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    <title>Fediverse &amp;mdash; michael | gisiger</title>
    <link>https://paper.wf/gisiger/tag:Fediverse</link>
    <description>Zufällige Fundstücke &amp; Gedanken aus dem Netz über das Netz. Und mehr.</description>
    <pubDate>Wed, 27 May 2026 13:04:32 +0000</pubDate>
    <item>
      <title>Kann ChatGPT unsere Absichten verstehen und darauf reagieren?</title>
      <link>https://paper.wf/gisiger/kann-chatgpt-unsere-absichten-verstehen-und-darauf-reagieren</link>
      <description>&lt;![CDATA[a robot behaving like a whining toddler manga style with neon green background&#xA;&#xA;In einem kürzlich erschienenen Beitrag habe ich über die Beeinflussbarkeit des #Microsoft GPT Chatbots mittels Prompt Injection geschrieben. Am Ende stellte ich die Frage, ob die Ähnlichkeit zwischen der Überlistung eines Menschen und der Überlistung eines Sprachmodells nur Zufall ist oder ob mehr dahinter steckt. Kurze Zeit später antwortete das #Fediverse tatsächlich mit interessanten Einsichten.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Noch am Tag des Erscheinens meines Beitrags antwortete mir Boris Steipe wie folgt:&#xA;&#xA;iframe src=&#34;https://qoto.org/@borissteipe/109858645310750055/embed&#34; class=&#34;mastodon-embed&#34; style=&#34;max-width: 100%; border: 0&#34; width=&#34;650&#34; height=&#34;925&#34; allowfullscreen=&#34;allowfullscreen&#34;/iframe&#xA;&#xA;Aus dem oben genannten Paper von Michal Kosinski, einem Computerpsychologen in Stanford, geht hervor, dass #ChatGPT einen Theory-of-Mind-Test bestanden hat, der normalerweise verwendet wird, um die soziale Kompetenz von Kindern zu testen. Der Test bestand aus einer Reihe von Fragen und Geschichten, die darauf abzielten, die Fähigkeit von ChatGPT zu testen, die Gedanken und Überzeugungen anderer Menschen zu verstehen und zu interpretieren. ChatGPT bestand den Test mit der Genauigkeit eines neunjährigen Kindes. Zum Vergleich: #Google hat mit Deepmind eine #KI entwickelt, die speziell für solche Tests entwickelt wurde, deren Fähigkeiten aber nur mit denen eines vierjährigen Kindes vergleichbar sind. Zudem zeigen Studien, dass auch nicht-menschliche Primaten, Raben und Hunde zu mentalen Zuschreibungen fähig sind.&#xA;&#xA;Theory of Mind (ToM) ist ein Fachbegriff der Entwicklungspsychologie und bezeichnet die Fähigkeit, mentale Zustände als mögliche Ursache eines Verhaltens zu verstehen, um eigene oder fremde Handlungen erklären und vorhersagen zu können. Sie ist im Wesentlichen eine Form der Selbsterkenntnis und erklärt unsere Fähigkeit zu verstehen, warum sich die Gedanken und Gefühle anderer Menschen von unseren eigenen unterscheiden können.&#xA;&#xA;Wie der Titel des Papers andeutet und wie Boris Steipe schreibt, sind diese Fähigkeiten spontan entstanden, als Nebenprodukt des Lernens, und scheinen auch mit der Grösse des Sprachmodells zusammenzuhängen. Kosinski schreibt, dass der GPT-3 vom Januar 2022 das Niveau eines siebenjährigen Kindes erreicht, während der GPT-3.5 vom November 2022 das Niveau eines neunjährigen Kindes erreicht.&#xA;&#xA;Children behaving badly?&#xA;&#xA;Ich finde die Ergebnisse spannend. Sie werfen für mich auch ein neues Licht auf das teilweise fragwürdige Verhalten von Microsofts Bing Chat, der offenbar NutzerInnen bedroht und sich auch sonst daneben benommen hat. Einige der fragwürdigen Antworten erinnern doch sehr an die Art und Weise, wie trotzige Kinder reagieren.&#xA;&#xA;Kosinski betont in seinem Artikel jedoch, dass die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind. Er hält es aber für möglich, dass die Fähigkeit von ChatGPT, diese Aufgaben zu lösen, ein Nebenprodukt seiner wachsenden Sprachfähigkeiten ist. Alternativ stellt er die Hypothese auf, dass ChatGPT mit seinen Sprachfähigkeiten vielleicht nur den oberflächlichen Eindruck erweckt, über ToM-Fähigkeiten zu verfügen. Da ich mich hier in tiefen, mir unbekannten Gewässern bewege, erlaube ich mir kein Urteil. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.&#xA;&#xA;---&#xA;Disclaimer&#xA;Teile dieses Texts entstanden mithilfe der beiden KI-Tools Deepl Übersetzer (Übersetzung einzelner Teile des Beitrags von Ars Technica) und Deepl Write (Korrektorat und Lektorat). Das Titelbild wurde mit freeimagegenerator.com mit dem Prompt „a robot behaving like a whining toddler manga style with neon green background“ erstellt.&#xA;&#xA;Bildquellen&#xA;Michael Gisiger, CC BY-NC-SA 4.0, via PixelFed&#xA;&#xA;Topic&#xA;Kommerz]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://media.pixelfed.social/public/m/_v2/498590252182833335/0fca8ea69-e1c06b/MkbCGJQJ5V2p/l4L9n0yrGRwya9cUD0tmS2oR6iP2yrWxszOk5cK9.png" alt="a robot behaving like a whining toddler manga style with neon green background"></p>

<p>In einem <a href="https://paper.wf/gisiger/chatgpt-eine-freundliche-beeinflussbare-intelligenz-wie-du-und-ich" rel="nofollow">kürzlich erschienenen Beitrag</a> habe ich über die Beeinflussbarkeit des <a href="/gisiger/tag:Microsoft" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Microsoft</span></a> GPT Chatbots mittels <em>Prompt Injection</em> geschrieben. Am Ende stellte ich die Frage, ob die Ähnlichkeit zwischen der Überlistung eines Menschen und der Überlistung eines Sprachmodells nur Zufall ist oder ob mehr dahinter steckt. Kurze Zeit später antwortete das <a href="/gisiger/tag:Fediverse" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Fediverse</span></a> tatsächlich mit interessanten Einsichten.</p>



<p>Noch am Tag des Erscheinens meines Beitrags antwortete mir Boris Steipe wie folgt:</p>

<iframe src="https://qoto.org/@boris_steipe/109858645310750055/embed" class="mastodon-embed" style="max-width: 100%; border: 0" width="650" height="925" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe>

<p>Aus dem oben genannten <a href="https://arxiv.org/abs/2302.02083" rel="nofollow">Paper von Michal Kosinski</a>, einem Computerpsychologen in Stanford, geht hervor, dass <a href="/gisiger/tag:ChatGPT" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">ChatGPT</span></a> einen Theory-of-Mind-Test <a href="https://www.iflscience.com/chatgpt-passes-theory-of-mind-test-with-skill-of-a-9-year-old-kid-67569" rel="nofollow">bestanden hat</a>, der normalerweise verwendet wird, um die soziale Kompetenz von Kindern zu testen. Der Test bestand aus einer Reihe von Fragen und Geschichten, die darauf abzielten, die Fähigkeit von ChatGPT zu testen, die Gedanken und Überzeugungen anderer Menschen zu verstehen und zu interpretieren. ChatGPT bestand den Test mit der Genauigkeit eines neunjährigen Kindes. Zum Vergleich: <a href="/gisiger/tag:Google" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Google</span></a> hat mit Deepmind eine <a href="/gisiger/tag:KI" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">KI</span></a> entwickelt, die speziell für solche Tests entwickelt wurde, deren Fähigkeiten aber nur mit denen eines vierjährigen Kindes vergleichbar sind. Zudem <a href="https://www.wissenschaft.de/erde-umwelt/hunde-wissen-ob-man-weiss/" rel="nofollow">zeigen Studien</a>, dass auch nicht-menschliche Primaten, Raben und Hunde zu mentalen Zuschreibungen fähig sind.</p>

<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Theory_of_Mind" rel="nofollow">Theory of Mind (ToM)</a> ist ein Fachbegriff der Entwicklungspsychologie und bezeichnet die Fähigkeit, mentale Zustände als mögliche Ursache eines Verhaltens zu verstehen, um eigene oder fremde Handlungen erklären und vorhersagen zu können. Sie ist im Wesentlichen eine Form der Selbsterkenntnis und erklärt unsere Fähigkeit zu verstehen, warum sich die Gedanken und Gefühle anderer Menschen von unseren eigenen unterscheiden können.</p>

<p>Wie der Titel des Papers andeutet und wie Boris Steipe schreibt, sind diese Fähigkeiten spontan entstanden, als Nebenprodukt des Lernens, und scheinen auch mit der Grösse des Sprachmodells zusammenzuhängen. Kosinski schreibt, dass der GPT-3 vom Januar 2022 das Niveau eines siebenjährigen Kindes erreicht, während der GPT-3.5 vom November 2022 das Niveau eines neunjährigen Kindes erreicht.</p>

<h2 id="children-behaving-badly" id="children-behaving-badly">Children behaving badly?</h2>

<p>Ich finde die Ergebnisse spannend. Sie werfen für mich auch ein neues Licht auf das teilweise fragwürdige Verhalten von Microsofts Bing Chat, der offenbar <a href="https://time.com/6256529/bing-openai-chatgpt-danger-alignment/" rel="nofollow">NutzerInnen bedroht</a> und sich <a href="https://www.geekwire.com/2023/nasty-conversations-with-bing-chat/" rel="nofollow">auch sonst daneben benommen hat</a>. Einige der fragwürdigen Antworten erinnern doch sehr an die Art und Weise, wie trotzige Kinder reagieren.</p>

<p>Kosinski betont in seinem Artikel jedoch, dass die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind. Er hält es aber für möglich, dass die Fähigkeit von ChatGPT, diese Aufgaben zu lösen, ein Nebenprodukt seiner wachsenden Sprachfähigkeiten ist. Alternativ stellt er die Hypothese auf, dass ChatGPT mit seinen Sprachfähigkeiten vielleicht nur den oberflächlichen Eindruck erweckt, über ToM-Fähigkeiten zu verfügen. Da ich mich hier in tiefen, mir unbekannten Gewässern bewege, erlaube ich mir kein Urteil. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.</p>

