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    <title>geschichte &amp;mdash; Janus Newstrujew</title>
    <link>https://paper.wf/newstrujew/tag:geschichte</link>
    <description>Gedanken, die nicht in einen Mastodon-Tröt passen&lt;a href=&#34;https://autistics.life/@Newstrujew/&#34; rel=&#34;me&#34;&gt;&lt;/a&gt;</description>
    <pubDate>Sat, 02 May 2026 17:28:33 +0000</pubDate>
    <item>
      <title>Sowjetische Geschichtsnarrative und russisches Selbstverständnis</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/sowjetische-geschichtsnarrative-und-russisches-selbstverstandnis</link>
      <description>&lt;![CDATA[#russland #sowjetunion #geschichte #imperialismus #krieg&#xA;&#xA;Irgendwie muss ich gerade an meinen sowjetischen Geschichtsunterricht zurückdenken. Es scheint dort einige Erklärungen des aktuellen russischen Angriffskriegs zu geben. Ein Text über Geschichtsnarrative, Imperialismus und russisches Selbstverständnis.&#xA;&#xA;Hinweis: Ich habe zwar ein sehr gutes Gedächtnis, aber nach über 30 Jahren kann ich mich natürlich nicht mehr an jedes Detail erinnern. Und während ich vermute, dass meine Erfahrung repräsentativ für die Sowjetunion und heutiges Russland ist, ist sie anekdotische Evidenz.&#xA;&#xA;!--more--Zunächst einmal: die sowjetische Geschichtsschreibung war massiv ideologisch eingefärbt. Die Zaren waren immer schlecht, egal was sie taten. Wenn sie dennoch etwas Gutes taten, war ihre Motivation schlecht. Oder die Idee kam eigentlich von einem Mann des Volkes (=gut).&#xA;&#xA;Ähnlich hätte man eine scharfe Verurteilung aller Ausprägungen des Imperialismus erwartet. Die auch kam, beim westlichen Imperialismus. Der russische Imperialismus wurde dagegen weder benannt, noch angesprochen. Imperialisten waren immer nur die anderen.&#xA;&#xA;Angesichts zahlreicher Kriege, die Russland für die Ausweitung seines Territoriums geführt hat, ist dieser mentale Spagat ganz schön beachtlich. Ich vermute, dass man bei dessen Begründung an die Geschichtsnarrativen des verhassten Zarenrusslands angeknüpft hat.&#xA;&#xA;Eine zentrale Rolle spielen dabei Panslawismus und Panrussismus. Ja, in der &#34;internationalistischen&#34; Sowjetunion. Die Slawen und insbesondere Russen wurden als besonders tugendhaft dargestellt. Andere Völker schauten zu ihnen auf, das Schlechte kam stets von außen.&#xA;&#xA;Da ist es nur &#34;natürlich&#34;, dass Russen die anderen Völker auch regieren sollten. Es war, so dieses Narrativ, gar im Interesse dieser Völker. Die sich freiwillig Russland anschlossen. Oder weil Russland sich gegen sie verteidigen musste.&#xA;&#xA;Ja, das ist wortwörtlich das Narrativ, das so manche russische Politiker kürzlich benutzt haben. Dabei ist es egal, ob es absurd ist. Zahlreiche Generationen sind mit diesem Narrativ aufgewachsen. Es ist Teil des russischen Selbstverständnisses.&#xA;&#xA;2002 war ich in einem Museum in St. Petersburg. Es hat mich schockiert, wie wenig Russland die eigene Geschichte aufgearbeitet hat. Daran hat sich nichts geändert. Die vermutlich aus dem Zarenrussland stammenden imperialistischen Narrative setzen sich ungehindert fort.&#xA;&#xA;Und das ist der Boden, aus dem der aktuelle Angriffskrieg erwächst. Das sind die Narrative, mit denen er oftmals begründet wird. Und ein beachtlicher Teil der Bevölkerung nimmt es für bare Münze. Denn es ist das, was sie schon immer gehört haben.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:russland" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">russland</span></a> <a href="/newstrujew/tag:sowjetunion" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">sowjetunion</span></a> <a href="/newstrujew/tag:geschichte" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">geschichte</span></a> <a href="/newstrujew/tag:imperialismus" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">imperialismus</span></a> <a href="/newstrujew/tag:krieg" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">krieg</span></a></p>

<p>Irgendwie muss ich gerade an meinen sowjetischen Geschichtsunterricht zurückdenken. Es scheint dort einige Erklärungen des aktuellen russischen Angriffskriegs zu geben. Ein Text über Geschichtsnarrative, Imperialismus und russisches Selbstverständnis.</p>

<p><em>Hinweis</em>: Ich habe zwar ein sehr gutes Gedächtnis, aber nach über 30 Jahren kann ich mich natürlich nicht mehr an jedes Detail erinnern. Und während ich vermute, dass meine Erfahrung repräsentativ für die Sowjetunion und heutiges Russland ist, ist sie anekdotische Evidenz.</p>

<p>Zunächst einmal: die sowjetische Geschichtsschreibung war massiv ideologisch eingefärbt. Die Zaren waren immer schlecht, egal was sie taten. Wenn sie dennoch etwas Gutes taten, war ihre Motivation schlecht. Oder die Idee kam eigentlich von einem Mann des Volkes (=gut).</p>

<p>Ähnlich hätte man eine scharfe Verurteilung aller Ausprägungen des Imperialismus erwartet. Die auch kam, beim westlichen Imperialismus. Der russische Imperialismus wurde dagegen weder benannt, noch angesprochen. Imperialisten waren immer nur die anderen.</p>

<p>Angesichts zahlreicher Kriege, die Russland für die Ausweitung seines Territoriums geführt hat, ist dieser mentale Spagat ganz schön beachtlich. Ich vermute, dass man bei dessen Begründung an die Geschichtsnarrativen des verhassten Zarenrusslands angeknüpft hat.</p>

<p>Eine zentrale Rolle spielen dabei Panslawismus und Panrussismus. Ja, in der “internationalistischen” Sowjetunion. Die Slawen und insbesondere Russen wurden als besonders tugendhaft dargestellt. Andere Völker schauten zu ihnen auf, das Schlechte kam stets von außen.</p>

<p>Da ist es nur “natürlich”, dass Russen die anderen Völker auch regieren sollten. Es war, so dieses Narrativ, gar im Interesse dieser Völker. Die sich freiwillig Russland anschlossen. Oder weil Russland sich gegen sie verteidigen musste.</p>

<p>Ja, das ist wortwörtlich das Narrativ, das so manche russische Politiker kürzlich benutzt haben. Dabei ist es egal, ob es absurd ist. Zahlreiche Generationen sind mit diesem Narrativ aufgewachsen. Es ist Teil des russischen Selbstverständnisses.</p>

<p>2002 war ich in einem Museum in St. Petersburg. Es hat mich schockiert, wie wenig Russland die eigene Geschichte aufgearbeitet hat. Daran hat sich nichts geändert. Die vermutlich aus dem Zarenrussland stammenden imperialistischen Narrative setzen sich ungehindert fort.</p>

