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    <title>russland &amp;mdash; Janus Newstrujew</title>
    <link>https://paper.wf/newstrujew/tag:russland</link>
    <description>Gedanken, die nicht in einen Mastodon-Tröt passen&lt;a href=&#34;https://autistics.life/@Newstrujew/&#34; rel=&#34;me&#34;&gt;&lt;/a&gt;</description>
    <pubDate>Sat, 02 May 2026 17:28:50 +0000</pubDate>
    <item>
      <title>Wie Antisemitismus in der russischen Literatur gerechtfertigt wird</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/wie-antisemitismus-in-der-russischen-literatur-gerechtfertigt-wird</link>
      <description>&lt;![CDATA[#antisemitismus #russland #imperialismus&#xA;&#xA;Da ich bereits über Antisemitismus beim großen ukrainischen Dichter Taras Schewtschenko gestolpert bin, wollte ich noch schauen, wie es um den gefeierten russischen Dichter Alexander Puschkin steht. Und bin unmittelbar auf einen russischsprachigen Artikel zum Thema gestoßen.&#xA;&#xA;Der Artikel nimmt für sich den Anspruch heraus, tiefer zu blicken als oberflächliche Betrachtungen von Puschkins Werken. Und kommt zu dem Schluss, dass Puschkin trotz zahlreicher mehr als problematischer Aussagen kein Antisemit war.&#xA;&#xA;Für mich ist dieser Artikel eine gute Illustration, wie man mit Spitzfindigkeiten und Definitionsverschiebungen alles und jeden entschuldigen kann. Und dass solche Entschuldigungen selbst dann mit Vorsicht zu genießen sind, wenn der Autor selber betroffen ist. Der Autor ist Jude und schreibt für eine jüdische Publikation.!--more--&#xA;&#xA;Was ist überhaupt Antisemitismus?&#xA;&#xA;Es fängt an mit der Definition des Antisemitismus, für die ein Leonid Natkowitsch zitiert wird. Wer ist Leonid Natkowitsch? Keine Ahnung. Von ihm finden sich kaum Erwähnungen außerhalb dieses Artikels.&#xA;&#xA;Die Definition geht jedenfalls so:&#xA;&#xA;  Antisemitismus ist der Hass auf Juden, der durch die Angst wegen der überhöhten Vorstellung von ihren Möglichkeiten entstanden ist.&#xA;&#xA;Das ist eine eigenartig spezifische Definition, die schon einmal sehr viele Erscheinungsformen des Antisemitismus ausschließt. Und so philosophiert der Autor über Hass, der ja ein mächtiges Gefühl und schwer zu verstecken sei.&#xA;&#xA;Dadurch erschöpft sich die Verteidigung Puschkins hier in der Feststellung, dass Puschkin kein Interesse an der &#34;Lösung der jüdischen Frage&#34; zeigte. Danke aber auch. Folgt man dieser (auch hierzulande häufigen) Logik, ist niemand ein Antisemit, der nicht wenigstens die Juden aktiv ermorden will.&#xA;&#xA;Dass Puschkin in einem zitierten Text die Ermordung der Juden durch russische Soldaten völlig neutral erwähnt, als ein übliches Vorgehen, das keiner Wertung unterliegt, das zählt nach der Logik des Autors nicht als Antisemitismus.&#xA;&#xA;Tatsächlich ist es ziemlich witzlos zu diskutieren, ob ein vor 185 Jahren verstorbener Autor vor Hass auf Juden brannte. Das ist heute unwichtig und lenkt lediglich ab. Viel wichtiger ist es, ob sein Werk antisemitisch ist und antisemitische Vorurteile befeuert. Und, falls ja, ob und in welcher Form dieses noch auf den Lehrplan gehört.&#xA;&#xA;Der zeitliche Rahmen&#xA;&#xA;Tatsächlich stellt der Autor eine Verachtung Puschkins gegenüber Juden fest, die sich auch auf sein literarisches Werk übertragen hat. Ein Problem sieht er darin nicht. Das begründet er, wie so oft, mit dem zeitlichen Rahmen.&#xA;&#xA;Wenn Puschkin also die Juden mit Schimpfwörtern belegt, dann laut Autor nur deswegen, weil es zu seiner Zeit als &#34;normal&#34; galt. Und ohnehin wäre ihm nie im Leben eingefallen, dass ein Jude je seine Bücher lesen und beleidigt sein könnte.&#xA;&#xA;Sollte diese Argumentation jemandem bekannt vorkommen: genau so wird auch der Rassismus alter Bücher entschuldigt. Weil, wer hätte sich denn damals vorstellen können, dass Schwarze bzw. Ureinwohner Amerikas bzw. Juden intellektuell in der Lage wären, Bücher zu lesen?&#xA;&#xA;Ob gesellschaftlich üblich oder nicht, sollte das tatsächlich Puschkins Bild der Juden gewesen sein, dann war es ganz klar antisemitisch. Hinzu kommt, dass verletzte Gefühle hier das geringste Problem sind. Unabhängig von der Leserschaft sind literarische Werke, die ein antisemitisches Bild vermitteln, natürlich problematisch.&#xA;&#xA;Von &#34;guten&#34; und von &#34;schlechten&#34; Juden&#xA;&#xA;Dabei soll es Puschkin irgendwie entschuldigen, dass er kaum &#34;gute&#34; Juden gekannt hat. Juden, die etwas erreicht haben, gab es in Russland damals nicht.&#xA;&#xA;Gesehen hat er also laut Artikel: Kneipenbesitzer, Kleinhändler, Handwerker, Pächter. Somit stamme seine Verachtung vom sozialen Status dieser Menschen.&#xA;&#xA;Nun wissen wir, wie es sich nennt, wenn jemand von schlechten Charaktereigenschaften einzelner auf das gesamte jüdische Volk schließt. Genau, das nennt sich Antisemitismus.&#xA;&#xA;Nicht nur das. Ich will nicht behaupten, mich allzu gut mit Puschkins Werk auszukennen. Dennoch scheint es mir, dass ihm eine allgemeine Verachtung für das &#34;gemeine Volk&#34; fremd war. Aber Juden waren da anscheinend eine Ausnahme?&#xA;&#xA;Wobei, Puschkin hat nicht alle Juden verachtet. Der Artikel nennt zwei Ausnahmen.  Der Frauenheld Puschkin hatte wohl durchaus &#34;Respekt&#34; für jüdische Frauen. Und die Juden aus den biblischen Erzählungen waren auch in Ordnung. Ich lasse das einfach so stehen...&#xA;&#xA;Schlussfolgerungen&#xA;&#xA;Ich will wirklich nicht den gesamten Artikel auseinander nehmen. Dass die Verteidigung Puschkins derartige rhetorische Kniffe erfordert, zeigt sehr deutlich: es geht hier sehr wohl um Antisemitismus.&#xA;&#xA;Das ist nicht das einzige Problem mit Puschkin. Seine Werke sind durchsetzt mit Abwertung nicht-russischer Völker. Sie rechtfertigen russische Eroberungen und sind damit Teil einer imperialistischer Ideologie.&#xA;&#xA;Eigentlich Grund genug, um diesen Texten kritisch gegenüberzustehen. Und sich vielleicht zu fragen, ob es noch zeitgemäß ist, dass diese so viel Platz auf russischen Lehrplänen einnehmen.&#xA;&#xA;Tatsächlich sieht man aber in Russland eine Glorifizierung Puschkins, die höchstens noch zunimmt. Seine Werke werden als Rechtfertigung der russischen Politik bemüht, Kritik an ihm ist unerwünscht.&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:antisemitismus" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">antisemitismus</span></a> <a href="/newstrujew/tag:russland" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">russland</span></a> <a href="/newstrujew/tag:imperialismus" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">imperialismus</span></a></p>

<p>Da ich bereits über Antisemitismus beim großen ukrainischen Dichter Taras Schewtschenko gestolpert bin, wollte ich noch schauen, wie es um den gefeierten russischen Dichter Alexander Puschkin steht. Und bin unmittelbar auf <a href="https://berkovich-zametki.com/2012/Zametki/Nomer6/Havchin1.php" rel="nofollow">einen russischsprachigen Artikel zum Thema</a> gestoßen.</p>

<p>Der Artikel nimmt für sich den Anspruch heraus, tiefer zu blicken als oberflächliche Betrachtungen von Puschkins Werken. Und kommt zu dem Schluss, dass Puschkin trotz zahlreicher mehr als problematischer Aussagen kein Antisemit war.</p>