<hr>

<p><strong>Disclaimer</strong>
Teile dieses Texts entstanden mithilfe der beiden KI-Tools Deepl Übersetzer (Übersetzung einzelner Teile des Beitrags von Ars Technica) und Deepl Write (Korrektorat und Lektorat). Das Titelbild wurde mit freeimagegenerator.com mit dem Prompt „a robot behaving like a whining toddler manga style with neon green background“ erstellt.</p>

<p><strong>Bildquellen</strong>
1. Michael Gisiger, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/" rel="nofollow">CC BY-NC-SA 4.0</a>, via <a href="https://pixelfed.social/gisiger" rel="nofollow">PixelFed</a></p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="/gisiger/tag:Kommerz" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Kommerz</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/gisiger/kann-chatgpt-unsere-absichten-verstehen-und-darauf-reagieren</guid>
      <pubDate>Sun, 05 Mar 2023 16:28:05 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Mein Bücherjahr 2023: Januar</title>
      <link>https://paper.wf/gisiger/mein-bucherjahr-2023-januar</link>
      <description>&lt;![CDATA[Bücher lesen&#xA;&#xA;Nachdem ich mich Ende letzten Jahres über #Mastodon im #Fediverse endlich etwas genauer umgeschaut habe, entschied ich mich, auch meinen schon länger inaktiven Goodreads-Account zu schliessen (Amazon und so, ihr wisst ja …) und nach #Bookwyrm umzuziehen. Voller Motivation natürlich. Darum werde ich hier immer Ende Monat kurz die Bücher vorstellen, die ich im Rahmen meiner Challenge 2023 gelesen habe. Es werden keine ausführlichen Besprechungen sein, sondern ausschliesslich ein kurzer Überblick, jeweils verlinkt zu meinem Bookwyrm-Konto. Kurze Besprechungen, Bewertungen und mehr finden sich ebenfalls dort.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Das Symbolbild ist übrigens wirklich symbolisch, da ich mittlerweile fast ausschliesslich E-Books auf einem dedizierten Reader lese (nein, kein Kindle von Amazon!). Aber ich denke, da bin ich nicht der Einzige.&#xA;&#xA;Caveat emptor: Ich lese zu 99,9 Prozent Sach- und Fachbücher, kaum Belletristik. Ihr seid gewarnt!&#xA;&#xA;Meine Bücher im Januar 2023&#xA;&#xA;iframe style=&#34;border-width:0;&#34; id=&#34;bookwyrmlistembed&#34; width=&#34;650&#34; height=&#34;1250&#34; title=&#34;Januar 2023, eine Liste von Michael Gisiger 📖 auf Rambling Readers&#34; src=&#34;http://ramblingreaders.org/list/21/embed/3bdcd398e2de442b962c1c83f60de622&#34;/iframe&#xA;&#xA;„Drehscheibe der Philosophiegeschichte“ von Detlef Staude&#xA;„Das Meer, die Liebe, der Mut aufzubrechen“ von Andrea Marcolongo&#xA;[„Walled Culture“](https://ramblingreaders.org/book/147025/s/walled-culture&#xA;) von Glyn Moody&#xA;„The Computers That Made Britain“ von Tim Danton (noch nicht zu Ende gelesen)&#xA;„Relativ real“ von Donald D. Hoffman&#xA;&#xA;Mein Highlight im Januar&#xA;&#xA;Hoffmans „Relativ real“ war schwere Kost – nicht unbedingt schwer zu verstehen, aber wenn seine Prämissen und Theorien zutreffen, dann ist das alles tatsächlich schwer verdaulich. Vielleicht schreibe ich dazu noch einen separaten Blogbeitrag.&#xA;&#xA;Mein Highlight war aber „Walled Culture“ von Moody. Hier meine Kurzbesprechung dazu:&#xA;&#xA;  «This easy to read book tells the history of copyright over the last few decades: How massive lobbying by the content industries resulted in many laws passed that extend copyright in multiple ways that are not suited for our digital age, and strengthen the penalties for infringing upon it. It covers all major areas like book digitizing projects, Open Access, streaming services, upload filters, and many more. If you are looking for a comprehensive overview of the developments in this field since the advent of the Internet, this is the right book for you. The only fly in the ointment for me is, that it hardly touches the abolition of copyrights at all, although the last chapter gives a clear example of how a creative industry with no copyrights—the fashion sector—can flourish.»&#xA;&#xA;---&#xA;Bildquelle&#xA;Horst J. Meuter, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons&#xA;&#xA;Topic&#xA;Zettelkasten&#xA;&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/4e/Buch_-_Lesen_-_Lekt%C3%BCre_-_Brille_-_Tasse_Tee.jpg/800px-Buch_-_Lesen_-_Lekt%C3%BCre_-_Brille_-_Tasse_Tee.jpg" alt="Bücher lesen"></p>

<p>Nachdem ich mich Ende letzten Jahres über <a href="/gisiger/tag:Mastodon" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Mastodon</span></a> im <a href="/gisiger/tag:Fediverse" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Fediverse</span></a> endlich etwas genauer umgeschaut habe, entschied ich mich, auch meinen schon länger inaktiven Goodreads-Account zu schliessen (Amazon und so, ihr wisst ja …) und nach <a href="/gisiger/tag:Bookwyrm" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Bookwyrm</span></a> umzuziehen. Voller Motivation natürlich. Darum werde ich hier immer Ende Monat kurz die Bücher vorstellen, die ich im Rahmen meiner Challenge 2023 gelesen habe. Es werden keine ausführlichen Besprechungen sein, sondern ausschliesslich ein kurzer Überblick, jeweils verlinkt zu <a href="https://ramblingreaders.org/user/gisiger" rel="nofollow">meinem Bookwyrm-Konto</a>. Kurze Besprechungen, Bewertungen und mehr finden sich ebenfalls dort.</p>



<p>Das Symbolbild ist übrigens wirklich symbolisch, da ich mittlerweile fast ausschliesslich E-Books auf einem dedizierten Reader lese (nein, kein Kindle von Amazon!). Aber ich denke, da bin ich nicht der Einzige.</p>

<p><em>Caveat emptor</em>: Ich lese zu 99,9 Prozent Sach- und Fachbücher, kaum Belletristik. Ihr seid gewarnt!</p>

<h2 id="meine-bücher-im-januar-2023" id="meine-bücher-im-januar-2023">Meine Bücher im Januar 2023</h2>

<iframe style="border-width:0;" id="bookwyrm_list_embed" id="bookwyrm_list_embed" width="650" height="1250" src="http://ramblingreaders.org/list/21/embed/3bdcd398e2de442b962c1c83f60de622"></iframe>
<ul><li><a href="https://ramblingreaders.org/book/130642/s/drehscheibe-der-philosophiegeschichte" rel="nofollow">„Drehscheibe der Philosophiegeschichte“</a> von Detlef Staude</li>
<li><a href="https://ramblingreaders.org/book/129097/s/das-meer-die-liebe-der-mut-aufzubrechen" rel="nofollow">„Das Meer, die Liebe, der Mut aufzubrechen“</a> von Andrea Marcolongo</li>
<li><a href="https://ramblingreaders.org/book/147025/s/walled-culture" rel="nofollow">„Walled Culture“</a> von Glyn Moody</li>
<li><a href="https://ramblingreaders.org/book/107884/s/the-computers-that-made-britain" rel="nofollow">„The Computers That Made Britain“</a> von Tim Danton <em>(noch nicht zu Ende gelesen)</em></li>
<li><a href="https://ramblingreaders.org/book/156253/s/relativ-real" rel="nofollow">„Relativ real“</a> von Donald D. Hoffman</li></ul>

<h2 id="mein-highlight-im-januar" id="mein-highlight-im-januar">Mein Highlight im Januar</h2>

<p>Hoffmans „Relativ real“ war schwere Kost – nicht unbedingt schwer zu verstehen, aber wenn seine Prämissen und Theorien zutreffen, dann ist das alles tatsächlich schwer verdaulich. Vielleicht schreibe ich dazu noch einen separaten Blogbeitrag.</p>

<p>Mein Highlight war aber „Walled Culture“ von Moody. Hier meine Kurzbesprechung dazu:</p>

<blockquote><p><em>«This easy to read book tells the history of copyright over the last few decades: How massive lobbying by the content industries resulted in many laws passed that extend copyright in multiple ways that are not suited for our digital age, and strengthen the penalties for infringing upon it. It covers all major areas like book digitizing projects, Open Access, streaming services, upload filters, and many more. If you are looking for a comprehensive overview of the developments in this field since the advent of the Internet, this is the right book for you. The only fly in the ointment for me is, that it hardly touches the abolition of copyrights at all, although the last chapter gives a clear example of how a creative industry with no copyrights—the fashion sector—can flourish.»</em></p></blockquote>