<p>Und das ist der Boden, aus dem der aktuelle Angriffskrieg erwächst. Das sind die Narrative, mit denen er oftmals begründet wird. Und ein beachtlicher Teil der Bevölkerung nimmt es für bare Münze. Denn es ist das, was sie schon immer gehört haben.</p>
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      <guid>https://paper.wf/newstrujew/sowjetische-geschichtsnarrative-und-russisches-selbstverstandnis</guid>
      <pubDate>Thu, 07 Jul 2022 13:09:06 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Nationalität in post-sowjetischen Reisepässen</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/nationalitat-in-post-sowjetischen-reisepassen</link>
      <description>&lt;![CDATA[#sowjetunion #geschichte #diskriminierung&#xA;&#xA;Habe usbekische Pässe gesehen und mit Entsetzen festgestellt, dass in diese &#34;Nationalität&#34; eingetragen wird, in bester sowjetischer Tradition. Damit ist nicht etwa die Staatsangehörigkeit gemeint, sondern die ethnische Herkunft.&#xA;&#xA;Dieser Eintrag war in der Sowjetunion die Grundlage für die Diskriminierung unzähliger Menschen. Gerade Juden, die oft nicht einmal am Aussehen oder Nachnamen erkennbar waren, wurden so weiterhin dem auf allen Ebenen grassierenden Antisemitismus ausgesetzt.&#xA;&#xA;Sowohl Ukraine als auch Russland haben diesen Eintrag völlig zurecht abgeschafft. Wobei Wikipedia auf einen Artikel verlinkt, laut dem russisch-orthodoxe Christen die Wiedereinführung dieses Eintrags forderten, um der &#34;Diskriminierung des russischen Volkes&#34; entgegenzuwirken.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:sowjetunion" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">sowjetunion</span></a> <a href="/newstrujew/tag:geschichte" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">geschichte</span></a> <a href="/newstrujew/tag:diskriminierung" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">diskriminierung</span></a></p>

<p>Habe usbekische Pässe gesehen und mit Entsetzen festgestellt, dass in diese “Nationalität” eingetragen wird, in bester sowjetischer Tradition. Damit ist nicht etwa die Staatsangehörigkeit gemeint, sondern die ethnische Herkunft.</p>

<p>Dieser Eintrag war in der Sowjetunion die Grundlage für die Diskriminierung unzähliger Menschen. Gerade Juden, die oft nicht einmal am Aussehen oder Nachnamen erkennbar waren, wurden so weiterhin dem auf allen Ebenen grassierenden Antisemitismus ausgesetzt.</p>

<p>Sowohl Ukraine als auch Russland haben diesen Eintrag völlig zurecht abgeschafft. Wobei Wikipedia auf einen Artikel verlinkt, laut dem russisch-orthodoxe Christen die Wiedereinführung dieses Eintrags forderten, um der “Diskriminierung des russischen Volkes” entgegenzuwirken.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/newstrujew/nationalitat-in-post-sowjetischen-reisepassen</guid>
      <pubDate>Thu, 24 Mar 2022 19:09:45 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Was hat es mit dem Zitat zum Abwägen zwischen Freiheit und Sicherheit an sich?</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/was-hat-es-mit-dem-zitat-zum-abwagen-zwischen-freiheit-und-sicherheit-an-sich</link>
      <description>&lt;![CDATA[#zitat #geschichte&#xA;&#xA;Folgendes Zitat wird Benjamin Franklin zugegeschrieben:&#xA;&#xA;  Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.&#xA;&#xA;Leider muss man mit schönen Zitaten immer vorsichtig sein. Immerhin ist der Urheber hier wohl tatsächlich Benjamin Franklin, das ist schon viel. Das Zitat wurde aber massiv entstellt, Franklin hat mit ziemlicher Gewissheit etwas völlig anderes gemeint.&#xA;&#xA;!--more--Das unverkürzte Originalzitat lautet:&#xA;&#xA;  Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety.&#xA;&#xA;Zunächst einmal ist hier nicht von &#34;die Freiheit&#34; die Rede, es geht um eine bedeutende Freiheit von vielen. Es ist auch konkret von &#34;ein wenig vorübergehender&#34; Sicherheit die Rede. Und schließlich heißt es nicht, die Leute würden beides verlieren, sondern lediglich, dass sie beides nicht verdienen.&#xA;&#xA;Alles nur Spitzfindigkeiten? Nein, wenn man auch den Kontext betrachtet.&#xA;&#xA;Der Originaltext findet sich z.B. auf Google Books und kritisiert die Familie Penn, die sich nicht an den Kosten des Konfliktes mit den Ureinwohnern Amerikas beteiligen will.&#xA;&#xA;Für mich ist es nicht ganz klar, welche Freiheit genau Franklin hier meint. Es gibt mehrere Interpretationen, und ich will keine hervorheben. Aber es ist ganz eindeutig nicht die Freiheit, an die wir denken, wenn wir diesen Satz ohne Kontext lesen.&#xA;&#xA;Ist der Satz dadurch falsch? Möglicherweise nicht. Aber die Bedeutung, die wir ihm beimessen, kommt von uns. Benjamin Franklin hat das so nicht gesagt.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:zitat" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">zitat</span></a> <a href="/newstrujew/tag:geschichte" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">geschichte</span></a></p>

<p>Folgendes Zitat wird Benjamin Franklin zugegeschrieben:</p>

<blockquote><p>Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.</p></blockquote>

<p>Leider muss man mit schönen Zitaten immer vorsichtig sein. Immerhin ist der Urheber hier wohl tatsächlich Benjamin Franklin, das ist schon viel. Das Zitat wurde aber massiv entstellt, Franklin hat mit ziemlicher Gewissheit etwas völlig anderes gemeint.</p>

<p>Das unverkürzte Originalzitat lautet:</p>

<blockquote><p>Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety.</p></blockquote>

<p>Zunächst einmal ist hier nicht von “die Freiheit” die Rede, es geht um eine bedeutende Freiheit von vielen. Es ist auch konkret von “ein wenig vorübergehender” Sicherheit die Rede. Und schließlich heißt es nicht, die Leute würden beides verlieren, sondern lediglich, dass sie beides nicht verdienen.</p>

<p>Alles nur Spitzfindigkeiten? Nein, wenn man auch den Kontext betrachtet.</p>

<p>Der Originaltext findet sich z.B. <a href="https://books.google.de/books?id=HptPAQAAIAAJ&amp;dq=%22deserve%20neither%22%20franklin%20-essential&amp;pg=PA99#v=onepage&amp;q&amp;f=false" rel="nofollow">auf Google Books</a> und kritisiert die Familie Penn, die sich nicht an den Kosten des Konfliktes mit den Ureinwohnern Amerikas beteiligen will.</p>

<p>Für mich ist es nicht ganz klar, welche Freiheit genau Franklin hier meint. Es gibt mehrere Interpretationen, und ich will keine hervorheben. Aber es ist ganz eindeutig nicht die Freiheit, an die wir denken, wenn wir diesen Satz ohne Kontext lesen.</p>