<p>Für mich ist dieser Artikel eine gute Illustration, wie man mit Spitzfindigkeiten und Definitionsverschiebungen alles und jeden entschuldigen kann. Und dass solche Entschuldigungen selbst dann mit Vorsicht zu genießen sind, wenn der Autor selber betroffen ist. Der Autor ist Jude und schreibt für eine jüdische Publikation.</p>

<h2 id="was-ist-überhaupt-antisemitismus" id="was-ist-überhaupt-antisemitismus">Was ist überhaupt Antisemitismus?</h2>

<p>Es fängt an mit der Definition des Antisemitismus, für die ein Leonid Natkowitsch zitiert wird. Wer ist Leonid Natkowitsch? Keine Ahnung. Von ihm finden sich kaum Erwähnungen außerhalb dieses Artikels.</p>

<p>Die Definition geht jedenfalls so:</p>

<blockquote><p>Antisemitismus ist der Hass auf Juden, der durch die Angst wegen der überhöhten Vorstellung von ihren Möglichkeiten entstanden ist.</p></blockquote>

<p>Das ist eine eigenartig spezifische Definition, die schon einmal sehr viele Erscheinungsformen des Antisemitismus ausschließt. Und so philosophiert der Autor über Hass, der ja ein mächtiges Gefühl und schwer zu verstecken sei.</p>

<p>Dadurch erschöpft sich die Verteidigung Puschkins hier in der Feststellung, dass Puschkin kein Interesse an der “Lösung der jüdischen Frage” zeigte. Danke aber auch. Folgt man dieser (auch hierzulande häufigen) Logik, ist niemand ein Antisemit, der nicht wenigstens die Juden aktiv ermorden will.</p>

<p>Dass Puschkin in einem zitierten Text die Ermordung der Juden durch russische Soldaten völlig neutral erwähnt, als ein übliches Vorgehen, das keiner Wertung unterliegt, das zählt nach der Logik des Autors nicht als Antisemitismus.</p>

<p>Tatsächlich ist es ziemlich witzlos zu diskutieren, ob ein vor 185 Jahren verstorbener Autor vor Hass auf Juden brannte. Das ist heute unwichtig und lenkt lediglich ab. Viel wichtiger ist es, ob sein Werk antisemitisch ist und antisemitische Vorurteile befeuert. Und, falls ja, ob und in welcher Form dieses noch auf den Lehrplan gehört.</p>

<h2 id="der-zeitliche-rahmen" id="der-zeitliche-rahmen">Der zeitliche Rahmen</h2>

<p>Tatsächlich stellt der Autor eine Verachtung Puschkins gegenüber Juden fest, die sich auch auf sein literarisches Werk übertragen hat. Ein Problem sieht er darin nicht. Das begründet er, wie so oft, mit dem zeitlichen Rahmen.</p>

<p>Wenn Puschkin also die Juden mit Schimpfwörtern belegt, dann laut Autor nur deswegen, weil es zu seiner Zeit als “normal” galt. Und ohnehin wäre ihm nie im Leben eingefallen, dass ein Jude je seine Bücher lesen und beleidigt sein könnte.</p>

<p>Sollte diese Argumentation jemandem bekannt vorkommen: genau so wird auch der Rassismus alter Bücher entschuldigt. Weil, wer hätte sich denn damals vorstellen können, dass Schwarze bzw. Ureinwohner Amerikas bzw. Juden intellektuell in der Lage wären, Bücher zu lesen?</p>

<p>Ob gesellschaftlich üblich oder nicht, sollte das tatsächlich Puschkins Bild der Juden gewesen sein, dann war es ganz klar antisemitisch. Hinzu kommt, dass verletzte Gefühle hier das geringste Problem sind. Unabhängig von der Leserschaft sind literarische Werke, die ein antisemitisches Bild vermitteln, natürlich problematisch.</p>

<h2 id="von-guten-und-von-schlechten-juden" id="von-guten-und-von-schlechten-juden">Von “guten” und von “schlechten” Juden</h2>

<p>Dabei soll es Puschkin irgendwie entschuldigen, dass er kaum “gute” Juden gekannt hat. Juden, die etwas erreicht haben, gab es in Russland damals nicht.</p>

<p>Gesehen hat er also laut Artikel: Kneipenbesitzer, Kleinhändler, Handwerker, Pächter. Somit stamme seine Verachtung vom sozialen Status dieser Menschen.</p>

<p>Nun wissen wir, wie es sich nennt, wenn jemand von schlechten Charaktereigenschaften einzelner auf das gesamte jüdische Volk schließt. Genau, das nennt sich Antisemitismus.</p>

<p>Nicht nur das. Ich will nicht behaupten, mich allzu gut mit Puschkins Werk auszukennen. Dennoch scheint es mir, dass ihm eine allgemeine Verachtung für das “gemeine Volk” fremd war. Aber Juden waren da anscheinend eine Ausnahme?</p>

<p>Wobei, Puschkin hat nicht alle Juden verachtet. Der Artikel nennt zwei Ausnahmen.  Der Frauenheld Puschkin hatte wohl durchaus “Respekt” für jüdische Frauen. Und die Juden aus den biblischen Erzählungen waren auch in Ordnung. Ich lasse das einfach so stehen...</p>

<h2 id="schlussfolgerungen" id="schlussfolgerungen">Schlussfolgerungen</h2>

<p>Ich will wirklich nicht den gesamten Artikel auseinander nehmen. Dass die Verteidigung Puschkins derartige rhetorische Kniffe erfordert, zeigt sehr deutlich: es geht hier sehr wohl um Antisemitismus.</p>

<p>Das ist nicht das einzige Problem mit Puschkin. Seine Werke sind durchsetzt mit Abwertung nicht-russischer Völker. Sie rechtfertigen russische Eroberungen und sind damit Teil einer imperialistischer Ideologie.</p>

<p>Eigentlich Grund genug, um diesen Texten kritisch gegenüberzustehen. Und sich vielleicht zu fragen, ob es noch zeitgemäß ist, dass diese so viel Platz auf russischen Lehrplänen einnehmen.</p>