<hr>

<p><strong>Bildquelle</strong>
1. Horst J. Meuter, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0" rel="nofollow">CC BY-SA 4.0</a>, via Wikimedia Commons</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="/gisiger/tag:Zettelkasten" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Zettelkasten</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/gisiger/mein-bucherjahr-2023-januar</guid>
      <pubDate>Mon, 30 Jan 2023 16:33:58 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Twitter stirbt nicht mit Elon, Twitter starb bereits 2015</title>
      <link>https://paper.wf/gisiger/twitter-stirbt-nicht-mit-elon-twitter-starb-bereits-2015</link>
      <description>&lt;![CDATA[Monkey shouting in cave&#xA;&#xA;Bis vor wenigen Wochen habe ich privat praktisch keine Social Media mehr genutzt. Ich weiss, das klingt komisch, verdiene ich doch einen Teil meines Lebensunterhalts damit, über Social Media zu sprechen. Ist aber so. #Twitter verschwand zuerst aus meinem Alltag, kurz darauf flog auch die Facebook-App von meinem Handy. Instagram konnte sich am längsten halten, aber auch dort war ich seit einigen Jahren nur noch Zuschauer. OK, LinkedIn ist noch installiert - aber auch hier schaue ich nur sehr sporadisch vorbei. Die letzte Plattform, die ich wirklich intensiv, also täglich, genutzt hatte, war Google+. Bis 2018 angekündigt wurde, dass Google auch diesen Dienst auf seinen Friedhof schieben würde. Da habe ich endgültig aufgehört, privat auf Social Media unterwegs zu sein. Warum ausgerechnet Google+? Nun, ganz einfach, die grossen drei R: Relevanz, Relevanz &amp; Relevanz. So stapfte ich also unbedarft ohne Social Media durch mein Leben und schaute nur noch aus der Ferne zu und ab und an vorbei, wenn ich wieder irgendwelche Lehrinhalte aktualisieren musste. Bis Mitte November. Da habe ich mir dieses #Fediverse angeschaut und wurde wieder angefixt.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Mastodon-Handle in mein Twitter-Profil gestellt und mit einigem Abstand dem Twitter-Exodus gefolgt. “Hier ist alles so schön 2007”, dachte ich mir, “da mache ich doch mit!” So weit, so normal. Gestern bin ich dann über dieses Posting gestossen:&#xA;&#xA;iframe src=&#34;https://norden.social/@csickendieck/109546957595057931/embed&#34; class=&#34;mastodon-embed&#34; style=&#34;max-width: 100%; border: 0&#34; width=&#34;600&#34; height=&#34;400&#34; allowfullscreen=&#34;allowfullscreen&#34;/iframe&#xA;&#xA;Ah, ein neues Rant-Wort gelernt: “Grossaccount”! Aber was zur Hölle sind “DrüKos”? Ein “DrüKo” ist ein “Drüberkommentar”, also ein Quote Tweet. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, genau das hat mir Twitter damals verleidet (ein Aspekt, den ich in meinem letzten Beitrag zu Twitter hier einfach noch nicht auf dem Radar hatte). Die Leute, also vor allem jene mit Reichweite - die “Grossaccounts” eben -, wollten seit der Einführung der Quote Tweets 2015 einfach nicht mehr mit, sondern nur noch über andere Nutzer reden. Genauer gesagt herziehen. Damit können sie sich in ihrer Bubble profilieren, kein Dialog mehr, sondern Echokammern, die sich gegenseitig hochschaukeln. Reichweite = kulturelles Kapital = Auskommen.&#xA;&#xA;Quote Tweets funktionieren wie Memes&#xA;&#xA;Der Unterschied zwischen einem Re-Tweet (RT) und einem Quote Tweet besteht darin, dass bei letzterem der ursprüngliche Urheber des zitierten Tweets das Zitat nur mitbekommt, wenn er dem Zitierer folgt. Als Feature eignet sich ein Quote Tweet also hervorragend dazu, sich über den Urheber lustig zu machen bzw. über ihn zu schimpfen, ohne dass dieser etwas mitbekommt - und gleichzeitig damit die eigene Reichweite auszubauen. Und/oder zu monetarisieren. “Die härtesten und fiesesten Angriffe kommen ohne Mention. Sie wollen nicht mit dir reden, sondern über dich.” (Quelle, Regel Nr. 2)&#xA;&#xA;So gesehen funktionieren Quote Tweets wie Memes:&#xA;&#xA;  “Like memes, quote tweets are typically used to speak to audiences within their cultural communities and political bubbles, or according to Young, to “bask in the comfort of homogenous social networks in which their opinion is the majority opinion.” If you have ever retweeted a meme or tweet that you disagreed with, you likely participated in this kind of online discourse.” (Quelle)&#xA;&#xA;Damals, also 2015, als die Quote Tweets eingeführt wurden, ist Twitter gestorben.&#xA;&#xA;iframe src=&#34;https://mas.to/@universalfarce/109547685852758089/embed&#34; class=&#34;mastodon-embed&#34; style=&#34;max-width: 100%; border: 0&#34; width=&#34;600&#34; height=&#34;420&#34; allowfullscreen=&#34;allowfullscreen&#34;/iframe&#xA;&#xA;---&#xA;Bildquelle&#xA;Photo by Asa Rodger on Unsplash&#xA;&#xA;Topic&#xA;Kommerz]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://images.unsplash.com/photo-1453932128466-7d60a03d9adb?ixlib=rb-4.0.3&amp;ixid=MnwxMjA3fDB8MHxwaG90by1wYWdlfHx8fGVufDB8fHx8&amp;auto=format&amp;fit=crop&amp;w=1503&amp;q=80" alt="Monkey shouting in cave"></p>

<p>Bis vor wenigen Wochen habe ich privat praktisch keine Social Media mehr genutzt. Ich weiss, das klingt komisch, verdiene ich doch einen Teil meines Lebensunterhalts damit, über Social Media zu sprechen. Ist aber so. <a href="/gisiger/tag:Twitter" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Twitter</span></a> verschwand zuerst aus meinem Alltag, kurz darauf flog auch die Facebook-App von meinem Handy. Instagram konnte sich am längsten halten, aber auch dort war ich seit einigen Jahren nur noch Zuschauer. OK, LinkedIn ist noch installiert – aber auch hier schaue ich nur sehr sporadisch vorbei. Die letzte Plattform, die ich wirklich intensiv, also täglich, genutzt hatte, war Google+. Bis 2018 angekündigt wurde, dass Google auch diesen Dienst auf seinen Friedhof schieben würde. Da habe ich endgültig aufgehört, privat auf Social Media unterwegs zu sein. Warum ausgerechnet Google+? Nun, ganz einfach, die grossen drei R: Relevanz, Relevanz &amp; Relevanz. So stapfte ich also unbedarft ohne Social Media durch mein Leben und schaute nur noch aus der Ferne zu und ab und an vorbei, wenn ich wieder irgendwelche Lehrinhalte aktualisieren musste. Bis Mitte November. Da habe ich mir dieses <a href="/gisiger/tag:Fediverse" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Fediverse</span></a> angeschaut und wurde wieder angefixt.</p>



<p>Mastodon-Handle in mein Twitter-Profil gestellt und mit einigem Abstand dem Twitter-Exodus gefolgt. “Hier ist alles so schön 2007”, dachte ich mir, “da mache ich doch mit!” So weit, so normal. Gestern bin ich dann über dieses Posting gestossen:</p>

<iframe src="https://norden.social/@csickendieck/109546957595057931/embed" class="mastodon-embed" style="max-width: 100%; border: 0" width="600" height="400" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe>

<p>Ah, ein neues Rant-Wort gelernt: “Grossaccount”! Aber was zur Hölle sind “DrüKos”? Ein “DrüKo” ist ein “Drüberkommentar”, also ein Quote Tweet. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, genau das hat mir Twitter damals verleidet (ein Aspekt, den ich in <a href="https://paper.wf/gisiger/social-media-sind-kein-offentlicher-diskursraum" rel="nofollow">meinem letzten Beitrag zu Twitter hier</a> einfach noch nicht auf dem Radar hatte). Die Leute, also vor allem jene mit Reichweite – die “Grossaccounts” eben –, wollten seit der Einführung der Quote Tweets 2015 einfach nicht mehr mit, sondern nur noch über andere Nutzer reden. Genauer gesagt herziehen. Damit können sie sich in ihrer Bubble profilieren, kein Dialog mehr, sondern Echokammern, die sich gegenseitig hochschaukeln. Reichweite = kulturelles Kapital = Auskommen.</p>

<h2 id="quote-tweets-funktionieren-wie-memes" id="quote-tweets-funktionieren-wie-memes">Quote Tweets funktionieren wie Memes</h2>

<p>Der Unterschied zwischen einem Re-Tweet (RT) und einem Quote Tweet besteht darin, dass bei letzterem der ursprüngliche Urheber des zitierten Tweets das Zitat nur mitbekommt, wenn er dem Zitierer folgt. Als Feature eignet sich ein Quote Tweet also hervorragend dazu, sich über den Urheber lustig zu machen bzw. über ihn zu schimpfen, ohne dass dieser etwas mitbekommt – und gleichzeitig damit die eigene Reichweite auszubauen. Und/oder zu monetarisieren. <em>“Die härtesten und fiesesten Angriffe kommen ohne Mention. Sie wollen nicht mit dir reden, sondern über dich.”</em> (<a href="https://juliaschramm.de/log/2012/12/04/stuhlgewitter-und-andere-unannehmlichkeiten/" rel="nofollow">Quelle</a>, Regel Nr. 2)</p>

<p>So gesehen funktionieren Quote Tweets wie Memes:</p>

<blockquote><p><em>“Like memes, quote tweets are typically used to speak to audiences within their cultural communities and political bubbles, or according to Young, to “bask in the comfort of homogenous social networks in which their opinion is the majority opinion.” If you have ever retweeted a meme or tweet that you disagreed with, you likely participated in this kind of online discourse.”</em> (<a href="https://onezero.medium.com/quote-tweets-have-turned-us-all-into-jerks-d5776c807942" rel="nofollow">Quelle</a>)</p></blockquote>

<p>Damals, also 2015, als die Quote Tweets eingeführt wurden, ist Twitter gestorben.</p>

<iframe src="https://mas.to/@universalfarce/109547685852758089/embed" class="mastodon-embed" style="max-width: 100%; border: 0" width="600" height="420" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe>