<p>Ist der Satz dadurch falsch? Möglicherweise nicht. Aber die Bedeutung, die wir ihm beimessen, kommt von uns. Benjamin Franklin hat das so nicht gesagt.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/newstrujew/was-hat-es-mit-dem-zitat-zum-abwagen-zwischen-freiheit-und-sicherheit-an-sich</guid>
      <pubDate>Mon, 21 Mar 2022 08:39:59 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Schulfach &#34;Arbeit&#34; in post-sowjetischen Ländern</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/schulfach-arbeit-in-post-sowjetischen-landern</link>
      <description>&lt;![CDATA[#bildung #russland #ukraine #sowjetunion #geschichte&#xA;&#xA;Ich bin immer wieder fasziniert, wie wenig sich der ukrainische (und russische) Schulunterricht in der 30 Jahren seit dem Ende der Sowjetunion weiterentwickelt hat. Da erzählt man mir beispielsweise über das Fach Werken. Wobei es aber wörtlich weiterhin &#34;Arbeit&#34; heißt.&#xA;&#xA;Und das ergibt eigentlich nur im sowjetischen Kontext einen Sinn. Hier galt ideologisch bedingt nur das manuelle Erzeugen von etwas als Arbeit, im Gegensatz zur intellektueller Arbeit oder Dienstleistungen zum Beispiel.&#xA;&#xA;In dem Fach wird auch weiter in feinster sowjetischer Manier nach Geschlecht getrennt: Jungs an die Werkbank, Mädchen an den Herd. Die beiden Mädchen meinen übereinstimmend, dass sie das Fach sogar mögen würden, wenn sie zu den Jungs dürften. Dürfen sie aber nicht.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:bildung" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">bildung</span></a> <a href="/newstrujew/tag:russland" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">russland</span></a> <a href="/newstrujew/tag:ukraine" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">ukraine</span></a> <a href="/newstrujew/tag:sowjetunion" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">sowjetunion</span></a> <a href="/newstrujew/tag:geschichte" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">geschichte</span></a></p>

<p>Ich bin immer wieder fasziniert, wie wenig sich der ukrainische (und russische) Schulunterricht in der 30 Jahren seit dem Ende der Sowjetunion weiterentwickelt hat. Da erzählt man mir beispielsweise über das Fach Werken. Wobei es aber wörtlich weiterhin “Arbeit” heißt.</p>

<p>Und das ergibt eigentlich nur im sowjetischen Kontext einen Sinn. Hier galt ideologisch bedingt nur das manuelle Erzeugen von etwas als Arbeit, im Gegensatz zur intellektueller Arbeit oder Dienstleistungen zum Beispiel.</p>

<p>In dem Fach wird auch weiter in feinster sowjetischer Manier nach Geschlecht getrennt: Jungs an die Werkbank, Mädchen an den Herd. Die beiden Mädchen meinen übereinstimmend, dass sie das Fach sogar mögen würden, wenn sie zu den Jungs dürften. Dürfen sie aber nicht.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/newstrujew/schulfach-arbeit-in-post-sowjetischen-landern</guid>
      <pubDate>Sat, 12 Mar 2022 18:11:44 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Der russische Imperialismus als Nachwirkung der Sowjetunion</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/der-russische-imperialismus-als-nachwirkung-der-sowjetunion</link>
      <description>&lt;![CDATA[#russland #ukraine #sowjetunion #geschichte #imperialismus&#xA;&#xA;Wenn ihr euch beim Lesen der Nachrichten fragt, was Russland mit der Ukraine will, wenn es schon die eigenen Territorien kaum versorgen kann: es hat auch damit zu tun, dass das kollektive Trauma Russlands, der Zerfall der Sowjetunion, nie verarbeitet wurde.&#xA;&#xA;Die Propaganda der Sowjetunion war plump. Man wusste, dass ihr nicht zu trauen war. Und doch ist bei vielen Menschen etwas hängengeblieben: wir sind stark, wir werden gefürchtet und beneidet, ohne uns geht keine Rechnung auf.&#xA;&#xA;!--more--Und plötzlich fanden sich die Menschen im postsowjetischen Russland wieder. Immer noch ein großes Land, aber viel kleiner. Immer noch bedeutend, aber keine Weltmacht mehr. Und mit einem Präsidenten, der sich gerne national wie international zum Clown machte.&#xA;&#xA;In dieser Situation kam Putin als &#34;der starke Mann&#34; an die Macht. Und damit war die kurze Phase der kritischen Auseinandersetzung mit dem Erbe der Sowjetunion schon wieder vorbei. Putin versprach ein Wiedererstarken Russlands und knüpfte nahtlos an sowjetische Propaganda an.&#xA;&#xA;Die Heldengeschichten wurden wieder populär. Insbesondere der Sieg über den deutschen Faschismus wurde wieder glorifiziert. Dass an der enormen Zahl sowjetischer Opfer die Entscheidungen der sowjetischen Führung mitverantwortlich waren: wieder ausgeblendet.&#xA;&#xA;Erst kürzlich wurde die russische Menschenrechtsorganisation Memorial zwangsaufgelöst, die den Opfern der Sowjetunion bedachte. Vor Gericht wird Klartext gesprochen: &#34;Warum wird uns vorgeschlagen, statt stolz auf unser Land zu sein, das die Welt vor dem Faschismus befreit hat, sich stattdessen für unsere, wie sich herausstellt, finstere Vergangenheit schämen? Weil jemand dafür bezahlt.&#34;&#xA;&#xA;Während man sich für die Auflösung juristischer Vorwände bedient, gibt man den wahren Grund offen zu: Memorial würde ein falsches Bild der Sowjetunion zeichnen. Sprich: nichts soll dem Geschichtsrevisionismus offizieller Stellen entgegenstehen. Kritik ist unerwünscht.&#xA;&#xA;Was hat das mit der Ukraine zu tun? Während in der Sowjetunion theoretisch alle Völker gleichgestellt waren, stellte die sowjetische Propaganda die Führung durch etnische Russen als naturgegeben dar. Der Panslawismus des Russischen Reiches wurde in Wirklichkeit nie aufgegeben.&#xA;&#xA;Entsprechend wenig Verständnis hatte man für die Unabhängigkeitsbestreben Ukraines, die in der Sowjetunion mit extremer Gewalt und Zwangsrussifizierung bekämpft wurden. Gleichzeitig wurde die gemeinsame Geschichte betont: beide Länder beanspruchen Kiew als ihren Ursprung.&#xA;&#xA;Seit dem 2. Weltkrieg kommt hinzu: die Ukrainer sollten Russland dankbar sein, dass sie befreit wurden. Dass für die Ukraine eine Besatzung durch eine andere ersetzt wurde, ist in der russischen Wahrnehmung nicht präsent.&#xA;&#xA;Und so gibt es auch im heutigen Russland sehr viele Menschen, die die Ukraine als rechtmäßig russisches Territorium ansehen. Auch dieser Tendenz hat Putin nie entgegengewirkt, sondern sie sogar noch gezielt verstärkt.&#xA;&#xA;Will Putin also von Problemen im eigenen Land ablenken, kann er immer die Ukraine in die Mangel nehmen. Die Zustimmung im eigenen Land ist ihm gewiss. Als Russland 2014 die Krim eroberte, war der Jubel groß. Und es hat ihn nichts gekostet, Konsequenzen sind ausgeblieben.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:russland" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">russland</span></a> <a href="/newstrujew/tag:ukraine" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">ukraine</span></a> <a href="/newstrujew/tag:sowjetunion" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">sowjetunion</span></a> <a href="/newstrujew/tag:geschichte" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">geschichte</span></a> <a href="/newstrujew/tag:imperialismus" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">imperialismus</span></a></p>

<p>Wenn ihr euch beim Lesen der Nachrichten fragt, was Russland mit der Ukraine will, wenn es schon die eigenen Territorien kaum versorgen kann: es hat auch damit zu tun, dass das kollektive Trauma Russlands, der Zerfall der Sowjetunion, nie verarbeitet wurde.</p>

<p>Die Propaganda der Sowjetunion war plump. Man wusste, dass ihr nicht zu trauen war. Und doch ist bei vielen Menschen etwas hängengeblieben: wir sind stark, wir werden gefürchtet und beneidet, ohne uns geht keine Rechnung auf.</p>