<p>Tatsächlich sieht man aber in Russland eine Glorifizierung Puschkins, die höchstens noch zunimmt. Seine Werke werden als Rechtfertigung der russischen Politik bemüht, Kritik an ihm ist unerwünscht.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/newstrujew/wie-antisemitismus-in-der-russischen-literatur-gerechtfertigt-wird</guid>
      <pubDate>Tue, 15 Nov 2022 16:12:44 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Der Rassismus der EU-Flüchtlingspolitik</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/der-rassismus-der-eu-fluchtlingspolitik</link>
      <description>&lt;![CDATA[#ukraine #russland #eu #krieg #flucht #politik&#xA;&#xA;Am 22. Februar schrieb ich auf Twitter:&#xA;&#xA;  Der Optimismus der deutschen Nachrichten, die von Putin immer noch ein Einlenken erwarten, ist ja so bewundernswert...&#xA;&#xA;Ich habe genug über den 2. Weltkrieg gelesen, um kaum noch daran zu zweifeln, dass ein Krieg unmittelbar bevorsteht. Worüber ich mich getäuscht habe, war aber der Ablauf.&#xA;&#xA;!--more--Meine Erwartung war: Angriff auf die Ukraine nach einer angeblichen ukrainischen Provokation. Dann würde Russland die ukrainischen Ostgebiete besetzen, weil sie ja angeblich zu Luhansk und Donezk gehören. Dann weiter vorrücken, weil sie eine &#34;Pufferzone&#34; brauchen. Nur zum Schutz der Zivilisten, versteht sich. Und irgendwann würde diese &#34;Pufferzone&#34; zur gesamten Ukraine.&#xA;&#xA;Das wäre das logische Vorgehen gewesen. Denn solange Russland nicht zugibt, die ganze Ukraine erobern zu wollen, würde sich die internationale Community nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können.&#xA;&#xA;Dass Russland anders vorgegangen ist, kann nur durch maßlose Selbstüberschätzung erklärt werden. Man hatte tatsächlich die Erwartung, die Ukraine innerhalb weniger Tage erobern zu können. Man hätte die Welt vor vollendete Tatsachen gestellt, wie man es bereits 2014 mit der Annexion Krims erfolgreich durchgespielt hat. Damals war die internationale Reaktion bestenfalls inkonsequent, und nur deswegen haben wir nun diesen Krieg.&#xA;&#xA;Am 22. Februar haben wir eine ukrainische Freundin meiner Frau angerufen und sie überzeugt, ihre Kinder nach Deutschland zu bringen. Das Problem: sie konnte die Einreisebestimmungen der EU nicht erfüllen, insbesondere würde ihre Covid-Impfung nicht anerkannt. Während die EU die Pandemie bereits größtenteils laufen ließ, wurde sie weiterhin als Ausrede benutzt, um Einreisen aus ärmeren Ländern zu beschränken.&#xA;&#xA;Dass diese Freundin dennoch schon am 27. Februar bei uns war, hat mit einer anderen Fehleinschätzung von mir zu tun. Ich habe damit gerechnet, dass die EU die Einreise aus der Ukraine unmöglich machen würde, sobald absehbar war, dass Millionen Menschen auf der Flucht sind. Das hat man ja in der Vergangenheit bereits mehrmals gesehen.&#xA;&#xA;Ich habe unterschätzt, welche zentrale Rolle Rassismus dabei spielt. Solche Behandlung war nur für Syrer und Afghanen reserviert, nicht für Ukrainer. Tatsächlich hat man gesehen, dass man Menschen mit ukrainischer Staatbürgerschaft mit offenen Armen willkommen hieß. Menschen mit anderen Staatsbürgerschaften, die auch aus der Ukraine fliehen mussten, hatten weniger Glück. Insbesondere schwarze Menschen, die beispielsweise in der Ukraine studiert haben, sahen sich rassistischen Übergriffen ausgesetzt. Ihr Schicksal interessierte niemanden.&#xA;&#xA;Aber mit den Ukrainer*innen war die Solidarität groß. Das sonst so fremdenfeindliche Polen hat noch am Tag des russischen Angriffs die Grenzen uneingeschränkt für Geflüchtete geöffnet. Es wurde sehr schnell enorm viel Hilfe organisiert, nicht zuletzt von Freiwilligen. Sogar die deutsche Bürokratie zeigte, dass man auf Hilfe angewiesene Menschen etwas besser behandeln kann, als man es sonst so tut.&#xA;&#xA;Ich will mich ganz sicher nicht beklagen, ich bin dankbar. Der Familie geht es gut, und ich bin froh darüber.&#xA;&#xA;Mich macht allerdings auch traurig, dass es überhaupt zu diesem Krieg kommen musste. Denn hier ist auch ein massives Versagen der EU-Politik ursächlich, spätestens seit 2014.&#xA;&#xA;Und es macht mich traurig, dass wir anderswo in der Welt weiterhin wegsehen und Menschen im Stich lassen. Daran hat auch dieser Krieg nichts geändert.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:ukraine" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">ukraine</span></a> <a href="/newstrujew/tag:russland" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">russland</span></a> <a href="/newstrujew/tag:eu" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">eu</span></a> <a href="/newstrujew/tag:krieg" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">krieg</span></a> <a href="/newstrujew/tag:flucht" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">flucht</span></a> <a href="/newstrujew/tag:politik" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">politik</span></a></p>

<p>Am 22. Februar <a href="https://twitter.com/Newstrujew/status/1496026584180051970" rel="nofollow">schrieb ich auf Twitter</a>:</p>

<blockquote><p>Der Optimismus der deutschen Nachrichten, die von Putin immer noch ein Einlenken erwarten, ist ja so bewundernswert...</p></blockquote>

<p>Ich habe genug über den 2. Weltkrieg gelesen, um kaum noch daran zu zweifeln, dass ein Krieg unmittelbar bevorsteht. Worüber ich mich getäuscht habe, war aber der Ablauf.</p>

<p>Meine Erwartung war: Angriff auf die Ukraine nach einer angeblichen ukrainischen Provokation. Dann würde Russland die ukrainischen Ostgebiete besetzen, weil sie ja angeblich zu Luhansk und Donezk gehören. Dann weiter vorrücken, weil sie eine “Pufferzone” brauchen. Nur zum Schutz der Zivilisten, versteht sich. Und irgendwann würde diese “Pufferzone” zur gesamten Ukraine.</p>

<p>Das wäre das logische Vorgehen gewesen. Denn solange Russland nicht zugibt, die ganze Ukraine erobern zu wollen, würde sich die internationale Community nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können.</p>

<p>Dass Russland anders vorgegangen ist, kann nur durch maßlose Selbstüberschätzung erklärt werden. Man hatte tatsächlich die Erwartung, die Ukraine innerhalb weniger Tage erobern zu können. Man hätte die Welt vor vollendete Tatsachen gestellt, wie man es bereits 2014 mit der Annexion Krims erfolgreich durchgespielt hat. Damals war die internationale Reaktion bestenfalls inkonsequent, und nur deswegen haben wir nun diesen Krieg.</p>

<p>Am 22. Februar haben wir eine ukrainische Freundin meiner Frau angerufen und sie überzeugt, ihre Kinder nach Deutschland zu bringen. Das Problem: sie konnte die Einreisebestimmungen der EU nicht erfüllen, insbesondere würde <a href="https://paper.wf/newstrujew/pandemiebekampfung-als-vorwand-fur-eu-einreisebeschrankungen" rel="nofollow">ihre Covid-Impfung nicht anerkannt</a>. Während die EU die Pandemie bereits größtenteils laufen ließ, wurde sie weiterhin als Ausrede benutzt, um Einreisen aus ärmeren Ländern zu beschränken.</p>

<p>Dass diese Freundin dennoch schon am 27. Februar bei uns war, hat mit einer anderen Fehleinschätzung von mir zu tun. Ich habe damit gerechnet, dass die EU die Einreise aus der Ukraine unmöglich machen würde, sobald absehbar war, dass Millionen Menschen auf der Flucht sind. Das hat man ja in der Vergangenheit bereits mehrmals gesehen.</p>

<p>Ich habe unterschätzt, welche zentrale Rolle Rassismus dabei spielt. Solche Behandlung war nur für Syrer und Afghanen reserviert, nicht für Ukrainer. Tatsächlich hat man gesehen, dass man Menschen mit ukrainischer Staatbürgerschaft mit offenen Armen willkommen hieß. Menschen mit anderen Staatsbürgerschaften, die auch aus der Ukraine fliehen mussten, hatten weniger Glück. Insbesondere schwarze Menschen, die beispielsweise in der Ukraine studiert haben, sahen sich rassistischen Übergriffen ausgesetzt. Ihr Schicksal interessierte niemanden.</p>

<p>Aber mit den Ukrainer*innen war die Solidarität groß. Das sonst so fremdenfeindliche Polen hat noch am Tag des russischen Angriffs die Grenzen uneingeschränkt für Geflüchtete geöffnet. Es wurde sehr schnell enorm viel Hilfe organisiert, nicht zuletzt von Freiwilligen. Sogar die deutsche Bürokratie zeigte, dass man auf Hilfe angewiesene Menschen etwas besser behandeln kann, als man es sonst so tut.</p>

<p>Ich will mich ganz sicher nicht beklagen, ich bin dankbar. Der Familie geht es gut, und ich bin froh darüber.</p>

<p>Mich macht allerdings auch traurig, dass es überhaupt zu diesem Krieg kommen musste. Denn hier ist auch ein massives Versagen der EU-Politik ursächlich, spätestens seit 2014.</p>

<p>Und es macht mich traurig, dass wir anderswo in der Welt weiterhin wegsehen und Menschen im Stich lassen. Daran hat auch dieser Krieg nichts geändert.</p>
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      <guid>https://paper.wf/newstrujew/der-rassismus-der-eu-fluchtlingspolitik</guid>
      <pubDate>Mon, 31 Oct 2022 10:38:02 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Das seltsame Nazi-Verständnis der russischen Desinformation</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/das-seltsame-nazi-verstandnis-der-russischen-desinformation</link>
      <description>&lt;![CDATA[#russland #ukraine #krieg #desinformation&#xA;&#xA;Die russische Propaganda hat das ukrainische Asow-Regiment zum &#34;puren Bösen&#34; stilisiert, zu den Nazis schlechthin. Immer, wenn es einen Beweis für die Existenz von Nazis in der Ukraine braucht, wird dasselbe Foto gezeigt: Soldaten des Asow-Regiments posieren vor einer Fahne mit Swastika.&#xA;&#xA;Daran merkt man, was in Russland mit &#34;Nazi&#34; gemeint ist: Swastika und Stahlhelme. So, wie in Spielfilmen über den zweiten Weltkrieg eben.&#xA;&#xA;!--more--Der Großteil der russischen Bevölkerung weiß tatsächlich nicht mehr über Nazis, als dass sie böse sind und sich mit Swastikas markieren. Eine echte Auseinandersetzung mit der Ideologie fand schon in der Sowjetunion nicht statt, und das hat sich bis heute nicht geändert.&#xA;&#xA;Würde man dagegen die menschenfeindliche Ideologie der (tatsächlich zahlreich existierenden) ukrainischen Nazis diskutieren, würde man unweigerlich zu dem Schluss kommen: auch in Russland gibt es Nazis, auf allen Ebenen. Und sie haben derzeit nichts zu befürchten.&#xA;&#xA;Genau das will die russische Desinformation natürlich nicht. Deswegen zeigt man immer mit dem Finger auf das Asow-Regiment: &#34;Schaut hin, Swastika! Das sind echte Nazis!&#34;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:russland" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">russland</span></a> <a href="/newstrujew/tag:ukraine" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">ukraine</span></a> <a href="/newstrujew/tag:krieg" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">krieg</span></a> <a href="/newstrujew/tag:desinformation" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">desinformation</span></a></p>