<hr>

<p><strong>Bildquelle</strong>
1. Photo by <a href="https://unsplash.com/@asarodger" rel="nofollow">Asa Rodger</a> on <a href="https://unsplash.com/s/photos/shouting?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText" rel="nofollow">Unsplash</a></p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="/gisiger/tag:Kommerz" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Kommerz</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/gisiger/twitter-stirbt-nicht-mit-elon-twitter-starb-bereits-2015</guid>
      <pubDate>Wed, 21 Dec 2022 14:39:36 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Social Media sind kein öffentlicher Diskursraum</title>
      <link>https://paper.wf/gisiger/social-media-sind-kein-offentlicher-diskursraum</link>
      <description>&lt;![CDATA[Web 2.0 is here&#xA;Ich war eigentlich schon immer der - zugegebenermassen wenig populären - Meinung, dass Social Media eben keinen öffentlichen Raum darstellen, sondern im Gegenteil den menschlichen Drang zur &#34;Stammesbildung&#34; geradezu befördern. Mit dieser Einschätzung bin ich damals, in den Anfangszeiten von #Twitter bereits angeeckt und tue es aktuell auch im #Fediverse offenbar wieder. Darum will ich hier, angespornt durch einen Faden auf #Mastodon kürzlich, diese Argumentationslinie etwas darlegen, denn mir scheint, dass dies in der aktuellen Diskussion rund um Twitter wieder an Bedeutung gewinnen sollte.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Einige Prämissen &amp; Begriffe&#xA;&#xA;Wenn es darum geht, &#34;Gesellschaft&#34; näher einzugrenzen, dann folge ich Bourdieu, der der Meinung ist, dass dieses Phänomen (1) nicht eindeutig erklärbar ist, sich aber (2) in zwei Ebenen unterteilen lässt:&#xA;&#xA;Die Ebene der sozialen Praxis, in der sich sozusagen der Alltag abspielt und&#xA;die Ebene der Theorie der Praxis, auf der die der sozialen Praxis innewohnenden Machtverhältnisse aufgedeckt und diskutiert werden können.&#xA;&#xA;Diese Machtverhältnisse gründen sich u.a. auf ökonomischem und kulturellem Kapital.&#xA;&#xA;Kapitalsorten nach Bourdieu&#xA;div style=&#34;text-align: right&#34;[vergrössern]/div&#xA;&#xA;Die &#34;Öffentlichkeit&#34; wiederum stellt jenen Bereich der sozialen Praxis dar, in dem Menschen zusammenkommen, um bestehende Probleme zu verhandeln (also die Sphäre der Politik). Öffentlichkeit ist der Diskursraum, in dem die Interessen der einzelnen Teile der Gesellschaft ausgehandelt werden. Akteure in diesem Diskursraum waren und sind aber nie alle Entitäten der Gesellschaft, sondern immer in irgendeiner Form designierte Vertreter der einzelnen Interessen, um die sich die verschiedenen Entitäten der Gesellschaft gruppieren. Weder in der attischen Polis noch in einer modernen Demokratie werden die Interessen in einer Vollversammlung aller Entitäten ausgehandelt.&#xA;&#xA;Die Rolle der Massenmedien in der Neuzeit&#xA;&#xA;Lange Zeit gruppierten sich Menschen hauptsächlich in verwandtschaftlichen Verbänden. Erst mit der Sesshaftwerdung, der sog. neolithischen Revolution, begannen sich grössere Gesellschaften herauszubilden, in denen ein Interessenausgleich in einem öffentlichen Diskurs institutionalisiert werden musste. Aber nach wie vor gruppierten sich die Interessen primär entlang verwandtschaftlicher Beziehungen, auch wenn diese nach und nach erweitert wurden, z.B. im antiken römischen Klientelismus.&#xA;&#xA;Erst in der Neuzeit bildeten sich, getrieben von ökonomischen, gesellschaftlichen und anderen Veränderungen, neue, nicht mehr rein auf Beziehungen aufbauende Interessengruppen aus. Ich nenne diese Gruppen Milieus (Durkheim z.B. versteht Milieus als gesellschaftliche Subsysteme), die sich bereits in der ständischen Gesellschaft des späten Mittelalters auszubilden begannen und die bis weit in das 20. Jahrhundert hinein Wirkung entfalteten (das &#34;katholische Milieu&#34;, das &#34;sozialdemokratische Milieu&#34; usw.). Massenmedien wiederum verstanden sich lange Zeit als &#34;Parteipresse&#34;, die jeweils spezifische Milieus ansprachen. Dabei lässt sich eine Wechselwirkung beobachten: einerseits beeinflussten die Medien die Meinungsbildung innerhalb der Milieus, andererseits orientierten sie sich an den Normen und Werten jener Milieus, die sie bedienten.&#xA;&#xA;Man konsumierte also jene Medien, die dem eigenen Milieu entsprachen und damit das eigene Weltbild festigten. Die Älteren unter uns mögen sich vielleicht noch an eine Zeit erinnern, in der man (in der Schweiz z.B.) nur in bestimmten Vereinen Mitglied war, nur in bestimmten Geschäften einkaufte etc., nämlich in jenen, die dem eigenen Milieu entsprachen; es existierte neben dem freisinnigen Turnverein z.B. auch der Arbeiterturnverein. Die Gesellschaft richtete es sich also in Milieus gemütlich ein, den Diskursraum, die Politik, überliess man bestimmten Vertretern. Heute würde man sagen, man lebte in seiner Bubble.&#xA;&#xA;Social Media und der öffentliche Diskurs&#xA;&#xA;Und was hat das nun mit Social Media zu tun? Nun, meiner Meinung nach blieb dieser Zustand mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt bis etwa in die 1980er-Jahre hinein bestehen. Zwar beförderten die neuen elektronischen Massenmedien (Radio und Fernsehen) eine überparteilich-neutrale Berichterstattung, der sich schliesslich auch fast alle Printmedien verschrieben, aber dies war für die Mehrheit der Menschen, die sich nach wie vor in ihren gesellschaftlichen Subsystemen bewegten, kein befriedigender Zustand. Da kam das Internet wie gerufen: plötzlich gab es da ein Medium für die Massen (die Early Adopters kannten ja schon das Usenet usw.), auf dem sich jeder ohne grossen Aufwand nach seinem Gusto betätigen konnte, auf dem man sich nach Belieben zu einzelnen &#34;Tribes&#34; zusammenschliessen konnte.&#xA;&#xA;Geocities mainpage 1998&#xA;&#xA;Anfänglich geschah dies dezentral, auf Blogs, Foren, Websites. Man suchte sich seinen Interessen folgend einfach seine Stämme zusammen, meist ohne irgendeinen &#34;gesamtgesellschaftlichen Anspruch&#34;. Das überliess man weiterhin gerne den &#34;Anderen&#34;. Dieser Urzustand änderte sich gegen Ende der Nullerjahre mit dem Aufkommen zentral organisierter Plattformen wie #Facebook und Twitter. Der Netzwerkeffekt und unsere Bequemlichkeit liessen also Monopole entstehen, die nun plötzlich über Moderation und andere Techniken regulierend in die Kakophonie der lautesten Stimmen eingreifen mussten, um das Wachstum am Laufen zu halten und neue Nutzer nicht zu verschrecken. Den meisten Usern war und ist dies aber egal, sie gehören nicht zur kleinen Minderheit derer, die lautstark die grosse Mehrheit der Inhalte produzieren (gem. Pew Research sind es z.B. nur 25 Prozent der amerikanischen Twitter-Nutzer, die 97 Prozent der Tweets absetzen). Sie klicken sich auf Social Media weiterhin ihre Stämme zusammen und richten es sich gemütlich in &#34;ihrem Netzwerk&#34; ein. Es ist ja nicht nur Zufall, dass Eli Pariser 2011 mit seiner These der &#34;Filter-Bubble&#34; ums Eck kam. Eine These übrigens, die nach wie vor wissenschaftlich umstritten ist.&#xA;&#xA;purging one’s feed of certain political opinions&#xA;&#xA;Social Media sind also für die grosse Mehrheit der Menschen kein öffentlicher Diskursraum, sondern ein weiteres Medium, auf dem sie sich in ihrem Milieu und in ihren Wertvorstellungen bestätigt fühlen.&#xA;&#xA;&#34;Ja, aber Twitter!&#34;&#xA;&#xA;Warum schenkt man dann aber aktuell dem blauen Vogel medial so viel Aufmerksamkeit? Hier komme ich nun wieder auf Bourdieu zurück. Twitter ist zugegebenermassen ein bisschen anders als die anderen Plattformen. Hier hat man die Möglichkeit, jene von den Milieus designierten Vertreter der Interessen direkt anzugehen (auf Facebook und Co. ist das schwieriger, weil die Mechanik der gegenseitigen Verbindung etc. die direkte Kontaktaufnahme erschwert). Dies wiederum macht Twitter attraktiv für jene, die über kulturelles Kapital verfügen und dieses möglichst auch in ökonomisches Kapital überführen möchten. Oder zumindest ihr kulturelles Kapital bei den Teilnehmern am öffentlichen Diskurs deponieren möchten. Der eigentliche Diskurs findet aber nicht auf Twitter statt, er kann hier höchstens angestossen werden. Dies verkennt das kulturelle Kapital meistens jedoch und setzt in einem self-serving bias den eigentlichen Diskursraum mit Twitter gleich. Darum auch die lautstarken Lamenti allenthalben.&#xA;&#xA;iframe src=&#34;https://mastodon.social/@atomicpoet/109496628103069166/embed&#34; class=&#34;mastodon-embed&#34; style=&#34;max-width: 100%; border: 0&#34; width=&#34;600&#34; height=&#34;250&#34; allowfullscreen=&#34;allowfullscreen&#34;/iframe&#xA;&#xA;Und das Fediverse? Ist das wieder eine Rückbesinnung auf den angesprochenen Urzustand? Die dezentrale Architektur lässt das zumindest vermuten. Ja und nein. Ja, in dem Sinn, dass die Macht der Moderation wieder mehrheitlich in den Händen der User liegt. Ich kann einzelne User stummschalten oder blocken, ja sogar ganze Instanzen blocken. Eine Stammeskultur, tatsächlich. Aber das ist eben auch unbequem und mühsam, die Mehrheit wird also fernbleiben. Mir jedenfalls gefällt es im Moment so.&#xA;&#xA;Literatur&#xA;Pierre Bourdieu (1982): Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Suhrkamp, Frankfurt am Main.&#xA;Joseph Henrich (2022): Die seltsamsten Menschen der Welt. Wie der Westen reichlich sonderbar und besonders reich wurde. Suhrkamp, Frankfurt am Main.&#xA;Ossi Urchs (2007): 13 Jahre Web-Marketing - was hat sich verändert?, online: https://www.marketing-boerse.de/fachartikel/details/13-jahre-web-marketing---was-hat-sich-veraendert/8555 [letzter Zugriff: 2022-12-13].&#xA;Christina Wessely &amp; Florian Huber (Hrsg.) (2017): Milieu. Umgebungen des Lebendigen in der Moderne. Brill | Fink, Paderborn.&#xA;&#xA;---&#xA;Bildquellen&#xA;Joi Ito from Inbamura, Japan, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons&#xA;Judy M, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons&#xA;Screenshot der Geocities Startseite vom 14.02.1998, via RETROPOND&#xA;Screenshot der Ergebnisse zur Frage &#34;Have you ever unfriended, unfollowed, or blocked someone on social media because of their political viewpoint or excessive political posts or comments? by political leanings&#34;, via CivicScience&#xA;&#xA;Topic&#xA;Kommerz]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/58/Web_2.0_is_here.jpg/800px-Web_2.0_is_here.jpg" alt="Web 2.0 is here">
Ich war eigentlich schon immer der – zugegebenermassen wenig populären – Meinung, dass Social Media eben keinen öffentlichen Raum darstellen, sondern im Gegenteil den menschlichen Drang zur “Stammesbildung” geradezu befördern. Mit dieser Einschätzung bin ich damals, in den Anfangszeiten von <a href="/gisiger/tag:Twitter" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Twitter</span></a> bereits angeeckt und tue es aktuell auch im <a href="/gisiger/tag:Fediverse" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Fediverse</span></a> offenbar wieder. Darum will ich hier, angespornt durch einen Faden auf <a href="/gisiger/tag:Mastodon" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Mastodon</span></a> kürzlich, diese Argumentationslinie etwas darlegen, denn mir scheint, dass dies in der aktuellen Diskussion rund um Twitter wieder an Bedeutung gewinnen sollte.</p>