<p>Und plötzlich fanden sich die Menschen im postsowjetischen Russland wieder. Immer noch ein großes Land, aber viel kleiner. Immer noch bedeutend, aber keine Weltmacht mehr. Und mit einem Präsidenten, der sich gerne national wie international zum Clown machte.</p>

<p>In dieser Situation kam Putin als “der starke Mann” an die Macht. Und damit war die kurze Phase der kritischen Auseinandersetzung mit dem Erbe der Sowjetunion schon wieder vorbei. Putin versprach ein Wiedererstarken Russlands und knüpfte nahtlos an sowjetische Propaganda an.</p>

<p>Die Heldengeschichten wurden wieder populär. Insbesondere der Sieg über den deutschen Faschismus wurde wieder glorifiziert. Dass an der enormen Zahl sowjetischer Opfer die Entscheidungen der sowjetischen Führung mitverantwortlich waren: wieder ausgeblendet.</p>

<p>Erst kürzlich wurde die russische Menschenrechtsorganisation Memorial zwangsaufgelöst, die den Opfern der Sowjetunion bedachte. Vor Gericht <a href="https://www.bbc.com/russian/features-59817247" rel="nofollow">wird Klartext gesprochen</a>: “Warum wird uns vorgeschlagen, statt stolz auf unser Land zu sein, das die Welt vor dem Faschismus befreit hat, sich stattdessen für unsere, wie sich herausstellt, finstere Vergangenheit schämen? Weil jemand dafür bezahlt.”</p>

<p>Während man sich für die Auflösung juristischer Vorwände bedient, gibt man den wahren Grund offen zu: Memorial würde ein falsches Bild der Sowjetunion zeichnen. Sprich: nichts soll dem Geschichtsrevisionismus offizieller Stellen entgegenstehen. Kritik ist unerwünscht.</p>

<p>Was hat das mit der Ukraine zu tun? Während in der Sowjetunion theoretisch alle Völker gleichgestellt waren, stellte die sowjetische Propaganda die Führung durch etnische Russen als naturgegeben dar. Der Panslawismus des Russischen Reiches wurde in Wirklichkeit nie aufgegeben.</p>

<p>Entsprechend wenig Verständnis hatte man für die Unabhängigkeitsbestreben Ukraines, die in der Sowjetunion mit extremer Gewalt und Zwangsrussifizierung bekämpft wurden. Gleichzeitig wurde die gemeinsame Geschichte betont: beide Länder beanspruchen Kiew als ihren Ursprung.</p>

<p>Seit dem 2. Weltkrieg kommt hinzu: die Ukrainer sollten Russland dankbar sein, dass sie befreit wurden. Dass für die Ukraine eine Besatzung durch eine andere ersetzt wurde, ist in der russischen Wahrnehmung nicht präsent.</p>

<p>Und so gibt es auch im heutigen Russland sehr viele Menschen, die die Ukraine als rechtmäßig russisches Territorium ansehen. Auch dieser Tendenz hat Putin nie entgegengewirkt, sondern sie sogar noch gezielt verstärkt.</p>

<p>Will Putin also von Problemen im eigenen Land ablenken, kann er immer die Ukraine in die Mangel nehmen. Die Zustimmung im eigenen Land ist ihm gewiss. Als Russland 2014 die Krim eroberte, war der Jubel groß. Und es hat ihn nichts gekostet, Konsequenzen sind ausgeblieben.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/newstrujew/der-russische-imperialismus-als-nachwirkung-der-sowjetunion</guid>
      <pubDate>Tue, 15 Feb 2022 08:52:04 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Die Problematik der sowjetischen Kinderliteratur</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/die-problematik-der-sowjetischen-kinderliteratur</link>
      <description>&lt;![CDATA[#sowjetunion #geschichte #medien&#xA;&#xA;Wir haben hier sehr viele russischsprachige Kinderbücher, aber kaum welche aus den sowjetischen Zeiten. Und wenn welche da sind, werden viele nie gelesen.&#xA;&#xA;Ich denke, ich kann das Problem mit diesen Büchern endlich richtig artikulieren.&#xA;&#xA;!--more--Sowjetische Kindergeschichten folgen sehr oft einem einfachen Muster:&#xA;&#xA;Ein Kind tut etwas Verwerfliches. Meist ist das Fehlverhalten trivial: Essensverweigerung, Lügen, Faulenzen.&#xA;&#xA;Jemand anders (Peers, Autoritätspersonen) zeigt das Fehlverhalten auf und übt Druck aus. Typischerweise werden Gruppenzwang und/oder Shaming als Druckmittel benutzt, gerne auch andere als Vorbild aufzeigen.&#xA;&#xA;Am Ende bereut das Kind das eigene Verhalten und ändert es. Alle sind glücklich, der gesellschaftliche Frieden ist gerettet.&#xA;&#xA;Solche Geschichten gibt es natürlich auch anderswo, aber in sowjetischer Literatur sind sie wirklich prävalent. Sie begünstigen ein Schwarz-Weiß-Denken: auf einen Seite die Sünder, die es zu bekehren gilt, auf der anderen die moralisch erhabenen Guten.&#xA;&#xA;Es wird hier Mobbing seitens der Guten normalisiert. Letztlich sind solche Geschichten auch bloß ein Abbild einer Gesellschaft, in der solches Mobbing tatsächlich üblich und akzeptiert war.&#xA;&#xA;Ebenfalls typisch für diese Gesellschaft: individuelle Gründe werden gar nicht erst in Erwägung gezogen, Abweichungen von der Norm werden ohne Rücksicht auf Folgen für das Individuum bekämpft. Es wird echte Reue erwartet, obwohl mit diesen Mitteln eigentlich nicht erreichbar.&#xA;&#xA;Zum Glück gibt es heute genug Kinderbücher, die Akzeptanz und Toleranz vorleben, und in denen Andersartigkeit nicht als etwas Schlechtes dargestellt wird. Das passt sehr viel besser zu der Gesellschaft, die ich mir für meine Kinder wünsche.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:sowjetunion" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">sowjetunion</span></a> <a href="/newstrujew/tag:geschichte" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">geschichte</span></a> <a href="/newstrujew/tag:medien" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">medien</span></a></p>

<p>Wir haben hier sehr viele russischsprachige Kinderbücher, aber kaum welche aus den sowjetischen Zeiten. Und wenn welche da sind, werden viele nie gelesen.</p>

<p>Ich denke, ich kann das Problem mit diesen Büchern endlich richtig artikulieren.</p>

<p>Sowjetische Kindergeschichten folgen sehr oft einem einfachen Muster:</p>

<p>Ein Kind tut etwas Verwerfliches. Meist ist das Fehlverhalten trivial: Essensverweigerung, Lügen, Faulenzen.</p>

<p>Jemand anders (Peers, Autoritätspersonen) zeigt das Fehlverhalten auf und übt Druck aus. Typischerweise werden Gruppenzwang und/oder Shaming als Druckmittel benutzt, gerne auch andere als Vorbild aufzeigen.</p>

<p>Am Ende bereut das Kind das eigene Verhalten und ändert es. Alle sind glücklich, der gesellschaftliche Frieden ist gerettet.</p>

<p>Solche Geschichten gibt es natürlich auch anderswo, aber in sowjetischer Literatur sind sie wirklich prävalent. Sie begünstigen ein Schwarz-Weiß-Denken: auf einen Seite die Sünder, die es zu bekehren gilt, auf der anderen die moralisch erhabenen Guten.</p>

