Wir haben es schon so oft gehört, dass wir diese Aussage kaum noch infrage stellen: Übergewicht ist ungesund. Das sagen uns zahlreiche Expert*innen, die es mit Studienergebnissen untermauern können. Warum also daran zweifeln?
Zwar haben wir vielleicht schon mal gehört, dass BMI ziemlich übler rassistischer Mist ist. Aber das ändert ja an der Validität der Aussage nichts. Oder etwa doch?
Ich habe mich jahrelang mit Autismus beschäftigt, auch um mich selber besser verstehen zu können. Dabei war für mich die Frage zentral: was ist Autismus überhaupt?
Es wurde nicht besser, als ich in einem Buch über Autismus von Merkmalen einer autistischen Persönlichkeit las, die ich zuvor für Ausprägungen meine Individualität hielt. Wo hört eigentlich bei mir Autismus auf, und wo fängt meine Individualität an?
In einem Mastodon-Beitrag wurde auf diese Studie aufmerksam gemacht, die zu dem Schluss kommt, Triggerwarnungen seien nicht effektiv. Diese Studie würde ich gerne auseinander nehmen. Denn eigentlich wird hier nur ein möglicher Weg untersucht, wie Triggerwarnungen eingesetzt werden können.
Zunächst einmal ist da die zitierte Kritik an den Triggerwarnungen. Die fängt mit dem üblichen Bullshit an:
Critics have suggested that trigger warnings imperil free speech, academic freedom, and effective teaching
Wenn euch demnächst jemand sagt, er*sie sei autistisch, starrt bitte nicht auf die Ohren der Person. Denn die ganze Geschichte ist Quatsch. Aber wie kommt sie zustande?
In den 1950ern kam das Schlafmittel Thalidomid/Contergan auf den Markt. In der Folge gab es zahlreiche Fehlbildungen Neugeborener. Das Problem wurde lange verneint, erst 1961 wurde das Medikament vom Markt genommen. Siehe Contergan-Skandal.
Wer den Kontext nicht kennt, Simon Baron-Cohen ist für eine Reihe schädlicher Theorien zu Autismus verantwortlich. Diese sind allesamt auf überholten Stereotypen basiert, bekommen aber auch heutzutage weiterhin viel Beachtung und werden auch von ihrem Autor weiter verbreitet.
Wohlgemerkt ist das Problem nicht, dass diese Theorien aufgestellt wurden. Falsche Hypothesen sind normaler Bestandteil der wissenschaftlichen Forschung. Das Problem ist, das heute noch gegen besseres Wissen an diesen Theorien festgehalten wird, zum Nachteil der Betroffenen.
Kennt ihr die Mär vom kreativen Linkshänder? Ich finde, es ist ein faszinierendes Beispiel fehlgeleiteter psychologischer Forschung, die es versäumt, den soziokulturellen Kontext zu berücksichtigen.
In älteren Studien waren Linkshänder tatsächlich intelligenter und kreativer. Das hatte aber vor allem damit zu tun, dass zu der Zeit die meisten Linkshänder umgelernt wurden und dadurch nicht mehr als Linkshänder erkennbar waren. Wer wurde nicht umgelernt und konnte an einer solchen Studie teilnehmen? Vor allem Leute aus progressiven Familien.