Dann würde sich genau gar nichts ändern. Oder X wäre sogar noch mehr davon überzeugt, dass es alle aus Hartz IV schaffen können, wenn sie sich nur mehr anstrengen.
Das Problem mit der Armut ist nicht bloß das fehlende Geld. Es ist auch das Fehlen der Hoffnung, dass sich in absehbarer Zeit etwas zum Besseren ändern kann. Es ist die Abhängigkeit vom guten Willen des Staates und seiner Bediensteten. Es ist die Verurteilung der Umgebung.
Die Boot-Metapher wird gerne bemüht, um zu betonen, dass wir alle mit denselben Problemen zu kämpfen hätten. Aber es stimmt nicht. Wir können uns die Lebensrealität anderer Menschen oft nicht einmal vorstellen.
Ich will nur zwei Beispiele nennen, aber es gibt natürlich sehr viele mehr.
Um die Frage in der Überschrift gleich zu beantworten: leider sehe ich schwarz dafür. Die drakonischen Strafen für jegliche Kriegsopposition machen eine Auflehnung des Volkes (wenn denn jemand eine erwartet hat) sehr unwahrscheinlich.
Mag sein, dass diese These nicht unmittelbar einleuchtet, aber bei der Vergewaltigung geht es primär um Macht.
Nein, Vergewaltigungen werden in den seltensten Fällen von Menschen mit mangelnder Impulskontrolle begangen. In den meisten Fällen wissen die Täter genau, was sie da tun. Und sie tun es, weil die Gesellschaft sie lässt.
Jemand hat mir mit einem Satz die Batman-Geschichte ein für alle Mal versaut. Es hieß in etwa: “Batman ist der Typ, der Armut beenden könnte, aber stattdessen die Armen vermöbelt.” Fans werden mich natürlich steinigen, aber es trifft den Nagel auf den Kopf.
Bruce Wayne ist nämlich steinreich. Sein Vermögen ist enorm, er kann über viele Milliarden frei verfügen. Das vor dem Hintergrund einer verarmten Stadt. Sein Beitrag zu dieser Massenarmut wird nicht besprochen. Aber mit seinen Finanzen könnte er die Armut definitiv beenden.
Wer den Kontext nicht kennt, Simon Baron-Cohen ist für eine Reihe schädlicher Theorien zu Autismus verantwortlich. Diese sind allesamt auf überholten Stereotypen basiert, bekommen aber auch heutzutage weiterhin viel Beachtung und werden auch von ihrem Autor weiter verbreitet.
Wohlgemerkt ist das Problem nicht, dass diese Theorien aufgestellt wurden. Falsche Hypothesen sind normaler Bestandteil der wissenschaftlichen Forschung. Das Problem ist, das heute noch gegen besseres Wissen an diesen Theorien festgehalten wird, zum Nachteil der Betroffenen.
TERFs nehmen gern “die meisten Vergewaltigungen werden von Penisträgern begangen” und konstruieren daraus einen kausalen Zusammenhang. Scheint einleuchtend, ist aber ein Trugschluss. In Wirklichkeit liegt es an den Machtverhältnissen.
Cis Männer vergewaltigen nicht, weil sie einen Penis haben: es geht auch ohne. Sie tun es, weil ihnen unsere Gesellschaft alles durchgehen lässt. Weil sie es dürfen und von ihrer Umgebung darin sogar noch bestätigt werden.
Fast alle Superheld*innenfilme wollen uns klarmachen, dass ein Mensch, der plötzlich übermenschliche Kräfte bekommt, diese im Normalfall verantwortungsvoll und zum Wohle der Allgemeinheit einsetzt. Und dass nur Eigennutz unnatürlich sei und einer Erklärung bedarf.
So sehr mir ein solches Menschenbild zusagt, so falsch ist es auch. Macht korrumpiert, und das ist in unserer Gesellschaft eine Konstante. Hat ein Mensch Macht, die er unkontrolliert einsetzen darf, wird er sie fast universell missbrauchen.
In dieser Hinsicht war für mich persönlich die Smallville-Serie eine herbe Enttäuschung. Da was sie, die Chance zu zeigen, wie jemand zu einem Superhelden aufwächst, der unbeirrbar für das Gute einsteht. Stattdessen: autoritäre Eltern, miserable Menschenkenntnis, wird schon.
Es gibt eine Strömung im Feminismus, die man sofort in den Kommentaren hat, wenn man den Begriff “TERF” erwähnt. Dann wird erzählt, dass sie ja gar nichts gegen trans Menschen hätten und es eigentlich ein frauenfeindlicher Begriff sei.
Ich habe schon einige Male die Übernahme einer gut gemeinten Bewegung durch problematische Charaktere mitbekommen, wenn auch nicht aus der nächsten Nähe. Ich schreibe mal auf, wie das in etwa abläuft, weil ich denke, dass viele die Zeichen nicht deuten können.
Zunächst einmal finden sich mehrere Menschen zusammen und gründen eine Bewegung, um die Welt zu verbessern. Man ist sich einig, was und warum zu tun ist, alle verstehen sich, es ist ein tolles Gefühl.