<p>Es wird hier Mobbing seitens der Guten normalisiert. Letztlich sind solche Geschichten auch bloß ein Abbild einer Gesellschaft, in der solches Mobbing tatsächlich üblich und akzeptiert war.</p>

<p>Ebenfalls typisch für diese Gesellschaft: individuelle Gründe werden gar nicht erst in Erwägung gezogen, Abweichungen von der Norm werden ohne Rücksicht auf Folgen für das Individuum bekämpft. Es wird echte Reue erwartet, obwohl mit diesen Mitteln eigentlich nicht erreichbar.</p>

<p>Zum Glück gibt es heute genug Kinderbücher, die Akzeptanz und Toleranz vorleben, und in denen Andersartigkeit nicht als etwas Schlechtes dargestellt wird. Das passt sehr viel besser zu der Gesellschaft, die ich mir für meine Kinder wünsche.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/newstrujew/die-problematik-der-sowjetischen-kinderliteratur</guid>
      <pubDate>Sat, 12 Feb 2022 07:58:52 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Die Entstehungsgeschichte der Zehn Gebote (Kurzfassung)</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/die-entstehungsgeschichte-der-zehn-gebote-kurzfassung</link>
      <description>&lt;![CDATA[#geschichte #religion&#xA;&#xA;Wusstet ihr eigentlich, dass in den Zehn Geboten wohl zwei verschiedene Texte verschmolzen sind, was die stilistischen Unterscheide zwischen dem Anfang und dem Ende des Textes erklärt? Vorformen der ersten Gebote werden auf spätestens 8. Jh. v. Chr. datiert.&#xA;&#xA;Die restlichen Gebote, die kurz und knapp formuliert sind, sollen dagegen schon zu nomadischen Zeiten entstanden sein. In diesem Zusammenhang wird beispielsweise das Gebot gesehen, die Alten zu ehren, da deren Versorgung in dieser Zeit stets bedroht war.&#xA;&#xA;!--more--Auch waren es ursprünglich Zwölf Gebote, bevor sich zehn als die schönere Zahl durchgesetzt hat. Der Text hat sich dabei nicht verändert, weswegen heute je nach Glaubensrichtung variiert, was alles als ein Gebot zusammengefasst wird.&#xA;&#xA;Insgesamt ist belegt, dass sich der Text noch bis ca. 100 n. Chr. weiterentwickelt hat. Erst dann entstand die &#34;endgültige&#34; Fassung, die wir heute kennen.&#xA;&#xA;Seitdem dürfen sich die Gebote nicht verändern, weil Gott sie bekanntlich in genau dieser Form Moses gegeben hat.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:geschichte" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">geschichte</span></a> <a href="/newstrujew/tag:religion" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">religion</span></a></p>

<p>Wusstet ihr eigentlich, dass in den Zehn Geboten wohl zwei verschiedene Texte verschmolzen sind, was die stilistischen Unterscheide zwischen dem Anfang und dem Ende des Textes erklärt? Vorformen der ersten Gebote werden auf spätestens 8. Jh. v. Chr. datiert.</p>

<p>Die restlichen Gebote, die kurz und knapp formuliert sind, sollen dagegen schon zu nomadischen Zeiten entstanden sein. In diesem Zusammenhang wird beispielsweise das Gebot gesehen, die Alten zu ehren, da deren Versorgung in dieser Zeit stets bedroht war.</p>

<p>Auch waren es ursprünglich Zwölf Gebote, bevor sich zehn als die schönere Zahl durchgesetzt hat. Der Text hat sich dabei nicht verändert, weswegen heute je nach Glaubensrichtung variiert, was alles als ein Gebot zusammengefasst wird.</p>

<p>Insgesamt ist belegt, dass sich der Text noch bis ca. 100 n. Chr. weiterentwickelt hat. Erst dann entstand die “endgültige” Fassung, die wir heute kennen.</p>

<p>Seitdem dürfen sich die Gebote nicht verändern, weil Gott sie bekanntlich in genau dieser Form Moses gegeben hat.</p>
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      <guid>https://paper.wf/newstrujew/die-entstehungsgeschichte-der-zehn-gebote-kurzfassung</guid>
      <pubDate>Fri, 21 Jan 2022 08:45:14 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Ukraine-Konflikt und Parallelen zum Münchener Abkommen</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/ukraine-konflikt-und-parallelen-zum-munchener-abkommen</link>
      <description>&lt;![CDATA[#russland #ukraine #imperialismus #geschichte #politik&#xA;&#xA;Ich weiß nicht, inwiefern ihr die Nachrichten um Russland und Ukraine verfolgt, aber es gibt hier klare historische Parallelen.&#xA;&#xA;1938 standen Großbritannien und Frankreich vor einer Entscheidung: Tschechoslowakei beistehen oder Forderungen des Nazi-Deutschlands erfüllen.&#xA;&#xA;Ähnlich, wie Russland sich immer wieder zum Retter der russischsprachigen Bevölkerung der Ukraine aufschwingt, hat Hitler die Situation der Sudetendeutschen als Vorwand benutzt, um einen internationalen Konflikt zu inszenieren. Und das wurde für ihn ein voller Erfolg.&#xA;&#xA;!--more--Großbritannien und Frankreich haben beschlossen, um jeden Preis einen Krieg vermeiden zu wollen. Also haben sie alle deutschen Forderungen akzeptiert. Das Münchener Abkommen erlaubte Deutschland, das Sudetenland zu annektieren. Tschechoslowakei wurde nicht gefragt.&#xA;&#xA;Aus heutiger Sicht ist klar, dass Großbritannien und Frankreich naiv waren, als sie hofften, dass Hitler sich damit zufrieden geben würde. Anfang 1939 wurde die &#34;Rest-Tschechei&#34; besetzt. Als immer noch kein Widerstand folgte, griff Deutschland Polen an.&#xA;&#xA;Es ist schwer zu sagen, ob diese Entwicklung damals ebenfalls absehbar war. Mit diesem historischen Beispiel vor Augen ist sie es heute aber definitiv: jede erfüllte russische &#34;Forderung&#34; im aktuellen Konflikt wird nur noch weitere Begehren provozieren.&#xA;&#xA;Dass wir heute diese Situation überhaupt haben, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die internationale Gemeinschaft bei der Besetzung Krims nur zugesehen hat, genau wie als Russland ihre Marionettenregierungen in Donezk und Lugansk etabliert hat.&#xA;&#xA;Ich weiß nicht, ob Russland wirklich eine Invasion der Ukraine plant. Ich hoffe sehr, dass es nur Drohgebärde sind. Dieser Konflikt kann aber nur gelöst werden, wenn die Staatengemeinschaft aktiv der Ukraine beisteht. Nicht nur mit Worten, sonder mit Taten.&#xA;&#xA;Nachträgliche Klarstellung: Putin ist kein Hitler, an dieser Stelle enden die Parallelen. Ein Krieg mit Hitler war unvermeidbar. Bei Putin gehe ich davon aus, dass ein offener Konflikt nicht in seinem Sinne ist. Er will nur das, was billig zu bekommen ist.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:russland" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">russland</span></a> <a href="/newstrujew/tag:ukraine" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">ukraine</span></a> <a href="/newstrujew/tag:imperialismus" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">imperialismus</span></a> <a href="/newstrujew/tag:geschichte" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">geschichte</span></a> <a href="/newstrujew/tag:politik" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">politik</span></a></p>

<p>Ich weiß nicht, inwiefern ihr die Nachrichten um Russland und Ukraine verfolgt, aber es gibt hier klare historische Parallelen.</p>