<h2 id="einige-prämissen-begriffe" id="einige-prämissen-begriffe">Einige Prämissen &amp; Begriffe</h2>

<p>Wenn es darum geht, <strong>“Gesellschaft”</strong> näher einzugrenzen, dann folge ich <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Bourdieu" rel="nofollow">Bourdieu</a>, der der Meinung ist, dass dieses Phänomen (1) nicht eindeutig erklärbar ist, sich aber (2) in zwei Ebenen unterteilen lässt:</p>
<ol><li>Die Ebene der sozialen Praxis, in der sich sozusagen der Alltag abspielt und</li>
<li>die Ebene der Theorie der Praxis, auf der die der sozialen Praxis innewohnenden Machtverhältnisse aufgedeckt und diskutiert werden können.</li></ol>

<p>Diese Machtverhältnisse gründen sich u.a. auf ökonomischem und kulturellem Kapital.</p>

<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/69/Kapitalsorten_Zusammenhang.png" alt="Kapitalsorten nach Bourdieu">
<div style="text-align: right">[<a href="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/69/Kapitalsorten_Zusammenhang.png" rel="nofollow">vergrössern</a>]</div></p>

<p>Die <strong>“Öffentlichkeit”</strong> wiederum stellt jenen Bereich der sozialen Praxis dar, in dem Menschen zusammenkommen, um bestehende Probleme zu verhandeln (also die Sphäre der Politik). Öffentlichkeit ist der Diskursraum, in dem die Interessen der einzelnen Teile der Gesellschaft ausgehandelt werden. Akteure in diesem Diskursraum waren und sind aber nie alle Entitäten der Gesellschaft, sondern immer in irgendeiner Form designierte Vertreter der einzelnen Interessen, um die sich die verschiedenen Entitäten der Gesellschaft gruppieren. Weder in der attischen Polis noch in einer modernen Demokratie werden die Interessen in einer Vollversammlung aller Entitäten ausgehandelt.</p>

<h2 id="die-rolle-der-massenmedien-in-der-neuzeit" id="die-rolle-der-massenmedien-in-der-neuzeit">Die Rolle der Massenmedien in der Neuzeit</h2>

<p>Lange Zeit gruppierten sich Menschen hauptsächlich in verwandtschaftlichen Verbänden. Erst mit der Sesshaftwerdung, der sog. neolithischen Revolution, begannen sich grössere Gesellschaften herauszubilden, in denen ein Interessenausgleich in einem öffentlichen Diskurs institutionalisiert werden musste. Aber nach wie vor gruppierten sich die Interessen primär entlang verwandtschaftlicher Beziehungen, auch wenn diese nach und nach erweitert wurden, z.B. im antiken römischen Klientelismus.</p>

<p>Erst in der Neuzeit bildeten sich, getrieben von ökonomischen, gesellschaftlichen und anderen Veränderungen, neue, nicht mehr rein auf Beziehungen aufbauende Interessengruppen aus. Ich nenne diese Gruppen Milieus (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%89mile_Durkheim" rel="nofollow">Durkheim</a> z.B. versteht Milieus als gesellschaftliche Subsysteme), die sich bereits in der ständischen Gesellschaft des späten Mittelalters auszubilden begannen und die bis weit in das 20. Jahrhundert hinein Wirkung entfalteten (das “katholische Milieu”, das “sozialdemokratische Milieu” usw.). Massenmedien wiederum verstanden sich lange Zeit als “Parteipresse”, die jeweils spezifische Milieus ansprachen. Dabei lässt sich eine Wechselwirkung beobachten: einerseits beeinflussten die Medien die Meinungsbildung innerhalb der Milieus, andererseits orientierten sie sich an den Normen und Werten jener Milieus, die sie bedienten.</p>

<p>Man konsumierte also jene Medien, die dem eigenen Milieu entsprachen und damit das eigene Weltbild festigten. Die Älteren unter uns mögen sich vielleicht noch an eine Zeit erinnern, in der man (in der Schweiz z.B.) nur in bestimmten Vereinen Mitglied war, nur in bestimmten Geschäften einkaufte etc., nämlich in jenen, die dem eigenen Milieu entsprachen; es existierte neben dem freisinnigen Turnverein z.B. auch der Arbeiterturnverein. Die Gesellschaft richtete es sich also in Milieus gemütlich ein, den Diskursraum, die Politik, überliess man bestimmten Vertretern. Heute würde man sagen, man lebte in seiner Bubble.</p>

<h2 id="social-media-und-der-öffentliche-diskurs" id="social-media-und-der-öffentliche-diskurs">Social Media und der öffentliche Diskurs</h2>

<p>Und was hat das nun mit Social Media zu tun? Nun, meiner Meinung nach blieb dieser Zustand mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt bis etwa in die 1980er-Jahre hinein bestehen. Zwar beförderten die neuen elektronischen Massenmedien (Radio und Fernsehen) eine überparteilich-neutrale Berichterstattung, der sich schliesslich auch fast alle Printmedien verschrieben, aber dies war für die Mehrheit der Menschen, die sich nach wie vor in ihren gesellschaftlichen Subsystemen bewegten, kein befriedigender Zustand. Da kam das Internet wie gerufen: plötzlich gab es da ein Medium für die Massen (die Early Adopters kannten ja schon das Usenet usw.), auf dem sich jeder ohne grossen Aufwand nach seinem Gusto betätigen konnte, auf dem man sich nach Belieben zu einzelnen “Tribes” zusammenschliessen konnte.</p>

<p><img src="https://i0.wp.com/retropond.com/wp-content/uploads/2021/02/Geocities-MainPage.jpg" alt="Geocities mainpage 1998"></p>

<p>Anfänglich geschah dies dezentral, auf Blogs, Foren, Websites. Man suchte sich seinen Interessen folgend einfach seine Stämme zusammen, meist ohne irgendeinen “gesamtgesellschaftlichen Anspruch”. Das überliess man weiterhin gerne den “Anderen”. Dieser Urzustand änderte sich gegen Ende der Nullerjahre mit dem Aufkommen zentral organisierter Plattformen wie <a href="/gisiger/tag:Facebook" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Facebook</span></a> und Twitter. Der Netzwerkeffekt und unsere Bequemlichkeit liessen also Monopole entstehen, die nun plötzlich über Moderation und andere Techniken regulierend in die Kakophonie der lautesten Stimmen eingreifen mussten, um das Wachstum am Laufen zu halten und neue Nutzer nicht zu verschrecken. Den meisten Usern war und ist dies aber egal, sie gehören nicht zur kleinen Minderheit derer, die lautstark die grosse Mehrheit der Inhalte produzieren (<a href="https://www.pewresearch.org/internet/2021/11/15/the-behaviors-and-attitudes-of-u-s-adults-on-twitter/" rel="nofollow">gem. Pew Research sind es z.B. nur 25 Prozent</a> der amerikanischen Twitter-Nutzer, die 97 Prozent der Tweets absetzen). Sie klicken sich auf Social Media weiterhin ihre Stämme zusammen und richten es sich gemütlich in “ihrem Netzwerk” ein. Es ist ja nicht nur Zufall, dass Eli Pariser 2011 mit seiner These der “Filter-Bubble” ums Eck kam. Eine These übrigens, die nach wie vor wissenschaftlich umstritten ist.</p>

<p><img src="https://pixelfed-prod.nyc3.digitaloceanspaces.com/public/m/_v2/498590252182833335/8d46c944c-26de5d/UlZr3yD7aEdD/oBBJoXsXg067ORJBHzidxqY6XEAEWUYXqzTmRERJ.png" alt="purging one’s feed of certain political opinions"></p>

<p>Social Media sind also für die grosse Mehrheit der Menschen kein öffentlicher Diskursraum, sondern ein weiteres Medium, auf dem sie sich in ihrem Milieu und in ihren Wertvorstellungen bestätigt fühlen.</p>

<h2 id="ja-aber-twitter" id="ja-aber-twitter">“Ja, aber Twitter!”</h2>

<p>Warum schenkt man dann aber aktuell dem blauen Vogel medial so viel Aufmerksamkeit? Hier komme ich nun wieder auf Bourdieu zurück. Twitter ist zugegebenermassen ein bisschen anders als die anderen Plattformen. Hier hat man die Möglichkeit, jene von den Milieus designierten Vertreter der Interessen direkt anzugehen (auf Facebook und Co. ist das schwieriger, weil die Mechanik der gegenseitigen Verbindung etc. die direkte Kontaktaufnahme erschwert). Dies wiederum macht Twitter attraktiv für jene, die über kulturelles Kapital verfügen und dieses möglichst auch in ökonomisches Kapital überführen möchten. Oder zumindest ihr kulturelles Kapital bei den Teilnehmern am öffentlichen Diskurs deponieren möchten. Der eigentliche Diskurs findet aber nicht auf Twitter statt, er kann hier höchstens angestossen werden. Dies verkennt das kulturelle Kapital meistens jedoch und setzt in einem self-serving bias den eigentlichen Diskursraum mit Twitter gleich. Darum auch <a href="https://paper.wf/gisiger/alles-elon-baby" rel="nofollow">die lautstarken Lamenti</a> allenthalben.</p>

<iframe src="https://mastodon.social/@atomicpoet/109496628103069166/embed" class="mastodon-embed" style="max-width: 100%; border: 0" width="600" height="250" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe>

<p>Und das Fediverse? Ist das wieder eine Rückbesinnung auf den angesprochenen Urzustand? Die dezentrale Architektur lässt das zumindest vermuten. Ja und nein. Ja, in dem Sinn, dass die Macht der Moderation wieder mehrheitlich in den Händen der User liegt. Ich kann einzelne User stummschalten oder blocken, ja sogar ganze Instanzen blocken. Eine Stammeskultur, tatsächlich. Aber das ist eben auch unbequem und mühsam, die Mehrheit wird also fernbleiben. Mir jedenfalls gefällt es im Moment so.</p>