<p>Die russische Propaganda hat das ukrainische Asow-Regiment zum “puren Bösen” stilisiert, zu den Nazis schlechthin. Immer, wenn es einen Beweis für die Existenz von Nazis in der Ukraine braucht, wird dasselbe Foto gezeigt: Soldaten des Asow-Regiments posieren vor einer Fahne mit Swastika.</p>

<p>Daran merkt man, was in Russland mit “Nazi” gemeint ist: Swastika und Stahlhelme. So, wie in Spielfilmen über den zweiten Weltkrieg eben.</p>

<p>Der Großteil der russischen Bevölkerung weiß tatsächlich nicht mehr über Nazis, als dass sie böse sind und sich mit Swastikas markieren. Eine echte Auseinandersetzung mit der Ideologie fand schon in der Sowjetunion nicht statt, und das hat sich bis heute nicht geändert.</p>

<p>Würde man dagegen die menschenfeindliche Ideologie der (tatsächlich zahlreich existierenden) ukrainischen Nazis diskutieren, würde man unweigerlich zu dem Schluss kommen: auch in Russland gibt es Nazis, auf allen Ebenen. Und sie haben derzeit nichts zu befürchten.</p>

<p>Genau das will die russische Desinformation natürlich nicht. Deswegen zeigt man immer mit dem Finger auf das Asow-Regiment: “Schaut hin, Swastika! Das sind echte Nazis!”</p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/newstrujew/das-seltsame-nazi-verstandnis-der-russischen-desinformation</guid>
      <pubDate>Wed, 24 Aug 2022 07:18:48 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Kann Russland sich von innen reformieren?</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/kann-russland-sich-von-innen-reformieren</link>
      <description>&lt;![CDATA[#russland #imperialismus #rassismus #krieg #macht&#xA;&#xA;Um die Frage in der Überschrift gleich zu beantworten: leider sehe ich schwarz dafür. Die drakonischen Strafen für jegliche Kriegsopposition machen eine Auflehnung des Volkes (wenn denn jemand eine erwartet hat) sehr unwahrscheinlich.&#xA;&#xA;Aber es ist nicht nur das, da ist mehr.&#xA;&#xA;!--more--Ja, viele in Russland sind gegen diesen Krieg, auch wenn sie nicht offen protestieren. Aber ein großer Teil der Bevölkerung ist dafür, und das wird sich so bald nicht ändern. Der russische Imperialismus hat tiefe Wurzeln geschlagen.&#xA;&#xA;Und dann ist da noch das politische System, in dem alles auf den Präsidenten ausgerichtet ist. Deutschland hat bereits die Erfahrung gemacht, wohin das führen kann, weswegen man die Macht des Staatsoberhaupts beschränkt hat. Das hat Russland nicht getan.&#xA;&#xA;Schon unter Jelzin war die Machtfülle des Präsidenten problematisch. Diese wurde unter Putin jedoch noch deutlich ausgebaut. Diese Entwicklung wieder zurückzudrehen wird ohne eine radikale gesellschaftliche Veränderung kaum noch möglich sein.&#xA;&#xA;Es dürfte aber schon daran scheitern, jemanden zu finden, der es auch tun will. Navalny, der Hoffnungsträger des Westens, wird es ganz bestimmt nicht tun.&#xA;&#xA;Vor vielen Jahren, noch bevor sich Navalny für den Westen aufgehübscht hat, folgte ich seinem Blog. Und ich kann mit Gewissheit sagen: Navalny und Putin sind in den meisten Punkten einer Meinung. Da, wo sie es nicht sind, zieht man womöglich Putin sogar noch vor.&#xA;&#xA;Falls ihr gehört habt, dass Navalny ein russischer Nationalist sei: es stimmt. Auf Anhieb habe ich beispielsweise diesen Post (weiterhin online) gefunden, wo er die nebenan arbeitenden Tadschiken mit dem Äquivalent des N-Wortes belegt. Dabei &#34;scherzt&#34; er hier noch, die dem Angriff der Skinheads zugeschriebenen Leichen könnten womöglich Arbeitsunfälle gewesen sein.&#xA;&#xA;Das ist wirklich nur eines der harmloseren Beispiele. Wenn es um Tschetschenen geht, dann setzt Navalny in seinem Blog voll auf das Narrativ der wilden unzivilisierten Moslems. Die Cringe-Points dieses Posts kann ich gar nicht alle aufzählen.&#xA;&#xA;Wohlgemerkt kann man durchaus die tschetschenische Korruption kritisieren, ohne die dort lebenden Menschen abzuwerten. Aber bei Navalnys Korruptionskampf scheint immer wieder durch, dass für ihn nur Russen zählen.&#xA;&#xA;An keiner Stelle stellt sich Navalny gegen den russischen Imperialismus, er steht vielmehr voll dahinter. Er kritisiert auch nicht die Ausrichtung der gesamten Gesellschaft auf den Präsidenten. Vielmehr macht es den Anschein, dass er lieber selber dieser Präsident wäre.&#xA;&#xA;Das alles heißt nicht, dass ich das Unrecht, das Navalny angetan wurde, gut finde. Es heißt lediglich, dass ich keine Verbesserung erwarte, sollte er Putins Platz einnehmen. Ganz im Gegenteil.&#xA;&#xA;Und ich habe leider der Eindruck, bei dem Großteil der Moskauer Elite (also bei den Leuten, die realistisch in Machtpositionen kommen könnten) sieht es ähnlich aus. Auch ein Machtwechsel würde also nicht viel verändern.&#xA;&#xA;Dementsprechend sehe ich die einzige Chance dafür, dass uns in Zukunft von Russland angestiftete Kriege erspart bleiben, tatsächlich darin, dass sich russische Regionen von Moskau lossagen. Diese haben im Moment nichts zu sagen, sie haben dabei also viel zu gewinnen.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:russland" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">russland</span></a> <a href="/newstrujew/tag:imperialismus" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">imperialismus</span></a> <a href="/newstrujew/tag:rassismus" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">rassismus</span></a> <a href="/newstrujew/tag:krieg" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">krieg</span></a> <a href="/newstrujew/tag:macht" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">macht</span></a></p>

<p>Um die Frage in der Überschrift gleich zu beantworten: leider sehe ich schwarz dafür. Die drakonischen Strafen für jegliche Kriegsopposition machen eine Auflehnung des Volkes (wenn denn jemand eine erwartet hat) sehr unwahrscheinlich.</p>

<p>Aber es ist nicht nur das, da ist mehr.</p>

<p>Ja, viele in Russland sind gegen diesen Krieg, auch wenn sie nicht offen protestieren. Aber ein großer Teil der Bevölkerung ist dafür, und das wird sich so bald nicht ändern. Der russische Imperialismus hat <a href="https://paper.wf/newstrujew/sowjetische-geschichtsnarrative-und-russisches-selbstverstandnis" rel="nofollow">tiefe Wurzeln geschlagen</a>.</p>

<p>Und dann ist da noch das politische System, in dem alles auf den Präsidenten ausgerichtet ist. Deutschland hat bereits die Erfahrung gemacht, wohin das führen kann, weswegen man die Macht des Staatsoberhaupts beschränkt hat. Das hat Russland nicht getan.</p>

<p>Schon unter Jelzin war die Machtfülle des Präsidenten problematisch. Diese wurde unter Putin jedoch noch deutlich ausgebaut. Diese Entwicklung wieder zurückzudrehen wird ohne eine radikale gesellschaftliche Veränderung kaum noch möglich sein.</p>