<p>1938 standen Großbritannien und Frankreich vor einer Entscheidung: Tschechoslowakei beistehen oder Forderungen des Nazi-Deutschlands erfüllen.</p>

<p>Ähnlich, wie Russland sich immer wieder zum Retter der russischsprachigen Bevölkerung der Ukraine aufschwingt, hat Hitler die Situation der Sudetendeutschen als Vorwand benutzt, um einen internationalen Konflikt zu inszenieren. Und das wurde für ihn ein voller Erfolg.</p>

<p>Großbritannien und Frankreich haben beschlossen, um jeden Preis einen Krieg vermeiden zu wollen. Also haben sie alle deutschen Forderungen akzeptiert. Das Münchener Abkommen erlaubte Deutschland, das Sudetenland zu annektieren. Tschechoslowakei wurde nicht gefragt.</p>

<p>Aus heutiger Sicht ist klar, dass Großbritannien und Frankreich naiv waren, als sie hofften, dass Hitler sich damit zufrieden geben würde. Anfang 1939 wurde die “Rest-Tschechei” besetzt. Als immer noch kein Widerstand folgte, griff Deutschland Polen an.</p>

<p>Es ist schwer zu sagen, ob diese Entwicklung damals ebenfalls absehbar war. Mit diesem historischen Beispiel vor Augen ist sie es heute aber definitiv: jede erfüllte russische “Forderung” im aktuellen Konflikt wird nur noch weitere Begehren provozieren.</p>

<p>Dass wir heute diese Situation überhaupt haben, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die internationale Gemeinschaft bei der Besetzung Krims nur zugesehen hat, genau wie als Russland ihre Marionettenregierungen in Donezk und Lugansk etabliert hat.</p>

<p>Ich weiß nicht, ob Russland wirklich eine Invasion der Ukraine plant. Ich hoffe sehr, dass es nur Drohgebärde sind. Dieser Konflikt kann aber nur gelöst werden, wenn die Staatengemeinschaft aktiv der Ukraine beisteht. Nicht nur mit Worten, sonder mit Taten.</p>

<p>Nachträgliche Klarstellung: Putin ist kein Hitler, an dieser Stelle enden die Parallelen. Ein Krieg mit Hitler war unvermeidbar. Bei Putin gehe ich davon aus, dass ein offener Konflikt nicht in seinem Sinne ist. Er will nur das, was billig zu bekommen ist.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/newstrujew/ukraine-konflikt-und-parallelen-zum-munchener-abkommen</guid>
      <pubDate>Mon, 17 Jan 2022 20:55:18 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Antisemitismus in der Sowjetunion</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/antisemitismus-in-der-sowjetunion</link>
      <description>&lt;![CDATA[#antisemitismus #sowjetunion #geschichte #diskriminierung&#xA;&#xA;Eine bekannte Psychotherapeutin meinte, dass nur aus der ehemaligen Sowjetunion stammende Juden eine solche Angst vor Antisemitismus hätten, nicht etwa deutsche oder amerikanische.&#xA;&#xA;Das könnte stimmen. Denn der Antisemitismus war in der Sowjetunion omnipräsent. Ein paar Beispiele.&#xA;&#xA;!--more--Juden waren an den meisten Hochschulen unerwünscht. In den Aufnahmeprüfungen gab es teilweise Listen mit Leuten, die nicht bestehen durften. Anderswo wurde ohne Umschweife gesagt: &#34;Sie werden hier nicht studieren, egal wie oft Sie die Prüfung machen.&#34; Das war &#34;normal&#34;.&#xA;&#xA;Ich verstehe, dass es für Leute, die in Deutschland aufgewachsen sind, vielleicht schwierig ist, sich so etwas vorzustellen. Ich versichere euch allerdings, dass ich hier keine Gerüchte wiedergebe. Ich habe es aus erster Hand, von verschiedenen Menschen.&#xA;&#xA;Das setzte sich dann im Arbeitsleben fort. Es war bekannt, wo man sich als Jude bewerben konnte, und wo es reine Zeitverschwendung wäre. Auch das so &#34;normal&#34;, dass es eigentlich nicht der Rede wert war.&#xA;&#xA;Aber selbst wenn man irgendwo angefangen hat, verhinderte der Antisemitismus den Aufstieg in leitende Positionen. In einem mir bekannten Fall wollte man einen Juden wirklich in eine leitende Position befördern, also hat man ihm einen Namenswechsel nahegelegt, damit dieser nicht mehr so jüdisch klingt. Ja, er hat seinen Nachnamen dann tatsächlich geändert.&#xA;&#xA;Ähnliches (aber das habe ich nicht aus erster Hand) soll auch beim Verlegen von Büchern abgelaufen sein. Juden wurden entweder nicht verlegt, oder nur dann, wenn sie sich einen russisch klingenden Pseudonym zugelegt haben.&#xA;&#xA;Dazu kamen natürlich grassierende antisemitische Theorien und tätliche Angriffe. Juden wurden ganz beiläufig für sämtliche Probleme verantwortlich gemacht. Regimegegner kramten bei Lenin sogar einen jüdischen Urgroßvater aus, um Juden für Kommunismus verantwortlich zu machen.&#xA;&#xA;Menschen, die den Internationalismus der Sowjetunion loben, verkennen, dass Theorie und Praxis hier sehr oft nicht zusammenpassten. In der Theorie sollte es nämlich keine Diskriminierung geben.&#xA;&#xA;In der Praxis wurde aber dafür rein gar nichts getan. Denn die Ursache der Diskriminierung (wie aller anderen Übel) wurde im Kapitalismus gesehen. Ohne Kapitalismus konnte es keine Diskriminierung mehr geben. Wenn es sie in der Praxis dann doch gab, wurde darüber einfach nicht gesprochen. Problem gelöst.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:antisemitismus" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">antisemitismus</span></a> <a href="/newstrujew/tag:sowjetunion" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">sowjetunion</span></a> <a href="/newstrujew/tag:geschichte" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">geschichte</span></a> <a href="/newstrujew/tag:diskriminierung" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">diskriminierung</span></a></p>

<p>Eine bekannte Psychotherapeutin meinte, dass nur aus der ehemaligen Sowjetunion stammende Juden eine solche Angst vor Antisemitismus hätten, nicht etwa deutsche oder amerikanische.</p>

<p>Das könnte stimmen. Denn der Antisemitismus war in der Sowjetunion omnipräsent. Ein paar Beispiele.</p>

<p>Juden waren an den meisten Hochschulen unerwünscht. In den Aufnahmeprüfungen gab es teilweise Listen mit Leuten, die nicht bestehen durften. Anderswo wurde ohne Umschweife gesagt: “Sie werden hier nicht studieren, egal wie oft Sie die Prüfung machen.” Das war “normal”.</p>

<p>Ich verstehe, dass es für Leute, die in Deutschland aufgewachsen sind, vielleicht schwierig ist, sich so etwas vorzustellen. Ich versichere euch allerdings, dass ich hier keine Gerüchte wiedergebe. Ich habe es aus erster Hand, von verschiedenen Menschen.</p>

<p>Das setzte sich dann im Arbeitsleben fort. Es war bekannt, wo man sich als Jude bewerben konnte, und wo es reine Zeitverschwendung wäre. Auch das so “normal”, dass es eigentlich nicht der Rede wert war.</p>

<p>Aber selbst wenn man irgendwo angefangen hat, verhinderte der Antisemitismus den Aufstieg in leitende Positionen. In einem mir bekannten Fall wollte man einen Juden wirklich in eine leitende Position befördern, also hat man ihm einen Namenswechsel nahegelegt, damit dieser nicht mehr so jüdisch klingt. Ja, er hat seinen Nachnamen dann tatsächlich geändert.</p>

