Ja, ich mag die Radfahrenden, die bei Rot über Ampeln fahren, auch nicht. Aber damit ist dieses Thema eigentlich schon erledigt. Denn sie bringen, mit seltenen Ausnahmen, nur sich selber in Gefahr.
Die Gefahr für alle geht von Leuten in tonnenschweren Blechkisten aus. Und dass sich diese Leute rücksichtslos im Verkehr verhalten dürfen, ist ein Skandal. Denn ihre Fehler kosten Menschenleben. Vor allem Leben von weniger geschützten Verkehrteilnehmer*innen. Zu Fuss Gehenden, Radfahrenden. Menschen, die ein Leben hatten.
Ach ja, toxische Männlichkeit... Schon Kleinwagen werden größtenteils von Frauen gefahren, obwohl sie in der Stadt in jeder Hinsicht die bessere Wahl sind, solange keine Kinder dabei sind. Weil viele Männer fürchten, ihnen würde etwas abfallen, wenn sie keinen dicken Schlitten fahren.
Der Begriff der Männlichkeit ist in unserer Gesellschaft auch an das Auto geknüpft. Kein Auto zu haben ist “unmännlich”. Da wundert es nicht, dass weite Teile der Gesellschaft schon beim Erwähnen der Möglichkeit, manchmal auch Fahrrad zu fahren, gleich Sturm laufen.
Es hängt alles zusammen. Klimaschutz, Feminismus, Antirassismus und noch mehr. Es sind Themen, die alle angegangen werden müssen, wenn wir die großen Probleme unserer Gesellschaft lösen wollen.
So, das waren jetzt meine 2 Cent zu Porsche vs. Lastenrad.
Wir haben eine 45-km-Radtour gewagt. Für unsere altersschwachen Akkus ist das knapp über der Reichweite. Also drei eBike-Ladestationen auf der Karte gefunden, die auf dem Weg liegen. Sollte also kein Problem sein.
Erste Ladestation gesehen, aber es war noch zu früh für eine Pause. Auf der zweiten Ladestation hing ein Zettel “vorübergehend außer Betrieb”. Also einen kleinen Umweg zur dritten Ladestation unternommen: kein Zettel, Steckdosen tot.
Unser Auto wird noch etwa 5 Jahre benutzbar sein. Ich überlege mir schon einmal, ob sich danach eine Neuanschaffung lohnt. Unsere E-Bikes haben wir ja ohnehin, und darauf wollen wir nicht mehr verzichten.
Wäre ich allein, hätte ich das Auto schon längst verkauft. Aber wir sein ein Vier-Personen-Haushalt. Außerdem ist da noch meine Schwägerin, die wegen ihrer Behinderung kein Fahrrad benutzen kann, und die wir regelmäßig fahren. Also alles ganz genau durchrechnen. Die Rechnung geht so:
Durchschnittsgeschwindigkeit Auto in der Stadt: 30 km/h
Durchschnittsgeschwindigkeit E-Bike in der Stadt: 20 km/h
Rechnet man noch Parkplatzsuche und Staus hinzu, kommt man in Städten mit E-Bike oft mindestens genauso schnell ans Ziel. E-Bikes haben aber nur einen Bruchteil der Kosten, des Platz- und Energieverbrauchs eines Autos.
Dass wir als Gesellschaft in 2021 immer noch Auto vs. Fahrrad diskutieren, ist hochgradig unsinnig. Wir sollten in Städten längst die Fahrradinfrastruktur priorisiert haben.
Zu diskutieren gäbe es eigentlich nur, wie man es mehr Menschen ermöglicht, ihre Fahrten per E-Bike zu erledigen. Mehr ausleihbare Lastenräder, bezahlbares Bikesharing, Kaufprämien für E-Bikes von mir aus. Und natürlich: Zustand der Radwege verbessern.