<h3 id="literatur" id="literatur">Literatur</h3>
<ul><li>Pierre Bourdieu (1982): Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Suhrkamp, Frankfurt am Main.</li>
<li>Joseph Henrich (2022): Die seltsamsten Menschen der Welt. Wie der Westen reichlich sonderbar und besonders reich wurde. Suhrkamp, Frankfurt am Main.</li>
<li>Ossi Urchs (2007): 13 Jahre Web-Marketing – was hat sich verändert?, online: <a href="https://www.marketing-boerse.de/fachartikel/details/13-jahre-web-marketing---was-hat-sich-veraendert/8555" rel="nofollow">https://www.marketing-boerse.de/fachartikel/details/13-jahre-web-marketing---was-hat-sich-veraendert/8555</a> [letzter Zugriff: 2022-12-13].</li>
<li>Christina Wessely &amp; Florian Huber (Hrsg.) (2017): Milieu. Umgebungen des Lebendigen in der Moderne. Brill | Fink, Paderborn.</li></ul>

<hr>

<p><strong>Bildquellen</strong>
1. Joi Ito from Inbamura, Japan, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0" rel="nofollow">CC BY 2.0</a>, via Wikimedia Commons
2. Judy M, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/" rel="nofollow">CC BY-SA 3.0</a>, via Wikimedia Commons
3. Screenshot der Geocities Startseite vom 14.02.1998, via <a href="https://retropond.com/geocities/" rel="nofollow">RETROPOND</a>
4. Screenshot der Ergebnisse zur Frage “Have you ever unfriended, unfollowed, or blocked someone on social media because of their political viewpoint or excessive political posts or comments? by political leanings”, via <a href="https://civicscience.com/the-majority-of-americans-are-also-social-distancing-from-politics/" rel="nofollow">CivicScience</a></p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="/gisiger/tag:Kommerz" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Kommerz</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/gisiger/social-media-sind-kein-offentlicher-diskursraum</guid>
      <pubDate>Wed, 14 Dec 2022 07:52:22 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>The Silicon Valley Paradigm und wie es überwunden werden kann</title>
      <link>https://paper.wf/gisiger/the-silicon-valley-paradigm-und-wie-es-uberwunden-werden-kann</link>
      <description>&lt;![CDATA[Cat behind a fence&#xA;In einem meiner letzten Beiträge habe ich kurz #TheSiliconValleyParadigm angesprochen und warum dies eines der grundlegenden Probleme in der aktuellen Diskussion rund um #Twitter ist. Nachdem ich auf verschiedenen Kanälen nach diesem Modell gefragt wurde, möchte ich es im folgenden kurz darlegen und dabei auch etwas näher auf die Denkweise eingehen, die ihm zugrunde liegt. Danach werde ich noch kurz den möglichen Ausweg aus diesem Paradigma skizzieren.&#xA;&#xA;!--more--&#xA;&#xA;Das Silicon Valley Paradigm&#xA;&#xA;Meine Ausführungen stützen sich weitgehend auf einen Podcast mit Per Bylund, Associate Professor of Entrepreneurship an der Spears School of Business der Oklahoma State University, mit dem Titel Silicon Valley Is Bad At Entrepreneurship. Bylund ist ein Vertreter der sog. Österreichischen Schule und somit nicht Teil des ökonomischen Mainstreams - dies als Caveat.&#xA;&#xA;Bylund argumentiert, dass viele Technologieunternehmen in Silicon Valley sich darauf konzentriert haben, zuerst Produkte, also Technologien, zu entwickeln, ohne die Bedürfnisse der Kunden zu berücksichtigen. Um den damit einhergehenden ausbleibenden ökonomischen Erfolg gegenüber den Investoren doch noch herbeizuführen, sind sie gezwungen, ihren Produkten nachträglich ein Geschäftsmodell überzustülpen, welches darin besteht, erstens möglichst rasch zu wachsen (z.B. mit Freemium-Angeboten) und zweitens Daten über ihre Kunden zu sammeln und zu Geld zu machen. In der Regel geschieht dies mittels Werbung, was Bylund als nicht besonders innovativ kritisiert.&#xA;&#xA;The Silicon Valley Paradigm&#xA;&#xA;Bei vielen Unternehmen sind nämlich die Kunden die eigentlichen Schöpfer der Inhalte, die das Unternehmen jedoch kontrolliert, analysiert und als Daten an Werbetreibende weiterverkauft. Diese &#34;Monetarisierung&#34; kritisiert er als einen verräterischen Begriff, es handle sich dabei um die nachträgliche Suche nach einem Einnahmenmodell, nachdem das Produkt ohne klaren Kundenfokus gestartet wurde. Schlimmer, der Kunde steht überhaupt nie im Zentrum für die Unternehmen.&#xA;&#xA;Techno-Solutionismus als vorherrschende Denkweise&#xA;&#xA;Bylund ist der Meinung, dass in vielen Unternehmen des Silicon Valley eine technologiegetriebene Denkweise vorherrsche, die ihre Innovationsanstrengungen in Widerspruch zu den Prinzipien einer auf den Kunden ausgerichteten Wertschöpfungskette stellt. Diese Denkweise wird zuweilen auch als Techno-Solutionismus [1] bezeichnet, der davon ausgeht, dass technologische Lösungen für alle Probleme der Menschheit gefunden werden können. Diese Haltung ist jedoch insofern problematisch, da sie gerne dazu neigt, komplexe gesellschaftliche Herausforderungen zu vereinfachen und die Bedenken und Ängste von betroffenen Menschen zu ignorieren. Gleichzeitig wird versucht, die Beteiligung der Öffentlichkeit an Entscheidungen über die Verwendung dieser neuen Technologien möglichst zu Gunsten der Unternehmen zu unterminieren.&#xA;&#xA;Die Lösung: Consumer (oder Customer) first!&#xA;&#xA;Bylund selber stellt diesem Silicon Valley Paradigm ein anderes Vorgehen entgegen, welches stets den Kunden im Fokus hat und sich nicht grundlegend von bekannten Ansätzen wie Value Proposition Design, Design Thinking und anderen unterscheidet. Eine interessante Bemerkung macht er aber noch, die gerade auch im Kontext von Twitter und dem #Fediverse interessant ist:&#xA;&#xA;  &#34;The value promise of today’s digital products and digital markets is exciting for consumers. The term &#39;generative&#39; has been coined to describe the new characteristics of products that give consumers leverage – make their jobs easier; that provide adaptability so that consumers can change them to suit their own purposes; and that are easy to master and easy to access. The spirit of generativity lies in unleashing end-user creativity.&#34;&#xA;&#xA;Vielen Big-Tech-Firmen sind solche “generativen” Produkte zuwider, weil sie zwecks Monetarisierung Daten ihrer Kunden sammeln und kontrollieren müssen, um so proprietäre, geschlossene Lösungen [2] anbieten zu können.&#xA;&#xA;  &#34;They are centralizers in a world of decentralization. This leaves them open to disruption by the next generation of entrepreneurs who start their journey from the point of view of what consumers value.&#34;&#xA;&#xA;---&#xA;Fussnoten&#xA;[1] Evgeny Morozov (2013): To Save Everything, Click Here: The Folly of Technological Solutionism, New York: PublicAffairs.&#xA;2] vgl. dazu auch: Glyn Moody (2022): Walled Culture: How Big Content Uses Technology and the Law to Lock Down Culture and Keep Creators Poor, Antwerp: BTF Press. [Open Access hier (Public Domain).&#xA;&#xA;Bildquellen&#xA;hippopx.com, Public Domain&#xA;Michael Gisiger, CC BY-NC-SA 4.0, via PixelFed&#xA;&#xA;Topic&#xA;Kommerz]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://i0.hippopx.com/photos/234/428/933/cat-mieze-kitten-grid-preview.jpg" alt="Cat behind a fence">
In einem <a href="https://paper.wf/gisiger/alles-elon-baby" rel="nofollow">meiner letzten Beiträge</a> habe ich kurz <a href="/gisiger/tag:TheSiliconValleyParadigm" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">TheSiliconValleyParadigm</span></a> angesprochen und warum dies eines der grundlegenden Probleme in der aktuellen Diskussion rund um <a href="/gisiger/tag:Twitter" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Twitter</span></a> ist. Nachdem ich auf verschiedenen Kanälen nach diesem Modell gefragt wurde, möchte ich es im folgenden kurz darlegen und dabei auch etwas näher auf die Denkweise eingehen, die ihm zugrunde liegt. Danach werde ich noch kurz den möglichen Ausweg aus diesem Paradigma skizzieren.</p>



<h2 id="das-silicon-valley-paradigm" id="das-silicon-valley-paradigm">Das Silicon Valley Paradigm</h2>

<p>Meine Ausführungen stützen sich weitgehend auf einen Podcast mit Per Bylund, Associate Professor of Entrepreneurship an der Spears School of Business der Oklahoma State University, mit dem Titel <a href="https://mises.org/library/bylund-silicon-valley-bad-entrepreneurship" rel="nofollow"><em>Silicon Valley Is Bad At Entrepreneurship</em></a>. Bylund ist ein Vertreter der sog. Österreichischen Schule und somit nicht Teil des ökonomischen Mainstreams – dies als Caveat.</p>

<p>Bylund argumentiert, dass viele Technologieunternehmen in Silicon Valley sich darauf konzentriert haben, zuerst Produkte, also Technologien, zu entwickeln, ohne die Bedürfnisse der Kunden zu berücksichtigen. Um den damit einhergehenden ausbleibenden ökonomischen Erfolg gegenüber den Investoren doch noch herbeizuführen, sind sie gezwungen, ihren Produkten nachträglich ein Geschäftsmodell überzustülpen, welches darin besteht, erstens möglichst rasch zu wachsen (z.B. mit Freemium-Angeboten) und zweitens Daten über ihre Kunden zu sammeln und zu Geld zu machen. In der Regel geschieht dies mittels Werbung, was Bylund als nicht besonders innovativ kritisiert.</p>

<p><img src="https://pixelfed-prod.nyc3.digitaloceanspaces.com//public/m/_v2/498590252182833335/a48ad3dc0-89cf68/r2GBO4urPRV6/SNGP1uaRVszQUSft5YX0qryok4Vavf46d2oOlSWi.png" alt="The Silicon Valley Paradigm"></p>