<p>Es dürfte aber schon daran scheitern, jemanden zu finden, der es auch tun will. Navalny, der Hoffnungsträger des Westens, wird es ganz bestimmt nicht tun.</p>

<p>Vor vielen Jahren, noch bevor sich Navalny für den Westen aufgehübscht hat, folgte ich seinem Blog. Und ich kann mit Gewissheit sagen: Navalny und Putin sind in den meisten Punkten einer Meinung. Da, wo sie es nicht sind, zieht man womöglich Putin sogar noch vor.</p>

<p>Falls ihr gehört habt, dass Navalny ein russischer Nationalist sei: es stimmt. Auf Anhieb habe ich beispielsweise <a href="https://archive.ph/MR9fA" rel="nofollow">diesen Post</a> (weiterhin online) gefunden, wo er die nebenan arbeitenden Tadschiken mit dem Äquivalent des N-Wortes belegt. Dabei “scherzt” er hier noch, die dem Angriff der Skinheads zugeschriebenen Leichen könnten womöglich Arbeitsunfälle gewesen sein.</p>

<p>Das ist wirklich nur eines der harmloseren Beispiele. Wenn es um Tschetschenen geht, dann setzt Navalny in seinem Blog voll auf das Narrativ der wilden unzivilisierten Moslems. Die Cringe-Points <a href="https://archive.ph/RL5CD" rel="nofollow">dieses Posts</a> kann ich gar nicht alle aufzählen.</p>

<p>Wohlgemerkt kann man durchaus die tschetschenische Korruption kritisieren, ohne die dort lebenden Menschen abzuwerten. Aber bei Navalnys Korruptionskampf scheint immer wieder durch, dass für ihn nur Russen zählen.</p>

<p>An keiner Stelle stellt sich Navalny gegen den russischen Imperialismus, er steht vielmehr voll dahinter. Er kritisiert auch nicht die Ausrichtung der gesamten Gesellschaft auf den Präsidenten. Vielmehr macht es den Anschein, dass er lieber selber dieser Präsident wäre.</p>

<p>Das alles heißt nicht, dass ich das Unrecht, das Navalny angetan wurde, gut finde. Es heißt lediglich, dass ich keine Verbesserung erwarte, sollte er Putins Platz einnehmen. Ganz im Gegenteil.</p>

<p>Und ich habe leider der Eindruck, bei dem Großteil der Moskauer Elite (also bei den Leuten, die realistisch in Machtpositionen kommen könnten) sieht es ähnlich aus. Auch ein Machtwechsel würde also nicht viel verändern.</p>

<p>Dementsprechend sehe ich die einzige Chance dafür, dass uns in Zukunft von Russland angestiftete Kriege erspart bleiben, tatsächlich darin, dass sich russische Regionen von Moskau lossagen. Diese haben im Moment nichts zu sagen, sie haben dabei also viel zu gewinnen.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/newstrujew/kann-russland-sich-von-innen-reformieren</guid>
      <pubDate>Fri, 08 Jul 2022 18:07:22 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Sowjetische Geschichtsnarrative und russisches Selbstverständnis</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/sowjetische-geschichtsnarrative-und-russisches-selbstverstandnis</link>
      <description>&lt;![CDATA[#russland #sowjetunion #geschichte #imperialismus #krieg&#xA;&#xA;Irgendwie muss ich gerade an meinen sowjetischen Geschichtsunterricht zurückdenken. Es scheint dort einige Erklärungen des aktuellen russischen Angriffskriegs zu geben. Ein Text über Geschichtsnarrative, Imperialismus und russisches Selbstverständnis.&#xA;&#xA;Hinweis: Ich habe zwar ein sehr gutes Gedächtnis, aber nach über 30 Jahren kann ich mich natürlich nicht mehr an jedes Detail erinnern. Und während ich vermute, dass meine Erfahrung repräsentativ für die Sowjetunion und heutiges Russland ist, ist sie anekdotische Evidenz.&#xA;&#xA;!--more--Zunächst einmal: die sowjetische Geschichtsschreibung war massiv ideologisch eingefärbt. Die Zaren waren immer schlecht, egal was sie taten. Wenn sie dennoch etwas Gutes taten, war ihre Motivation schlecht. Oder die Idee kam eigentlich von einem Mann des Volkes (=gut).&#xA;&#xA;Ähnlich hätte man eine scharfe Verurteilung aller Ausprägungen des Imperialismus erwartet. Die auch kam, beim westlichen Imperialismus. Der russische Imperialismus wurde dagegen weder benannt, noch angesprochen. Imperialisten waren immer nur die anderen.&#xA;&#xA;Angesichts zahlreicher Kriege, die Russland für die Ausweitung seines Territoriums geführt hat, ist dieser mentale Spagat ganz schön beachtlich. Ich vermute, dass man bei dessen Begründung an die Geschichtsnarrativen des verhassten Zarenrusslands angeknüpft hat.&#xA;&#xA;Eine zentrale Rolle spielen dabei Panslawismus und Panrussismus. Ja, in der &#34;internationalistischen&#34; Sowjetunion. Die Slawen und insbesondere Russen wurden als besonders tugendhaft dargestellt. Andere Völker schauten zu ihnen auf, das Schlechte kam stets von außen.&#xA;&#xA;Da ist es nur &#34;natürlich&#34;, dass Russen die anderen Völker auch regieren sollten. Es war, so dieses Narrativ, gar im Interesse dieser Völker. Die sich freiwillig Russland anschlossen. Oder weil Russland sich gegen sie verteidigen musste.&#xA;&#xA;Ja, das ist wortwörtlich das Narrativ, das so manche russische Politiker kürzlich benutzt haben. Dabei ist es egal, ob es absurd ist. Zahlreiche Generationen sind mit diesem Narrativ aufgewachsen. Es ist Teil des russischen Selbstverständnisses.&#xA;&#xA;2002 war ich in einem Museum in St. Petersburg. Es hat mich schockiert, wie wenig Russland die eigene Geschichte aufgearbeitet hat. Daran hat sich nichts geändert. Die vermutlich aus dem Zarenrussland stammenden imperialistischen Narrative setzen sich ungehindert fort.&#xA;&#xA;Und das ist der Boden, aus dem der aktuelle Angriffskrieg erwächst. Das sind die Narrative, mit denen er oftmals begründet wird. Und ein beachtlicher Teil der Bevölkerung nimmt es für bare Münze. Denn es ist das, was sie schon immer gehört haben.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:russland" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">russland</span></a> <a href="/newstrujew/tag:sowjetunion" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">sowjetunion</span></a> <a href="/newstrujew/tag:geschichte" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">geschichte</span></a> <a href="/newstrujew/tag:imperialismus" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">imperialismus</span></a> <a href="/newstrujew/tag:krieg" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">krieg</span></a></p>

<p>Irgendwie muss ich gerade an meinen sowjetischen Geschichtsunterricht zurückdenken. Es scheint dort einige Erklärungen des aktuellen russischen Angriffskriegs zu geben. Ein Text über Geschichtsnarrative, Imperialismus und russisches Selbstverständnis.</p>

<p><em>Hinweis</em>: Ich habe zwar ein sehr gutes Gedächtnis, aber nach über 30 Jahren kann ich mich natürlich nicht mehr an jedes Detail erinnern. Und während ich vermute, dass meine Erfahrung repräsentativ für die Sowjetunion und heutiges Russland ist, ist sie anekdotische Evidenz.</p>

<p>Zunächst einmal: die sowjetische Geschichtsschreibung war massiv ideologisch eingefärbt. Die Zaren waren immer schlecht, egal was sie taten. Wenn sie dennoch etwas Gutes taten, war ihre Motivation schlecht. Oder die Idee kam eigentlich von einem Mann des Volkes (=gut).</p>

<p>Ähnlich hätte man eine scharfe Verurteilung aller Ausprägungen des Imperialismus erwartet. Die auch kam, beim westlichen Imperialismus. Der russische Imperialismus wurde dagegen weder benannt, noch angesprochen. Imperialisten waren immer nur die anderen.</p>

<p>Angesichts zahlreicher Kriege, die Russland für die Ausweitung seines Territoriums geführt hat, ist dieser mentale Spagat ganz schön beachtlich. Ich vermute, dass man bei dessen Begründung an die Geschichtsnarrativen des verhassten Zarenrusslands angeknüpft hat.</p>