<p>Ähnliches (aber das habe ich nicht aus erster Hand) soll auch beim Verlegen von Büchern abgelaufen sein. Juden wurden entweder nicht verlegt, oder nur dann, wenn sie sich einen russisch klingenden Pseudonym zugelegt haben.</p>

<p>Dazu kamen natürlich grassierende antisemitische Theorien und tätliche Angriffe. Juden wurden ganz beiläufig für sämtliche Probleme verantwortlich gemacht. Regimegegner kramten bei Lenin sogar einen jüdischen Urgroßvater aus, um Juden für Kommunismus verantwortlich zu machen.</p>

<p>Menschen, die den Internationalismus der Sowjetunion loben, verkennen, dass Theorie und Praxis hier sehr oft nicht zusammenpassten. In der Theorie sollte es nämlich keine Diskriminierung geben.</p>

<p>In der Praxis wurde aber dafür rein gar nichts getan. Denn die Ursache der Diskriminierung (wie aller anderen Übel) wurde im Kapitalismus gesehen. Ohne Kapitalismus konnte es keine Diskriminierung mehr geben. Wenn es sie in der Praxis dann doch gab, wurde darüber einfach nicht gesprochen. Problem gelöst.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/newstrujew/antisemitismus-in-der-sowjetunion</guid>
      <pubDate>Tue, 12 Oct 2021 06:34:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Stellung der Frauen in der Sowjetunion</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/stellung-der-frauen-in-der-sowjetunion</link>
      <description>&lt;![CDATA[#feminismus #sowjetunion #geschichte&#xA;&#xA;  Wer sich nicht seiner Vergangenheit erinnert, ist verurteilt, sie zu wiederholen.&#xA;small(George Santayana)/small&#xA;&#xA;Dieser Satz gilt auch für Linke, die sozialistische Staaten zu Vorreitern bei den Frauenrechten glorifizieren. Denn das waren sie mitnichten.&#xA;&#xA;Bemerkung vorab: meine Erfahrungswerte beziehen sich allesamt auf die Sowjetunion. In anderen sozialistischen Ländern wie der DDR könnte es deutlich anders ausgesehen haben.&#xA;&#xA;!--more--Zunächst einmal ist es richtig, dass Frauen und Männer (ja, binär) im Arbeitsleben der Sowjetunion formell gleichgestellt waren. Ob das wirtschaftliche oder ideologische Gründe hatte, will ich hier gar nicht diskutieren. Schauen wir uns lieber das Drumherum an.&#xA;&#xA;Acht Stunden Lohnarbeit am Tag, zuzüglich verpflichtende Werks- und Parteiversammlungen, zuzüglich Arbeitswege, das hatten also beide Seiten. Und dann?&#xA;&#xA;Dann musste beispielsweise gekocht werden, Fertiggerichte existierten ja nicht. Das übernahmen fast ausnahmslos Frauen.&#xA;&#xA;Dann war da noch die Wäsche. Wer in den 80er Jahren in der Sowjetunion eine Waschmaschine (nicht unbedingt eine automatische) besaß, konnte sich glücklich schätzen. Meine Mutter verbrachte die Hälfte von jedem Samstag mit der Wäsche. Ja, auch hier waren Frauen dran.&#xA;&#xA;Zwei Frauen waschen Wäsche. Vor ihnen stehen große Bottiche mit Wasser, in denen Kleidung eingeweicht wird. Eine der Frauen hält ein Waschbrett, an dem sie ein Kleidungsstück reibt.&#xA;&#xA;Dieses Bild stammt aus einem Film von 1979 (Москва слезам не верит, Quelle). So in etwa kenne ich das auch noch.&#xA;&#xA;Und dann waren da natürlich noch Kinder. Werktags haben die Eltern ihre Kinder kaum gesehen. Wenn sie nicht in der Kita waren, spielten sie draußen. An Wochenenden aber waren auch vor allem die Mütter für die Kinder zuständig. Von den Vätern wurde vor allem erwartet, die Kinder zu bestrafen.&#xA;&#xA;Die Literatur und die Spielfilme der Sowjetunion sind von entsprechenden Stereotypen durchzogen. Mütter kochen, Töchter lernen kochen. Mütter waschen, Töchter helfen. Diese Konstanten wurden meines Wissens nach nirgendwo infrage gestellt.&#xA;&#xA;Nur als Beispiel zwei Standbilder aus einem sowjetischen Zeichentrickzyklus (Обезьянки, 1983-1987) über eine Affenmama, die kocht, wäscht und nebenbei auf ihre fünf Kinder aufpasst. Sehr überzogen dargestellt natürlich, aber trotzdem als normaler Mütteralltag gezeigt.&#xA;&#xA;Eine Affenmama legt irgendwelche Blätter in eine Schüssel, auf dem Herd steht ein Topf.&#xA;Eine Affenmama wäscht Wäsche mit einem Waschbrett und schaut gleichzeitig, was ihre Kinder tun. Im Hintergrund ist eine Wäscheleine mit Kindersachen.&#xA;&#xA;Wenn Männer mehr Freizeit als Frauen hatten, was machten sie damit? Sie gingen beispielsweise in den Hof oder in den Park und spielten: Domino, Schach, Dame, Hockey.&#xA;&#xA;Vier Männer sitzen am Tisch draußen und spielen Domino&#xA;Auf einer Eisfläche spielen Männer Hockey. Viele Menschen schauen zu, meist Männer und Kinder, nur ein paar Frauen.&#xA;&#xA;Sowjetische Fotos zeigen immer ausschließlich Männer beim Spielen (Quelle).&#xA;&#xA;Die weniger gesellschaftlich akzeptierte Freizeitbeschäftigung der Männer war das Trinken. Auch hier bezeichnend: Alkoholismus war größtenteils ein Männerproblem. Frauen hatten dafür schlicht keine Zeit.&#xA;&#xA;Auch bei der Abschaffung der Stereotype beispielsweise um Kleidung und Frisuren spielte die Sowjetunion mitnichten eine Vorreiterrolle, sondern akzeptierte irgendwann widerwillig aus dem Westen kommende Trends. Ich kenne mich hier schlecht aus, aber zwei Fotos will ich zeigen.&#xA;&#xA;Schuluniform der Jungen bestehend aus blauer Hose mit blauer Jacke. Schuluniform der Mädchen bestehend aus braunem Kleid mit weißer Schürze.&#xA;Schwarz-Weiß-Foto, Farben nicht erkennbar. Schuluniform der Jungen ist sehr militärisch anmutend, Hose mit Mantel. Der letztere vollständig zugeknöpft und mit einem breiten Gürtel. Schuluniform der Mädchen bestehend aus Kleid mit Schürze.&#xA;&#xA;Oben sind Schuluniformen, wie sie an sowjetischen Schulen in den 80er Jahren getragen wurden. Unten dagegen die Uniformen eines russischen Gymnasiums vor der Oktoberrevolution 1917. Vielleicht sieht man hier, dass die Uniform der Jungen mit der Zeit angepasst und bequemer wurde. Die der Mädchen hat sich kaum verändert.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:feminismus" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">feminismus</span></a> <a href="/newstrujew/tag:sowjetunion" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">sowjetunion</span></a> <a href="/newstrujew/tag:geschichte" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">geschichte</span></a></p>