<p>Bei vielen Unternehmen sind nämlich die Kunden die eigentlichen Schöpfer der Inhalte, die das Unternehmen jedoch kontrolliert, analysiert und als Daten an Werbetreibende weiterverkauft. Diese “Monetarisierung” kritisiert er als einen verräterischen Begriff, es handle sich dabei um die nachträgliche Suche nach einem Einnahmenmodell, nachdem das Produkt ohne klaren Kundenfokus gestartet wurde. Schlimmer, der Kunde steht überhaupt nie im Zentrum für die Unternehmen.</p>

<h2 id="techno-solutionismus-als-vorherrschende-denkweise" id="techno-solutionismus-als-vorherrschende-denkweise">Techno-Solutionismus als vorherrschende Denkweise</h2>

<p>Bylund ist der Meinung, dass in vielen Unternehmen des Silicon Valley eine technologiegetriebene Denkweise vorherrsche, die ihre Innovationsanstrengungen in Widerspruch zu den Prinzipien einer auf den Kunden ausgerichteten Wertschöpfungskette stellt. Diese Denkweise wird zuweilen auch als <em>Techno-Solutionismus</em> [1] bezeichnet, der davon ausgeht, dass technologische Lösungen für alle Probleme der Menschheit gefunden werden können. Diese Haltung ist jedoch insofern problematisch, da sie gerne dazu neigt, komplexe gesellschaftliche Herausforderungen zu vereinfachen und die Bedenken und Ängste von betroffenen Menschen zu ignorieren. Gleichzeitig wird versucht, die Beteiligung der Öffentlichkeit an Entscheidungen über die Verwendung dieser neuen Technologien möglichst zu Gunsten der Unternehmen zu unterminieren.</p>

<h2 id="die-lösung-consumer-oder-customer-first" id="die-lösung-consumer-oder-customer-first">Die Lösung: Consumer (oder Customer) first!</h2>

<p>Bylund selber stellt diesem Silicon Valley Paradigm ein anderes Vorgehen entgegen, welches stets den Kunden im Fokus hat und sich nicht grundlegend von bekannten Ansätzen wie <em>Value Proposition Design</em>, <em>Design Thinking</em> und anderen unterscheidet. Eine interessante Bemerkung macht er aber noch, die gerade auch im Kontext von Twitter und dem <a href="/gisiger/tag:Fediverse" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Fediverse</span></a> interessant ist:</p>

<blockquote><p><em>“The value promise of today’s digital products and digital markets is exciting for consumers. The term &#39;generative&#39; has been coined to describe the new characteristics of products that give consumers leverage – make their jobs easier; that provide adaptability so that consumers can change them to suit their own purposes; and that are easy to master and easy to access. The spirit of generativity lies in unleashing end-user creativity.”</em></p></blockquote>

<p>Vielen Big-Tech-Firmen sind solche “generativen” Produkte zuwider, weil sie zwecks Monetarisierung Daten ihrer Kunden sammeln und kontrollieren müssen, um so proprietäre, geschlossene Lösungen [2] anbieten zu können.</p>

<blockquote><p><em>“They are centralizers in a world of decentralization. This leaves them open to disruption by the next generation of entrepreneurs who start their journey from the point of view of what consumers value.”</em></p></blockquote>

<hr>

<p><strong>Fussnoten</strong>
[1] Evgeny Morozov (2013): To Save Everything, Click Here: The Folly of Technological Solutionism, New York: PublicAffairs.
[2] vgl. dazu auch: Glyn Moody (2022): Walled Culture: How Big Content Uses Technology and the Law to Lock Down Culture and Keep Creators Poor, Antwerp: BTF Press. <a href="https://walledculture.org/the-book/" rel="nofollow">Open Access hier</a> (Public Domain).</p>

<p><strong>Bildquellen</strong>
1. hippopx.com, Public Domain
2. Michael Gisiger, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/" rel="nofollow">CC BY-NC-SA 4.0</a>, via <a href="https://pixelfed.social/gisiger" rel="nofollow">PixelFed</a></p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="/gisiger/tag:Kommerz" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Kommerz</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/gisiger/the-silicon-valley-paradigm-und-wie-es-uberwunden-werden-kann</guid>
      <pubDate>Tue, 06 Dec 2022 09:53:47 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Abonnieren</title>
      <link>https://paper.wf/gisiger/abonnieren</link>
      <description>&lt;![CDATA[Federation mit ActivityPub&#xA;Du kannst diesem Blog mit jedem Dienst aus dem #Fediverse folgen, der das ActivityPub-Protokoll unterstützt, also z.B. mit #Mastodon.&#xA;&#xA;Dazu musst Du einfach die URL dieses Blogs&#xA;https://paper.wf/gisiger/&#xA;&#xA;oder den Handle&#xA;@gisiger@paper.wf&#xA;&#xA;in das Suchfenster Deines Clients eingeben und dann auf &#34;Folgen&#34; klicken. Anschliessend kannst Du alle neuen Beiträge direkt in Deinem Client lesen.&#xA;&#xA;Hier eine kurze Anleitung dazu:&#xA;iframe width=&#34;600&#34; height=&#34;355&#34; sandbox=&#34;allow-same-origin allow-scripts&#34; src=&#34;https://video.writeas.org/videos/embed/cc55e615-d204-417c-9575-7b57674cc6f3&#34; frameborder=&#34;0&#34; allowfullscreen/iframe&#xA;&#xA;RSS-Feed&#xA;Nein, RSS ist nicht tot! Wenn Du - wie ich - weiterhin auf einen Feedreader setzt, kannst Du ebenfalls einfach die URL im Reader einfügen oder alternativ auch die Feed-URL nutzen:&#xA;&#xA;RSS-Icon https://paper.wf/gisiger/feed/]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<h2 id="federation-mit-activitypub" id="federation-mit-activitypub">Federation mit ActivityPub</h2>

<p>Du kannst diesem Blog mit jedem Dienst aus dem <a href="/gisiger/tag:Fediverse" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Fediverse</span></a> folgen, der das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/ActivityPub" rel="nofollow">ActivityPub</a>-Protokoll unterstützt, also z.B. mit <a href="/gisiger/tag:Mastodon" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Mastodon</span></a>.</p>

<p>Dazu musst Du einfach die URL dieses Blogs
<code>https://paper.wf/gisiger/</code></p>

<p>oder den Handle
<code><a href="https://paper.wf/@/gisiger@paper.wf" class="u-url mention" rel="nofollow">@<span>gisiger@paper.wf</span></a></code></p>

<p>in das Suchfenster Deines Clients eingeben und dann auf “Folgen” klicken. Anschliessend kannst Du alle neuen Beiträge direkt in Deinem Client lesen.</p>

<p>Hier eine kurze Anleitung dazu:
<iframe width="600" height="355" src="https://video.writeas.org/videos/embed/cc55e615-d204-417c-9575-7b57674cc6f3" frameborder="0" allowfullscreen=""></iframe></p>

<h2 id="rss-feed" id="rss-feed">RSS-Feed</h2>

<p>Nein, RSS ist nicht tot! Wenn Du – wie ich – weiterhin auf einen Feedreader setzt, kannst Du ebenfalls einfach die URL im Reader einfügen oder alternativ auch die Feed-URL nutzen:</p>

<p><img src="https://www.shareicon.net/data/16x16/2016/07/09/118676_news_512x512.png" alt="RSS-Icon"> <a href="https://paper.wf/gisiger/feed/" rel="nofollow">https://paper.wf/gisiger/feed/</a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/gisiger/abonnieren</guid>
      <pubDate>Tue, 22 Nov 2022 12:06:06 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Insider-Outsider-Problem: Das Fediverse, Algorithmen und die Werbung</title>
      <link>https://paper.wf/gisiger/insider-outsider-problem-das-fediverse-algorithmen-und-die-werbung</link>
      <description>&lt;![CDATA[Sinking Ship&#xA;&#xA;Jetzt wo #Mastodon (vor allem) medial gehypt wird und der schleichende Bedeutungsverlust der grossen Social-Media-Plattformen immer deutlicher zu erkennen ist, wird natürlich auch die Branche auf das #Fediverse aufmerksam. So fragte jüngst die Absatzwirtschaft, ob &#34;meine Marke einen Mastodon Account&#34; braucht. Die naheliegende Antwort ist &#34;(noch) nicht&#34;. Trotzdem ist die Frage berechtigt, und so ist es nur folgerichtig, dass manche dezentrale Plattformen bereits als einen der Social-Media-Trends 2023 identifizieren. Sollte sich dieser Trend durchsetzen, dann muss sich natürlich auch die kommerzielle Kommunikation umorientieren. Einige Gedanken dazu.&#xA;!--more--&#xA;Natürlich wurde der Beitrag in der Absatzwirtschaft von vielen auf Mastodon hämisch kommentiert (&#34;Werbefuzzies&#34;, ihr wisst schon). Wer aber ab und zu seine Blase verlässt, um im öden RL seinen Lebensunterhalt zu verdienen und schon ein paar Jahre mehr Neuland hinter sich hat als andere, weiss, dass nichts ewig währt. Internet ohne Werbung schon gar nicht. Immerhin: die dezentrale Architektur des Fediverse verhindert eine zentrale Monetarisierung in Form bezahlter Inhalte weitgehend. Wahrscheinlich. Aber über kurz und lang wird auch die kommerzielle Kommunikation Eingang in dieses Elysion finden.&#xA;&#xA;Ich sehe grundsätzlich allerdings nur einen gangbaren Weg, sollten GAFA [1] tatsächlich an Relevanz verlieren: Zurück in die &#34;gute alte Zeit&#34;, also so ungefähr ab 2005 bis 2012. Oder so. Wenn uns keine Algorithmen mehr die Reichweite versauen und wir darum auch nicht mehr ständig bezahlte Inhalte pushen sollen, dann hilft wohl wirklich nur eine Rückbesinnung auf damals.&#xA;Was haben wir damals gemacht? Eine kurze Nachhilfe für das junge Gemüse unter euch.&#xA;Wir haben unsere kommerzielle Kommunikation auf zwei Säulen aufgebaut:&#xA;&#xA;Eigene Inhalte auf eigenen Plattformen (ihr wisst schon, Blogs und solches Zeugs) publiziert und&#xA;auf diesen komischen #Twitter und #Facebook versucht, organisch eine Community aufzubauen.&#xA;&#xA;Im Moment sehe ich eine gute Chance, dass das wieder so kommt, dass wir wieder vermehrt eine Reichweite über eigene Präsenzen aufbauen und uns wieder auf Augenhöhe - wie ich diese Metapher hasse! - mit der Kundschaft vernetzen (müssen). Ad radices!&#xA;Was hat das alles mit dem Fediverse zu tun?&#xA;Nichts. Und alles. Mastodon schickt sich gerade an, den ominösen &#34;Chasm&#34; zu überwinden. Ob es das schafft, bleibt aber offen, unten am Grund türmt sich ein veritabler Friedhof auf. Die anderen Dienste im Fediverse sind noch nicht mal am Rand der Klippe angekommen. Falls sie es aber hinüber schaffen, dann werden spätestens im Gefolge der Laggards auch die letzten &#34;Werbefuzzies&#34; mit dabei sein.&#xA;Technology-Adoption-Lifecycle und der Chasm&#xA;Wie das dann einigermassen vernünftig ausgestaltet werden könnte, weiss ich auch nicht. Ich betätige mich jetzt als moderne Inkarnation des William von Baskerville und hole &#34;Corporate Blogs&#34; von Klaus Eck aus dem Bücherregal ...&#xA;---&#xA;Fussnoten&#xA;[1] Google, Amazon, Facebook und Apple.&#xA;&#xA;Bildquellen&#xA;Linnaea Mallette, Public Domain&#xA;Craig Chelius, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons&#xA;&#xA;Topic&#xA;Kommerz]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://www.publicdomainpictures.net/pictures/110000/velka/sinking-ship.jpg" alt="Sinking Ship"></p>