<p>Eine zentrale Rolle spielen dabei Panslawismus und Panrussismus. Ja, in der “internationalistischen” Sowjetunion. Die Slawen und insbesondere Russen wurden als besonders tugendhaft dargestellt. Andere Völker schauten zu ihnen auf, das Schlechte kam stets von außen.</p>

<p>Da ist es nur “natürlich”, dass Russen die anderen Völker auch regieren sollten. Es war, so dieses Narrativ, gar im Interesse dieser Völker. Die sich freiwillig Russland anschlossen. Oder weil Russland sich gegen sie verteidigen musste.</p>

<p>Ja, das ist wortwörtlich das Narrativ, das so manche russische Politiker kürzlich benutzt haben. Dabei ist es egal, ob es absurd ist. Zahlreiche Generationen sind mit diesem Narrativ aufgewachsen. Es ist Teil des russischen Selbstverständnisses.</p>

<p>2002 war ich in einem Museum in St. Petersburg. Es hat mich schockiert, wie wenig Russland die eigene Geschichte aufgearbeitet hat. Daran hat sich nichts geändert. Die vermutlich aus dem Zarenrussland stammenden imperialistischen Narrative setzen sich ungehindert fort.</p>

<p>Und das ist der Boden, aus dem der aktuelle Angriffskrieg erwächst. Das sind die Narrative, mit denen er oftmals begründet wird. Und ein beachtlicher Teil der Bevölkerung nimmt es für bare Münze. Denn es ist das, was sie schon immer gehört haben.</p>
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      <guid>https://paper.wf/newstrujew/sowjetische-geschichtsnarrative-und-russisches-selbstverstandnis</guid>
      <pubDate>Thu, 07 Jul 2022 13:09:06 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Warum man nicht &#34;nett&#34; zu Russland sein sollte</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/warum-man-nicht-nett-zu-russland-sein-sollte</link>
      <description>&lt;![CDATA[#russland #krieg #imperialismus #desinformation #politik&#xA;&#xA;Da ich sehe, dass die &#34;lasst uns doch einfach nett zu Russland sein&#34; Fraktion wieder aus ihrer Höhle hervorkriecht: dass wir jetzt in dieser Situation sind, hat auch damit zu tun, dass Deutschland über Jahrzehnte nett zu Russland war und nicht so genau hingeschaut hat. Damit haben wir Putin in der Meinung bestärkt, dass Deutschland ihm alles durchgehen lässt. Dabei gab es mehr als genug Gelegenheiten, um frühzeitig hellhörig zu werden.&#xA;&#xA;Welche Gelegenheiten? Auch die Kriege natürlich, die Russland völkerrechtswidrig unter Vorwänden geführt oder unterstützt hat. Allein die Annexion Krims 2014 sollte eigentlich jeden wachrütteln.&#xA;&#xA;!--more--Aber nicht nur das. Russland hat über Jahrzehnte auf eine Destabilisierung des Westens hingearbeitet, das ist wahrlich kein Geheimnis. Offizielle Desinformationskanäle wurden von inoffiziellen ergänzt, Russland hat bei jeder Verschwörungstheorie seine Finger drin.&#xA;&#xA;Ich weiß nicht, wie groß der russische Beitrag bei Trump, bei den hiesigen Coronaleugnern oder der Nazi-Partei tatsächlich ist. Aber Tatsache ist: Russland unterstützt jede gesellschaftszersetzende Kraft. Weil wir so nett waren und ihnen nie auf die Finger geklopft haben.&#xA;&#xA;Auch ein großer Teil der Internet-Kriminalität kommt aus Russland. Dort braucht man sich nämlich nicht vor Verfolgung zu fürchten, wenn man nur dem Westen schadet.&#xA;&#xA;Und warum genau haben wir das zugelassen? Ach ja, weil wir im Gegenzug billigen Gas bekamen. Und dann haben wir Russland mal wieder verurteilt, ein paar symbolische Sanktionen verhängt und freuten uns weiter über die niedrigen Preise.&#xA;&#xA;Bis wir eben nicht mehr ignorieren konnten, was Russland anrichtet. Und selbst jetzt gibt es viele, die gerne dazu übergehen würden, es als ein Problem anderer Leute zu sehen. Denn an EU-Grenzen machen Russlands Ambitionen sicherlich halt. Ganz bestimmt.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:russland" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">russland</span></a> <a href="/newstrujew/tag:krieg" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">krieg</span></a> <a href="/newstrujew/tag:imperialismus" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">imperialismus</span></a> <a href="/newstrujew/tag:desinformation" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">desinformation</span></a> <a href="/newstrujew/tag:politik" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">politik</span></a></p>

<p>Da ich sehe, dass die “lasst uns doch einfach nett zu Russland sein” Fraktion wieder aus ihrer Höhle hervorkriecht: dass wir jetzt in dieser Situation sind, hat auch damit zu tun, dass Deutschland über Jahrzehnte nett zu Russland war und nicht so genau hingeschaut hat. Damit haben wir Putin in der Meinung bestärkt, dass Deutschland ihm alles durchgehen lässt. Dabei gab es mehr als genug Gelegenheiten, um frühzeitig hellhörig zu werden.</p>

<p>Welche Gelegenheiten? Auch die Kriege natürlich, die Russland völkerrechtswidrig unter Vorwänden geführt oder unterstützt hat. Allein die Annexion Krims 2014 sollte eigentlich jeden wachrütteln.</p>

<p>Aber nicht nur das. Russland hat über Jahrzehnte auf eine Destabilisierung des Westens hingearbeitet, das ist wahrlich kein Geheimnis. Offizielle Desinformationskanäle wurden von inoffiziellen ergänzt, Russland hat bei jeder Verschwörungstheorie seine Finger drin.</p>

<p>Ich weiß nicht, wie groß der russische Beitrag bei Trump, bei den hiesigen Coronaleugnern oder der Nazi-Partei tatsächlich ist. Aber Tatsache ist: Russland unterstützt jede gesellschaftszersetzende Kraft. Weil wir so nett waren und ihnen nie auf die Finger geklopft haben.</p>

<p>Auch ein großer Teil der Internet-Kriminalität kommt aus Russland. Dort braucht man sich nämlich nicht vor Verfolgung zu fürchten, wenn man nur dem Westen schadet.</p>

<p>Und warum genau haben wir das zugelassen? Ach ja, weil wir im Gegenzug billigen Gas bekamen. Und dann haben wir Russland mal wieder verurteilt, ein paar symbolische Sanktionen verhängt und freuten uns weiter über die niedrigen Preise.</p>

<p>Bis wir eben nicht mehr ignorieren konnten, was Russland anrichtet. Und selbst jetzt gibt es viele, die gerne dazu übergehen würden, es als ein Problem anderer Leute zu sehen. Denn an EU-Grenzen machen Russlands Ambitionen sicherlich halt. Ganz bestimmt.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/newstrujew/warum-man-nicht-nett-zu-russland-sein-sollte</guid>
      <pubDate>Mon, 02 May 2022 07:23:40 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Nein, Russland geht es nicht um die Interessen von Russen</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/nein-russland-geht-es-nicht-um-die-interessen-von-russen</link>
      <description>&lt;![CDATA[#russland #ukraine #krieg #imperialismus&#xA;&#xA;Wir waren vor den Ferien kurz in der Vorbereitungsklasse zu Besuch. Außer den Kindern unserer Gastfamilie waren noch vier ukrainische Kinder dort. Die Lehrerin war natürlich hocherfreut, Übersetzer dabei zu haben, und hat die Möglichkeit auch genutzt.&#xA;&#xA;Auf die Frage, in welche Sprache wir übersetzen sollen, Russisch oder Ukrainisch, haben alle Kinder gesagt: ist uns völlig egal, wir können beides.&#xA;&#xA;!--more--Das ist also eure Erinnerung: bei der russischen Invasion in die Ukraine geht es und ging es nie um Sprachen. Es ging nie um Völker.&#xA;&#xA;Russisch ist in der Ukraine weder unterdrückt, noch assoziieren sich russischsprachige Menschen automatisch mit Russland. Mit allen fünf Flüchtlingsfamilien, denen wir hier helfen, reden wir Russisch, obwohl diese aus dem &#34;erzukrainischen&#34; Lwiw kommen.&#xA;&#xA;Es geht in diesem Krieg einzig und alleinig um territoriale Ansprüche. Russland will sich die Ukraine einverleiben. Ohne Rücksicht auf die Russen und andere russischsprachige Menschen, die dort leben.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:russland" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">russland</span></a> <a href="/newstrujew/tag:ukraine" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">ukraine</span></a> <a href="/newstrujew/tag:krieg" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">krieg</span></a> <a href="/newstrujew/tag:imperialismus" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">imperialismus</span></a></p>

