.social/gisiger" rel="nofollow">PixelFed</a></p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="/gisiger/tag:Kommerz" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Kommerz</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/gisiger/alles-elon-baby</guid>
      <pubDate>Sat, 19 Nov 2022 02:52:43 +0000</pubDate>
    </item>
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