<p>Jetzt wo <a href="/gisiger/tag:Mastodon" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Mastodon</span></a> (vor allem) medial gehypt wird und der schleichende Bedeutungsverlust der grossen Social-Media-Plattformen immer deutlicher zu erkennen ist, wird natürlich auch die Branche auf das <a href="/gisiger/tag:Fediverse" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Fediverse</span></a> aufmerksam. So <a href="https://www.absatzwirtschaft.de/braucht-meine-marke-einen-mastodon-account-241385/" rel="nofollow">fragte jüngst die Absatzwirtschaft</a>, ob “meine Marke einen Mastodon Account” braucht. Die naheliegende Antwort ist “(noch) nicht”. Trotzdem ist die Frage berechtigt, und so ist es nur folgerichtig, dass manche dezentrale Plattformen bereits als <a href="https://digiday.com/marketing/here-are-the-trends-likely-to-have-the-biggest-impact-on-social-media-channels-in-2023/" rel="nofollow">einen der Social-Media-Trends 2023 identifizieren</a>. Sollte sich dieser Trend durchsetzen, dann muss sich natürlich auch die kommerzielle Kommunikation umorientieren. Einige Gedanken dazu.

Natürlich wurde der Beitrag in der Absatzwirtschaft von vielen auf Mastodon hämisch kommentiert (“Werbefuzzies”, ihr wisst schon). Wer aber ab und zu seine Blase verlässt, um im öden RL seinen Lebensunterhalt zu verdienen und schon ein paar Jahre mehr Neuland hinter sich hat als andere, weiss, dass nichts ewig währt. Internet ohne Werbung schon gar nicht. Immerhin: die dezentrale Architektur des Fediverse verhindert eine zentrale Monetarisierung in Form bezahlter Inhalte weitgehend. Wahrscheinlich. Aber über kurz und lang wird auch die kommerzielle Kommunikation Eingang in dieses Elysion finden.</p>

<p>Ich sehe grundsätzlich allerdings nur einen gangbaren Weg, sollten GAFA [1] tatsächlich an Relevanz verlieren: Zurück in die “gute alte Zeit”, also so ungefähr ab 2005 bis 2012. Oder so. Wenn uns keine Algorithmen mehr die Reichweite versauen und wir darum auch nicht mehr ständig bezahlte Inhalte pushen sollen, dann hilft wohl wirklich nur eine Rückbesinnung auf damals.</p>

<h2 id="was-haben-wir-damals-gemacht-eine-kurze-nachhilfe-für-das-junge-gemüse-unter-euch" id="was-haben-wir-damals-gemacht-eine-kurze-nachhilfe-für-das-junge-gemüse-unter-euch">Was haben wir damals gemacht? Eine kurze Nachhilfe für das junge Gemüse unter euch.</h2>

<p>Wir haben unsere kommerzielle Kommunikation auf zwei Säulen aufgebaut:</p>
<ol><li>Eigene Inhalte auf eigenen Plattformen (ihr wisst schon, Blogs und solches Zeugs) publiziert und</li>
<li>auf diesen komischen <a href="/gisiger/tag:Twitter" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Twitter</span></a> und <a href="/gisiger/tag:Facebook" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Facebook</span></a> versucht, organisch eine Community aufzubauen.</li></ol>

<p>Im Moment sehe ich eine gute Chance, dass das wieder so kommt, dass wir wieder vermehrt eine Reichweite über eigene Präsenzen aufbauen und uns wieder auf Augenhöhe – wie ich diese Metapher hasse! – mit der Kundschaft vernetzen (müssen). Ad radices!</p>

<h2 id="was-hat-das-alles-mit-dem-fediverse-zu-tun" id="was-hat-das-alles-mit-dem-fediverse-zu-tun">Was hat das alles mit dem Fediverse zu tun?</h2>

<p>Nichts. Und alles. Mastodon schickt sich gerade an, den ominösen “Chasm” zu überwinden. Ob es das schafft, bleibt aber offen, unten am Grund türmt sich ein veritabler Friedhof auf. Die anderen Dienste im Fediverse sind noch nicht mal am Rand der Klippe angekommen. Falls sie es aber hinüber schaffen, dann werden spätestens im Gefolge der Laggards auch die letzten “Werbefuzzies” mit dabei sein.
<img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d3/Technology-Adoption-Lifecycle.png" alt="Technology-Adoption-Lifecycle und der Chasm">
Wie das dann einigermassen vernünftig ausgestaltet werden könnte, weiss ich auch nicht. Ich betätige mich jetzt als moderne Inkarnation des William von Baskerville und hole “Corporate Blogs” von <a href="https://kopfkino.social/@Klauseck" rel="nofollow">Klaus Eck</a> aus dem Bücherregal ...</p>

<hr>

<p><strong>Fussnoten</strong>
[1] Google, Amazon, Facebook und Apple.</p>

<p><strong>Bildquellen</strong>
1. Linnaea Mallette, Public Domain
2. Craig Chelius, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/" rel="nofollow">CC BY-SA 3.0</a>, via Wikimedia Commons</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="/gisiger/tag:Kommerz" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Kommerz</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/gisiger/insider-outsider-problem-das-fediverse-algorithmen-und-die-werbung</guid>
      <pubDate>Fri, 18 Nov 2022 03:00:05 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Hello WorldFediverse!</title>
      <link>https://paper.wf/gisiger/hello-world</link>
      <description>&lt;![CDATA[Bern, Untertorbrücke&#xA;&#xA;So, nach Jahren der Blog-Abstinenz [1] und einer gefühlt ewigen Passivität auf den üblichen Social-Media-Plattformen habe ich nun endlich aktiv den Schritt ins #Fediverse gewagt. Klar war ich auch schon - damals - auf identi.ca, Diaspora und wie sie sonst noch alle hiessen. Auch #Mastodon und Co. habe ich lange beobachtet, aber so richtig hinein hab ich mich dann doch nicht gewagt.&#xA;!--more--&#xA;Jetzt aber schon. Dank Elon Musk. Indirekt zumindest. Also ich habe Twitter nicht wegen Elon verlassen, sondern weil ich dort (und auch anderswo) nicht mehr das fand, was mich interessierte. Ganz ehrlich: Seit es Google+ nicht mehr gibt, war ich privat Social-Media-Abstinentler. Beruflich ging das halt nicht.&#xA;&#xA;Langer Rede, kurzer Sinn: Jetzt bin ich (wieder) da ...&#xA;---&#xA;Fussnoten&#xA;[1] 2006 hatte ich meinen ersten Blog gestartet, Wortgefecht. Manche mögen sich noch erinnern. Alles gelöscht, nichts mehr online. Archive sind aber noch alle da.&#xA;&#xA;Bildquelle&#xA;I, Daniel Schwen, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons&#xA;&#xA;Topic&#xA;Interna]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><img src="https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/96/Bern_Untertorbr%C3%BCcke_05.jpg" alt="Bern, Untertorbrücke"></p>

<p>So, nach Jahren der Blog-Abstinenz [1] und einer gefühlt ewigen Passivität auf den üblichen Social-Media-Plattformen habe ich nun endlich aktiv den Schritt ins <a href="/gisiger/tag:Fediverse" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Fediverse</span></a> gewagt. Klar war ich auch schon – damals – auf identi.ca, Diaspora und wie sie sonst noch alle hiessen. Auch <a href="/gisiger/tag:Mastodon" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Mastodon</span></a> und Co. habe ich lange beobachtet, aber so richtig hinein hab ich mich dann doch nicht gewagt.

Jetzt aber schon. Dank Elon Musk. Indirekt zumindest. Also ich habe Twitter nicht wegen Elon verlassen, sondern weil ich dort (und auch anderswo) nicht mehr das fand, was mich interessierte. Ganz ehrlich: Seit es Google+ nicht mehr gibt, war ich privat Social-Media-Abstinentler. Beruflich ging das halt nicht.</p>

<p>Langer Rede, kurzer Sinn: Jetzt bin ich (wieder) da ...</p>

<hr>

<p><strong>Fussnoten</strong>
[1] 2006 hatte ich meinen ersten Blog gestartet, Wortgefecht. Manche mögen sich noch erinnern. Alles gelöscht, nichts mehr online. Archive sind aber noch alle da.</p>

<p><strong>Bildquelle</strong>
I, Daniel Schwen, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/" rel="nofollow">CC BY-SA 3.0</a>, via Wikimedia Commons</p>

<p><strong>Topic</strong>
<a href="/gisiger/tag:Interna" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Interna</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/gisiger/hello-world</guid>
      <pubDate>Thu, 17 Nov 2022 16:43:11 +0000</pubDate>
    </item>
  </channel>
</rss>