<p>Wir waren vor den Ferien kurz in der Vorbereitungsklasse zu Besuch. Außer den Kindern unserer Gastfamilie waren noch vier ukrainische Kinder dort. Die Lehrerin war natürlich hocherfreut, Übersetzer dabei zu haben, und hat die Möglichkeit auch genutzt.</p>

<p>Auf die Frage, in welche Sprache wir übersetzen sollen, Russisch oder Ukrainisch, haben <em>alle</em> Kinder gesagt: ist uns völlig egal, wir können beides.</p>

<p>Das ist also eure Erinnerung: bei der russischen Invasion in die Ukraine geht es und ging es nie um Sprachen. Es ging nie um Völker.</p>

<p>Russisch ist in der Ukraine weder unterdrückt, noch assoziieren sich russischsprachige Menschen automatisch mit Russland. Mit allen fünf Flüchtlingsfamilien, denen wir hier helfen, reden wir Russisch, obwohl diese aus dem “erzukrainischen” Lwiw kommen.</p>

<p>Es geht in diesem Krieg einzig und alleinig um territoriale Ansprüche. Russland will sich die Ukraine einverleiben. Ohne Rücksicht auf die Russen und andere russischsprachige Menschen, die dort leben.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/newstrujew/nein-russland-geht-es-nicht-um-die-interessen-von-russen</guid>
      <pubDate>Fri, 29 Apr 2022 07:15:18 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Von den russischen &#34;Erfolgsmeldungen&#34;</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/von-den-russischen-erfolgsmeldungen</link>
      <description>&lt;![CDATA[#russland #ukraine #krieg #desinformation&#xA;&#xA;Diese russische TASS-Meldung spricht hochoffiziell von 357 zerstörten ukrainischen Drohnen im Verlauf des Krieges, obwohl die Ukraine nur ca. 50 davon hatte und diese während des Krieges sicherlich nicht (viel) mehr wurden. Die Zahl ist absurd, aber auch symptomatisch.&#xA;&#xA;Zum Kontext: die Ukraine setzt türkische Bayraktar TB2 Drohnen ein. Dass diese Drohnen in diesem Krieg überhaupt Erfolge erzielen konnten, ist ein Armutszeugnis für die russische Armee.&#xA;&#xA;!--more--Zunächst einmal hat man es nicht geschafft, die dazugehörige Infrastruktur zu zerstören. Aber auch die Drohne selbst ist mit einer Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h eine eher leichte Beute für die Luftabwehr.&#xA;&#xA;Zu Beginn des Krieges gab es ca. 50 davon. Vielleicht hat die Türkei seitdem mehr geliefert, aber allzu viele können es nicht gewesen sein.&#xA;&#xA;Wo kommt also die völlig unrealistische Zahl 357 her? Von Erfolgsmeldungen natürlich. Denn die russische Propagandamaschinerie braucht Erfolgsmeldungen, möglichst viele. Der Druck, solche Meldungen zu generieren, wird ganz oben erzeugt und pflanzt sich nach unten fort.&#xA;&#xA;Wahrscheinlich erfinden nicht wenige russische Kommandeure einfach Erfolgsmeldungen. Andernorts wird maßlos übertrieben. Und dann wird aus einem Schuss ins Blaue gleich eine abgeschossene ukrainische Drohne. Eine Verifizierung findet nicht statt, da nicht gewollt.&#xA;&#xA;Und dann wird summiert, um Zwischenstände des Krieges zu veröffentlichen. Mindestens 300 Meldungen von herbeifantasierten Drohnenabschüssen fließen ein (  85%). Bei den anderen Punkten dürfte es ähnlich aussehen. Hauptsache, das Volk hat etwas zu feiern.&#xA;&#xA;Die wichtige Frage ist: glaubt auch Putin diesen Zahlen? Er hat diesen Krieg angezettelt, weil seine Geheimdienste ihm nach dem Mund geredet haben, anstatt ihm die Wahrheit zu sagen. Auch jetzt will ihm niemand die schlechten Nachrichten überbringen. Aber weiß er das?]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:russland" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">russland</span></a> <a href="/newstrujew/tag:ukraine" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">ukraine</span></a> <a href="/newstrujew/tag:krieg" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">krieg</span></a> <a href="/newstrujew/tag:desinformation" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">desinformation</span></a></p>

<p><a href="https://t.me/tass_agency/124139" rel="nofollow">Diese russische TASS-Meldung</a> spricht hochoffiziell von 357 zerstörten ukrainischen Drohnen im Verlauf des Krieges, obwohl die Ukraine nur ca. 50 davon hatte und diese während des Krieges sicherlich nicht (viel) mehr wurden. Die Zahl ist absurd, aber auch symptomatisch.</p>

<p>Zum Kontext: die Ukraine setzt türkische Bayraktar TB2 Drohnen ein. Dass diese Drohnen in diesem Krieg überhaupt Erfolge erzielen konnten, ist ein Armutszeugnis für die russische Armee.</p>

<p>Zunächst einmal hat man es nicht geschafft, die dazugehörige Infrastruktur zu zerstören. Aber auch die Drohne selbst ist mit einer Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h eine eher leichte Beute für die Luftabwehr.</p>

<p>Zu Beginn des Krieges gab es ca. 50 davon. Vielleicht hat die Türkei seitdem mehr geliefert, aber allzu viele können es nicht gewesen sein.</p>

<p>Wo kommt also die völlig unrealistische Zahl 357 her? Von Erfolgsmeldungen natürlich. Denn die russische Propagandamaschinerie braucht Erfolgsmeldungen, möglichst viele. Der Druck, solche Meldungen zu generieren, wird ganz oben erzeugt und pflanzt sich nach unten fort.</p>

<p>Wahrscheinlich erfinden nicht wenige russische Kommandeure einfach Erfolgsmeldungen. Andernorts wird maßlos übertrieben. Und dann wird aus einem Schuss ins Blaue gleich eine abgeschossene ukrainische Drohne. Eine Verifizierung findet nicht statt, da nicht gewollt.</p>

<p>Und dann wird summiert, um Zwischenstände des Krieges zu veröffentlichen. Mindestens 300 Meldungen von herbeifantasierten Drohnenabschüssen fließen ein (&gt;85%). Bei den anderen Punkten dürfte es ähnlich aussehen. Hauptsache, das Volk hat etwas zu feiern.</p>

<p>Die wichtige Frage ist: glaubt auch Putin diesen Zahlen? Er hat diesen Krieg angezettelt, weil seine Geheimdienste ihm nach dem Mund geredet haben, anstatt ihm die Wahrheit zu sagen. Auch jetzt will ihm niemand die schlechten Nachrichten überbringen. Aber weiß er das?</p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/newstrujew/von-den-russischen-erfolgsmeldungen</guid>
      <pubDate>Tue, 05 Apr 2022 17:27:16 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Was hat es mit schiefen Holzhäusern in Russland auf sich?</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/was-hat-es-mit-schiefen-holzhausern-in-russland-auf-sich</link>
      <description>&lt;![CDATA[#russland #armut&#xA;&#xA;Ich habe dieses Bild gesehen, das oftmals genommen wird, um den desolaten Zustand Russlands zu illustrieren. Ich wollte die Geschichte dahinter sehen. Was ist das? Wo? Wann wurde das Bild aufgenommen? Warum sieht es hier so aus? Zum Teil konnte ich die Antworten finden.&#xA;&#xA;Holzhäuser im desolaten Zustand, oftmals schief, mit halb verfaulten Brettern. Die Straße daneben (wenn man sie so nennen kann) ist aus Lehm, überschwemmt und kaum verfahrbar. Es liegt noch etwas Schnee, scheinbar ist es aber Anfang des Frühlings. Im Hintergrund sind moderne Häuser zu sehen.&#xA;&#xA;!--more--Zunächst: das ist wirklich modernes Russland. An einer Stelle habe ich einen Hinweis gefunden: Prospekt Sovetskikh Kosmonavtov (Allee sowjetischer Kosmonauten) in Archangelsk. Den entsprechenden Ort habe ich tatsächlich auf Google Maps gefunden.&#xA;&#xA;Die Aufnahme auf Google Maps stammt aus dem Jahr 2016. Das dürfte ungefähr auch die Zeit sein, wann das ursprüngliche Foto aufgenommen wurde, eventuell ist das Foto ein wenig älter. Viele Details stimmen überein, beispielsweise der schiefe Laternenpfahl.&#xA;&#xA;Ein Artikel von 2018 erzählt, dass es Wohnhäuser sind. Ja, hier leben (oder lebten zumindest noch bis vor Kurzem) ganz normale Familien. Auf der Straße soll es 45 Holzhäuser geben, davon 15 im Notzustand.&#xA;&#xA;Auch heute führt das Register weiterhin 15 Häuser auf dieser Straße unter &#34;Notzustand&#34;, beispielsweise Haus 66 (im Bild das zweite Haus auf der rechten Seite). Das Haus 64 im Vordergrund dagegen nicht, es wird als Architekturdenkmal geführt.&#xA;&#xA;Dieses Haus vorne rechts wurde 1913 erbaut und gehörte dem Schiffskapitän Grinfeld. Noch in den 80ern war es ganz ansehnlich, danach ging es abwärts. Abreißen durfte man es nicht, für Reparatur war kein Geld da. 2019 ist das Haus abgebrannt.&#xA;&#xA;Macht man auf Google Maps einen Schritt zurück, bekommt man eine Aufnahme vom letzten Jahr. Darauf ist eine abgesperrte schwarze Ruine des Hauses zu sehen. Nachrichten zufolge wird das Haus nicht mehr restauriert.&#xA;&#xA;Die anderen Holzhäuser sind auf Google Maps nicht mehr zu sehen. Diese werden zwar weiterhin im Register geführt, wurden aber vermutlich abgerissen, wie es eigentlich auch geplant war. Es werden neue Häuser gebaut, der Zustand der Straße ist aber unverändert.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:russland" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">russland</span></a> <a href="/newstrujew/tag:armut" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">armut</span></a></p>