<blockquote><p>Wer sich nicht seiner Vergangenheit erinnert, ist verurteilt, sie zu wiederholen.
<small>(George Santayana)</small></p></blockquote>

<p>Dieser Satz gilt auch für Linke, die sozialistische Staaten zu Vorreitern bei den Frauenrechten glorifizieren. Denn das waren sie mitnichten.</p>

<p>Bemerkung vorab: meine Erfahrungswerte beziehen sich allesamt auf die Sowjetunion. In anderen sozialistischen Ländern wie der DDR könnte es deutlich anders ausgesehen haben.</p>

<p>Zunächst einmal ist es richtig, dass Frauen und Männer (ja, binär) im Arbeitsleben der Sowjetunion formell gleichgestellt waren. Ob das wirtschaftliche oder ideologische Gründe hatte, will ich hier gar nicht diskutieren. Schauen wir uns lieber das Drumherum an.</p>

<p>Acht Stunden Lohnarbeit am Tag, zuzüglich verpflichtende Werks- und Parteiversammlungen, zuzüglich Arbeitswege, das hatten also beide Seiten. Und dann?</p>

<p>Dann musste beispielsweise gekocht werden, Fertiggerichte existierten ja nicht. Das übernahmen fast ausnahmslos Frauen.</p>

<p>Dann war da noch die Wäsche. Wer in den 80er Jahren in der Sowjetunion eine Waschmaschine (nicht unbedingt eine automatische) besaß, konnte sich glücklich schätzen. Meine Mutter verbrachte die Hälfte von jedem Samstag mit der Wäsche. Ja, auch hier waren Frauen dran.</p>

<p><img src="https://pixelfed.de/storage/m/_v2/495313347312455455/a48ad3dc0-89cf68/tPujDgAScMyo/W5AcD7Flh34R1Zjfd4qFu6Ztxu28VZlpRyPe1b1k.jpg" alt="Zwei Frauen waschen Wäsche. Vor ihnen stehen große Bottiche mit Wasser, in denen Kleidung eingeweicht wird. Eine der Frauen hält ein Waschbrett, an dem sie ein Kleidungsstück reibt."></p>

<p>Dieses Bild stammt aus einem Film von 1979 (Москва слезам не верит, <a href="https://ru.rbth.com/read/1538-soviet-washing-laundry" rel="nofollow">Quelle</a>). So in etwa kenne ich das auch noch.</p>

<p>Und dann waren da natürlich noch Kinder. Werktags haben die Eltern ihre Kinder kaum gesehen. Wenn sie nicht in der Kita waren, spielten sie draußen. An Wochenenden aber waren auch vor allem die Mütter für die Kinder zuständig. Von den Vätern wurde vor allem erwartet, die Kinder zu bestrafen.</p>

<p>Die Literatur und die Spielfilme der Sowjetunion sind von entsprechenden Stereotypen durchzogen. Mütter kochen, Töchter lernen kochen. Mütter waschen, Töchter helfen. Diese Konstanten wurden meines Wissens nach nirgendwo infrage gestellt.</p>

<p>Nur als Beispiel zwei Standbilder aus einem sowjetischen Zeichentrickzyklus (Обезьянки, 1983-1987) über eine Affenmama, die kocht, wäscht und nebenbei auf ihre fünf Kinder aufpasst. Sehr überzogen dargestellt natürlich, aber trotzdem als normaler Mütteralltag gezeigt.</p>

<p><img src="https://pixelfed.de/storage/m/_v2/495313347312455455/a48ad3dc0-89cf68/rgLe7BBoXeqM/bNPiPTbHXrn4kxj7Bz7Ei9FFuIygwMDD3FALlX04.jpg" alt="Eine Affenmama legt irgendwelche Blätter in eine Schüssel, auf dem Herd steht ein Topf.">
<img src="https://pixelfed.de/storage/m/_v2/495313347312455455/a48ad3dc0-89cf68/TFECVLBcAQJh/xRGFG7qTRo29oFNrUdhfF9B7B7p1hMjH4fVfHRJR.jpg" alt="Eine Affenmama wäscht Wäsche mit einem Waschbrett und schaut gleichzeitig, was ihre Kinder tun. Im Hintergrund ist eine Wäscheleine mit Kindersachen."></p>

<p>Wenn Männer mehr Freizeit als Frauen hatten, was machten sie damit? Sie gingen beispielsweise in den Hof oder in den Park und spielten: Domino, Schach, Dame, Hockey.</p>

<p><img src="https://pixelfed.de/storage/m/_v2/495313347312455455/a48ad3dc0-89cf68/QrX8zfCC9vQF/iCZXBtRyAxDCpUZYu3J3KMHD3L8W2iDE1VNFlH3x.jpg" alt="Vier Männer sitzen am Tisch draußen und spielen Domino">
<img src="https://pixelfed.de/storage/m/_v2/495313347312455455/a48ad3dc0-89cf68/Qu3uDGAQhEBu/oSPKxINopDgRzHtgI3qe8cZeNqCWNe2d7WKpFmfI.jpg" alt="Auf einer Eisfläche spielen Männer Hockey. Viele Menschen schauen zu, meist Männer und Kinder, nur ein paar Frauen."></p>

<p>Sowjetische Fotos zeigen immer ausschließlich Männer beim Spielen (<a href="https://back-in-ussr.com/2017/07/dosug-sovetskih-lyudey.html" rel="nofollow">Quelle</a>).</p>

<p>Die weniger gesellschaftlich akzeptierte Freizeitbeschäftigung der Männer war das Trinken. Auch hier bezeichnend: Alkoholismus war größtenteils ein Männerproblem. Frauen hatten dafür schlicht keine Zeit.</p>

<p>Auch bei der Abschaffung der Stereotype beispielsweise um Kleidung und Frisuren spielte die Sowjetunion mitnichten eine Vorreiterrolle, sondern akzeptierte irgendwann widerwillig aus dem Westen kommende Trends. Ich kenne mich hier schlecht aus, aber zwei Fotos will ich zeigen.</p>

<p><img src="https://pixelfed.de/storage/m/_v2/495313347312455455/a48ad3dc0-89cf68/MZA1bSZ8L96l/JhibQWISfSWtOigxJXVcLMK1T4L0FxMYPKRtccpJ.jpg" alt="Schuluniform der Jungen bestehend aus blauer Hose mit blauer Jacke. Schuluniform der Mädchen bestehend aus braunem Kleid mit weißer Schürze.">
<img src="https://pixelfed.de/storage/m/_v2/495313347312455455/a48ad3dc0-89cf68/kTb4vC1TD9vl/Ct2JdD6AVdX673rc60Fo7oAFDj9WKdtE8yvDZ4AL.jpg" alt="Schwarz-Weiß-Foto, Farben nicht erkennbar. Schuluniform der Jungen ist sehr militärisch anmutend, Hose mit Mantel. Der letztere vollständig zugeknöpft und mit einem breiten Gürtel. Schuluniform der Mädchen bestehend aus Kleid mit Schürze."></p>

<p>Oben sind Schuluniformen, wie sie an sowjetischen Schulen in den 80er Jahren getragen wurden. Unten dagegen die Uniformen eines russischen Gymnasiums vor der Oktoberrevolution 1917. Vielleicht sieht man hier, dass die Uniform der Jungen mit der Zeit angepasst und bequemer wurde. Die der Mädchen hat sich kaum verändert.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/newstrujew/stellung-der-frauen-in-der-sowjetunion</guid>
      <pubDate>Wed, 06 Oct 2021 12:20:43 +0000</pubDate>
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