<p>Ich habe dieses Bild gesehen, das oftmals genommen wird, um den desolaten Zustand Russlands zu illustrieren. Ich wollte die Geschichte dahinter sehen. Was ist das? Wo? Wann wurde das Bild aufgenommen? Warum sieht es hier so aus? Zum Teil konnte ich die Antworten finden.</p>

<p><img src="https://pixelfed.de/storage/m/_v2/495313347312455455/a48ad3dc0-89cf68/xJGEU65H2K7D/ih346Wb6BH8Ow3hHAEBcf3DPe7ko4wF0p0FBycj6.jpg" alt="Holzhäuser im desolaten Zustand, oftmals schief, mit halb verfaulten Brettern. Die Straße daneben (wenn man sie so nennen kann) ist aus Lehm, überschwemmt und kaum verfahrbar. Es liegt noch etwas Schnee, scheinbar ist es aber Anfang des Frühlings. Im Hintergrund sind moderne Häuser zu sehen."></p>

<p>Zunächst: das ist wirklich modernes Russland. An einer Stelle habe ich einen Hinweis gefunden: Prospekt Sovetskikh Kosmonavtov (Allee sowjetischer Kosmonauten) in Archangelsk. Den entsprechenden Ort habe ich tatsächlich <a href="https://www.google.de/maps/@64.5389895,40.5376953,3a,75y,319.52h,90t/data=!3m6!1e1!3m4!1s1x8v18wzQwY2HNujRg2gVw!2e0!7i13312!8i6656" rel="nofollow">auf Google Maps</a> gefunden.</p>

<p>Die Aufnahme auf Google Maps stammt aus dem Jahr 2016. Das dürfte ungefähr auch die Zeit sein, wann das ursprüngliche Foto aufgenommen wurde, eventuell ist das Foto ein wenig älter. Viele Details stimmen überein, beispielsweise der schiefe Laternenpfahl.</p>

<p><a href="https://29.ru/text/gorod/2018/12/12/65731371/" rel="nofollow">Ein Artikel von 2018</a> erzählt, dass es Wohnhäuser sind. Ja, hier leben (oder lebten zumindest noch bis vor Kurzem) ganz normale Familien. Auf der Straße soll es 45 Holzhäuser geben, davon 15 im Notzustand.</p>

<p>Auch heute führt <a href="https://prawdom.ru/k_avaria.php?hm=sovetskix-kosmonavtov-60006811_66&amp;r=99011" rel="nofollow">das Register</a> weiterhin 15 Häuser auf dieser Straße unter “Notzustand”, beispielsweise Haus 66 (im Bild das zweite Haus auf der rechten Seite). Das Haus 64 im Vordergrund dagegen nicht, es wird als Architekturdenkmal geführt.</p>

<p>Dieses Haus vorne rechts wurde 1913 erbaut und <a href="https://vaga-land.livejournal.com/1068980.html" rel="nofollow">gehörte dem Schiffskapitän Grinfeld</a>. Noch in den 80ern war es ganz ansehnlich, danach ging es abwärts. Abreißen durfte man es nicht, für Reparatur war kein Geld da. 2019 ist das Haus abgebrannt.</p>

<p>Macht man auf Google Maps einen Schritt zurück, bekommt man eine Aufnahme vom letzten Jahr. Darauf ist eine abgesperrte schwarze Ruine des Hauses zu sehen. Nachrichten zufolge wird das Haus nicht mehr restauriert.</p>

<p>Die anderen Holzhäuser sind auf Google Maps nicht mehr zu sehen. Diese werden zwar weiterhin im Register geführt, wurden aber vermutlich abgerissen, wie es eigentlich auch geplant war. Es werden neue Häuser gebaut, der Zustand der Straße ist aber unverändert.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://paper.wf/newstrujew/was-hat-es-mit-schiefen-holzhausern-in-russland-auf-sich</guid>
      <pubDate>Tue, 29 Mar 2022 08:54:25 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Schulfach &#34;Arbeit&#34; in post-sowjetischen Ländern</title>
      <link>https://paper.wf/newstrujew/schulfach-arbeit-in-post-sowjetischen-landern</link>
      <description>&lt;![CDATA[#bildung #russland #ukraine #sowjetunion #geschichte&#xA;&#xA;Ich bin immer wieder fasziniert, wie wenig sich der ukrainische (und russische) Schulunterricht in der 30 Jahren seit dem Ende der Sowjetunion weiterentwickelt hat. Da erzählt man mir beispielsweise über das Fach Werken. Wobei es aber wörtlich weiterhin &#34;Arbeit&#34; heißt.&#xA;&#xA;Und das ergibt eigentlich nur im sowjetischen Kontext einen Sinn. Hier galt ideologisch bedingt nur das manuelle Erzeugen von etwas als Arbeit, im Gegensatz zur intellektueller Arbeit oder Dienstleistungen zum Beispiel.&#xA;&#xA;In dem Fach wird auch weiter in feinster sowjetischer Manier nach Geschlecht getrennt: Jungs an die Werkbank, Mädchen an den Herd. Die beiden Mädchen meinen übereinstimmend, dass sie das Fach sogar mögen würden, wenn sie zu den Jungs dürften. Dürfen sie aber nicht.]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><a href="/newstrujew/tag:bildung" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">bildung</span></a> <a href="/newstrujew/tag:russland" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">russland</span></a> <a href="/newstrujew/tag:ukraine" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">ukraine</span></a> <a href="/newstrujew/tag:sowjetunion" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">sowjetunion</span></a> <a href="/newstrujew/tag:geschichte" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">geschichte</span></a></p>

<p>Ich bin immer wieder fasziniert, wie wenig sich der ukrainische (und russische) Schulunterricht in der 30 Jahren seit dem Ende der Sowjetunion weiterentwickelt hat. Da erzählt man mir beispielsweise über das Fach Werken. Wobei es aber wörtlich weiterhin “Arbeit” heißt.</p>

<p>Und das ergibt eigentlich nur im sowjetischen Kontext einen Sinn. Hier galt ideologisch bedingt nur das manuelle Erzeugen von etwas als Arbeit, im Gegensatz zur intellektueller Arbeit oder Dienstleistungen zum Beispiel.</p>

<p>In dem Fach wird auch weiter in feinster sowjetischer Manier nach Geschlecht getrennt: Jungs an die Werkbank, Mädchen an den Herd. Die beiden Mädchen meinen übereinstimmend, dass sie das Fach sogar mögen würden, wenn sie zu den Jungs dürften. Dürfen sie aber nicht.</p>
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      <guid>https://paper.wf/newstrujew/schulfach-arbeit-in-post-sowjetischen-landern</guid>
      <pubDate>Sat, 12 Mar 2022 18:11:44 +0000</pubDate>
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